Aserbaidschan: Inhaftierte Journalist*innen freilassen!

Viele Polizisten stehen vor einem Gebäude, man sieht den Kopf einer Journalistin, sie blickt in die Kamera

Zwölf Journalist*innen des Nachrichtensenders Meydan TV und damit verbundener Medienunternehmen sitzen in Aserbaidschan seit Monaten in Untersuchungshaft, einige von ihnen bereits seit mehr als anderthalb Jahren. Sie wurden festgenommen, weil sie unabhängig und kritisch berichtet haben.

Setz dich jetzt für ihre Freilassung ein und beteilige dich an unserer Online-Aktion an Präsident Ilham Aliyev!

Seit Jahrzehnten beobachtet Amnesty International in Aserbaidschan eine fortschreitende Verschlechterung der Menschenrechtslage, insbesondere bei der Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit. Unverhältnismäßig strenge Rechenschafts- und Genehmigungspflichten machen die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen und unabhängigen, kritischen Medien nahezu unmöglich. Immer wieder werden Menschen willkürlich verhaftet und, oft unter konstruierten Anklagen, vor Gericht gestellt und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Amnesty International geht von etwa 300 gewaltlosen politischen Gefangenen aus, darunter etwa dreißig Journalist*innen.

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Präsident, 

die Journalistinnen und Journalisten Aynur Ganbarova ("Elgunash"), Aytaj Ahmadova ("Tapdiq"), Khayala Agayeva, Aysel Umudova, Ramin Jabrailzadeh ("Deko"), Natig Javadli, Ulvi Tahirov, Shamshad Agha ("Aghayev"), Nurlan Gahramanli ("Libre"), Fatima Movlamli, Ulviyya Guliyeva ("Ali"), Ahmad Mukhtar wurden zwischen Dezember 2024 und August 2025 verhaftet und befinden sich seitdem in Untersuchungshaft. 

Sie alle arbeiten für die Onlineplattform Meydan TV oder stehen mit ihr in Verbindung. Die Anklage gegen sie ist politisch motiviert. Sie werden beschuldigt, gegen Aserbaidschans Finanzvorschriften verstoßen zu haben. Diese Vorschriften sind jedoch unangemessen restriktiv und zielen offensichtlich darauf ab, unabhängigen Medien und NGOs die Geldmittel zu entziehen, indem sie die Einhaltung der Gesetze für Medien wie Meydan TV unmöglich machen. 

Nach diesen Vorschriften ist jede unabhängige Finanzierung rechtswidrig, sofern sie nicht ausdrücklich von der Regierung genehmigt ist – eine Genehmigung wird kritischen Medien jedoch nie erteilt. Trotz der langen Dauer des Verfahrens wird die Untersuchungshaft immer weiter verlängert. Die Haftbedingungen, insbesondere die Überfüllung der Zellen und unzureichende hygienische Bedingungen, verstoßen gegen internationale Menschenrechtsstandards, zu deren Einhaltung Aserbaidschan sich verpflichtet hat. 

Hinzu kommt, dass mehrere der Inhaftierten sich über Drohungen, körperliche Übergriffe und sexualisierte Belästigung durch Polizei- und Strafvollzugsbeamt*innen beklagt haben, ohne dass diese Vorwürfe untersucht wurden. Einigen Inhaftierten wird die notwendige medizinische Versorgung verweigert. 

Wir bitten Sie daher nachdrücklich: 

  • Setzen Sie der Unterdrückung der Medienfreiheit und kritischer Stimmen in Aserbaidschan sowie der unbegründeten Strafverfolgung von Journalist*innen sofort ein Ende. 
  • Lassen Sie die zwölf Journalist*innen von Meydan TV und alle anderen willkürlich inhaftierten Personen unverzüglich frei. 
  • Veranlassen Sie eine wirksame Untersuchung der Vorwürfe von Folter und anderen Misshandlungen von Häftlingen.
  • Sorgen Sie dafür, dass die inhaftierten Journalist*innen von Meydan TV, deren Gesundheit gefährdet ist, unverzüglich die erforderliche medizinische Versorgung erhalten.

Dear Mr President,

the journalists Aynur Ganbarova ("Elgunash"), Aytaj Ahmadova ("Tapdiq"), Khayala Agayeva, Aysel Umudova, Ramin Jabrailzadeh ("Deko"), Natig Javadli, Ulvi Tahirov, Shamshad Agha ("Aghayev"), Nurlan Gahramanli ("Libre"), Fatima Movlamli, Ulviyya Guliyeva ("Ali"), and Ahmad Mukhtar were arrested between December 2024 and August 2025 and have been held in pre-trial detention ever since. 

They all work for, or are affiliated with, the online platform Meydan TV. The charges against them are politically motivated. They are accused of violating Azerbaijan's financial regulations. However, these regulations are unduly restrictive and clearly aim to cut off funding for independent media and NGOs by making legal compliance impossible for outlets like Meydan TV. Under these regulations, any independent funding is unlawful unless expressly allowed by the government – which it never does for critical media outlets.

Despite the lengthy duration of the proceedings, pre-trial detention continues to be extended. Conditions of detention – particularly cell overcrowding and inadequate hygiene – violate international human rights standards that Azerbaijan has committed to upholding. Furthermore, several detainees have reported threats, physical assaults, and sexual harassment by police and prison officials, yet these allegations have not been investigated. Some detainees are being denied necessary medical care.

We therefore urge you:

  • end reprisals against free media and dissent in Azerbaijan, and unfounded prosecutions of journalists;
  • ensure the immediate release of the 12 Meydan TV journalists, and all persons arbitrarily detained;
  • effectively investigate allegations of torture and other ill-treatment of detainees, and in meantime ensure that the jailed journalists from Meydan TV whose health is at risk receive the healthcare they require without any delay.

