Angeordnete Freilassung verhindert

Gregory Hinds und Geraldine Chacón nebeneinander, lächelnd

Gregory Hinds und Geraldine Chacón sind zwei gewaltlose politische Gefangene

Gregory Hinds und Geraldine Chacón befinden sich seit dem 31. Januar beziehungsweise dem 1. Februar willkürlich im Gewahrsam des venezolanischen Geheimdienstes SEBIN (Servicio Bolivariano de Inteligencia Nacional) in der Hauptstadt Caracas. Für beide war am 2. April die Freilassung angeordnet worden, aber der Geheimdienst weigert sich, dieser Anordnung nachzukommen. Gregory Hinds und Geraldine Chacón sind gewaltlose politische Gefangene und müssen umgehend und bedingungslos freigelassen werden.

Appell an:

Vizepresident der Republik

Tareck El Aissami        

Esq. Carmelitas, Avenida Urdaneta

Caracas 1010, VENEZUELA

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Bolivarischen Republik Venezuela
S. E. Herrn Ramon Orlando Maniglia Ferreira

Schillstraße 10
10785 Berlin
Fax: 030-832 224 020
E-Mail: embavenez.berlin@botschaft-venezuela.de

Amnesty fordert:

  • Bitte lassen Sie Geraldine Chacón und Gregory Hinds umgehend und bedingungslos frei. Sie sind gewaltlose politische Gefangene, die weder Gewalt angewandt noch befürwortet haben und willkürlich in der Haftanstalt des Geheimdienstes festgehalten werden, obwohl eine Anordnung zu ihrer Freilassung vorliegt.
  • Stellen Sie sicher, dass Geraldine Chacón und Gregory Hinds während ihrer Inhaftierung vor jeglicher Form der Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung geschützt sind und außerdem Zugang zu einem Rechtsbeistand und ihren Familien erhalten.
  • Gestatten Sie Gregory Hinds die Verlegung in ein Krankenhaus seiner Wahl, damit er die nötige medizinische Behandlung seines Bluthochdrucks und anderer gesundheitlicher Leiden erhält.

Sachlage

Am 31. Januar wurde der 31-jährige Gregory Hinds von Angehörigen der venezolanischen Behörden zu einer Einrichtung des Geheimdienstes SEBIN gebracht. Grund dafür waren offenbar Interviews, die er am selben Tag gegeben hatte. Nur ein paar Stunden später, in der Nacht zum 1. Februar, wurde auch die 24-jährige Geraldine Chacón von SEBIN-Beamt_innen zuhause abgeholt und mit der gleichen Begründung zur Geheimdienstbehörde gebracht. Obwohl kein Haftbefehl gegen sie vorliegt, werden die beiden gewaltlosen politischen Gefangenen seither ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten. Das zuständige Gericht ordnete am 2. April die Freilassung der beiden Personen an. Da sich der Geheimdienst bislang weigerte, dieser Anordnung nachzukommen, werden Gregory Hinds und Geraldine Chacón nach wie vor willkürlich ihrer Freiheit beraubt.

Sowohl die Beamt_innen der Hauptverwaltungsstelle des SEBIN-Geheimdienstes als auch die Behörden der Haftanstalt erklärten, dass ihnen keine Anweisung vorliege, der Anordnung zur Freilassung von Gregory Hinds und Geraldine Chacón nachzukommen. Die Familienangehörigen sowie die Rechtsbeistände der beiden gewaltlosen politischen Gefangenen erfuhren von Geheimdienstmitarbeiter_innen, dass diese keine Kenntnis darüber hätten, wo der Entlassungsbefehl abgespeichert sei und zudem sei das Computersystem seit Anfang April nicht in Betrieb.

Die Rechtsbeistände von Gregory Hinds erklärten derweil, dass die Geheimdienstmitarbeiter_innen seinem Mandanten in der Haft den Zugang zu medizinischer Versorgung seiner chronischen Krankheiten verweigern. Gregory Hinds leidet unter anderem an Bluthochdruck und Hautausschlägen. Weder Gregory Hinds noch Geraldine Chacón wurde der Zugang zu Trinkwasser, sauberer Kleidung, angemessenen Hygienebedingungen und Medikamenten gestattet. Außerdem erhalten sie vom Geheimdienst oft zu wenig und rohes Essen, auch rohes Geflügelfleisch. Während sie willkürlich vom venezolanischen Geheimdienst festgehalten werden, sind beide gewaltlosen politischen Gefangenen der Gefahr ausgesetzt, misshandelt zu werden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Gregory Hinds und Geraldine Chacón leiten die venezolanische Nichtregierungsorganisation „Fundación Embajadores Comunitarios“. Diese wurde im Jahr 2008 gegründet und arbeitet mit gefährdeten Jugendlichen aus den Problemgebieten Venezuelas. Ziel der Organisation ist es, die Jugendlichen auf die Mitarbeit an Gemeinschaftsprojekten nach Vorbild der Vereinten Nationen vorzubereiten. Laut ihrer Website hat die Nichtregierungsorganisation inzwischen rund 1000 jugendliche Mitglieder und ist in 11 Gemeinden sowie 13 Bildungseinrichtungen in drei Großstädten in Venezuela vertreten. Außerdem ist sie mehrfach ausgezeichnet worden, wie beispielsweise 2015 als Beitrag zu „Improving lives in the cities of Venezuela”. Die Auszeichnung wurde von der Interamerikanischen Entwicklungsbank verliehen. Gregory Hinds und Geraldine Chacón engagieren sich seit vielen Jahren für soziale Angelegenheiten in ihrem Land.

Geraldine Chacón gründete und koordinierte das Jugendnetzwerk von Amnesty International in Venezuela an der „Universidad Metropolitana“, einer Universität in der Hauptstadt Venezuelas.

Sowohl Geraldine Chacón als auch Gregory Hinds wurden offenbar aufgrund ihrer Verbindung zu der Organisation, für die sie arbeiten, festgenommen. Die Nichtregierungsorganisation war am 17. Januar 2018 von einem hohen Regierungsbeamten in einer landesweit ausgestrahlten Sendung, die sich „Con el Mazo Dando“ nennt, erwähnt worden. Die Fernsehshow läuft jeden Mittwoch und ist dafür bekannt, regelmäßig Kritiker_innen, Menschenrechtsverteidiger_innen sowie Oppositionspolitiker_innen anzugreifen und zu schikanieren. So wurde am 17. Januar Katherina Hruskovec genannt. Sie ist die Gründungsdirektorin der Nichtregierungsorganisation. Laut der Sendung handele es sich um eine betrügerische Organisation, die verantwortlich dafür sei, Jugendliche zu manipulieren und ihnen die Vorzüge des Kapitalismus beizubringen.

Amnesty International berichtete bereits über ähnliche Fälle, wie beispielsweise den des gewaltlosen politischen Gefangenen Villca Fernandez. Auch er wurde festgenommen, strafrechtlich verfolgt und befindet sich seit Januar 2016 in Gewahrsam des Geheimdienstes, nachdem sein Name in der TV-Show genannt worden war.