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Hintergrundinformation

Hintergrund

Seit November 2023 haben die aserbaidschanischen Behörden fast 30 Journalist*innen und andere Medienschaffende willkürlich inhaftieren lassen. Ihre Inhaftierung ist Teil ihres verschärften Vorgehens gegen unabhängige Stimmen und abweichende Meinungen im Land. Mindestens zwölf der seit dem 6. Dezember 2024 Inhaftierten sind Journalist*innen und Medienschaffende von Meydan TV, der Journalistenschule Baku oder anderen unabhängigen Medienunternehmen. Gegen sie wird in einem Verfahren verhandelt.

Am 6. Dezember 2024 wurden die Meydan-TV-Journalist*innen Aynur Ganbarova ("Elgunash"), Aytaj Ahmadova ("Tapdiq"), Khayala Agayeva, Aysel Umudova, Ramin Jabrailzadeh ("Deko") und Natig Javadli zusammen mit Ulvi Tahirov, dem stellvertretenden Direktor der Journalistenschule Baku, festgenommen. Weitere Festnahmen folgten. Dazu gehörten Shamshad Agha ("Aghayev"), Chefredakteur von Argument.az und Mitarbeiter von Meydan TV, die freiberuflichen Reporter*innen Nurlan Gahramanli ("Libre") und Fatima Movlamli, die im Februar 2025 festgenommen wurden, sowie die Journalistin Ulviyya Guliyeva ("Ali") und der Fotojournalist Ahmad Mukhtar, die im Mai bzw. August 2025 festgenommen wurden.

Das Strafverfahren gegen Meydan TV und mit dem Nachrichtensender verbundene Personen dient dazu, kritischen Journalismus zu bestrafen und zum Schweigen zu bringen, wie es auch bei den anderen festgenommenen und inhaftierten Journalist*innen in Aserbaidschan der Fall ist.

Die Journalist*innen wurden nach Paragraf 206.3.2 des Strafgesetzbuches von Aserbaidschan ("Schmuggel von Devisen") angeklagt. Diese Bestimmung wurde bereits wiederholt dazu benutzt, unabhängige Medien und Journalist*innen in Aserbaidschan zum Schweigen zu bringen, darunter Abzas Media, Toplum TV und Kanal-13. In Aserbaidschan sind inländische Finanzierungsquellen für unabhängige Medien äußerst begrenzt. Der Werbemarkt ist klein, und Unternehmen, die es wagen, in regierungskritischen Medien zu werben, gehen Risiken ein. 

Um ausländische Finanzierungsquellen für kritische Medien und NGOs unmöglich zu machen, haben die Behörden ein Gesetz verabschiedet, wonach ausländische Geldmittel der Genehmigung durch die Regierung bedürfen. Dadurch werden Finanzmittel aus dem Ausland effektiv kriminalisiert und der Weg für die strafrechtliche Verfolgung unabhängiger Medien und ihrer Mitarbeiter*innen geebnet, wenn sie für ihre Arbeit eine Vergütung aus dem Ausland erhalten haben. Mit dem Gesetz werden unabhängige Medien in Aserbaidschan praktisch ausgelöscht. Darüber hinaus werden von der Staatsanwaltschaft häufig zusätzliche Anklagen erhoben. Im Fall von Meydan TV war dies unter anderem der Vorwurf der "illegalen unternehmerischen Tätigkeit" gemäß Paragraf 192.2.2 des Strafgesetzbuchs.

Am 20. Juni 2025 verurteilte das Gericht für schwere Straftaten in Baku sieben Medienmitarbeiter*innen, die mit dem unabhängigen Investigativmedium Abzas Media in Verbindung stehen, zu Haftstrafen zwischen siebeneinhalb und neun Jahren. Zu den Verurteilten gehören der Direktor Ulvi Hasanli, die Chefredakteurin Sevinj Vagifgizi, der investigative Journalist Hafiz Babali, die Reporterinnen Nargiz Absalamova und Elnara Gasimova, der Übersetzer Mahammad Kekalov sowie der Ökonom und Korrespondent von Radio Free Europe/Radio Liberty, Farid Mehralizada.

Gegen mehrere andere Journalist*innen und Medienmitarbeiter*innen, darunter auch Mitarbeiter*innen von Toplum TV wie der Mitbegründer von Toplum TV, Alesger Memmedli, sowie die Journalisten Farid Ismayilov und Mushfig Jabbar, laufen Strafverfahren.

Inhaftierte Journalist*innen berichten regelmäßig, dass sie Misshandlungen ausgesetzt sind, unter anderem durch die Verweigerung der notwendigen medizinischen Versorgung, die Unterbringung in stark überbelegten Zellen (15 bis 18 Häftlinge in Zellen, die für acht bis zehn Personen ausgelegt sind) sowie unhygienische Bedingungen, wie Toiletten innerhalb der Schlafbereiche. All dies trägt zu einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustands bei.

Folter und andere Misshandlungen in Haft sind in Aserbaidschan weit verbreitet und bleiben straffrei. Amnesty International hat bereits wiederholt darüber berichtet, dass inhaftierten Regierungskritiker*innen die notwendige medizinische Versorgung verweigert wird. Der Europäische Ausschuss zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe hat die "anhaltende mangelnde Zusammenarbeit" der aserbaidschanischen Behörden hinsichtlich seiner Forderungen nach einer Verbesserung der Haftbedingungen und der Bekämpfung von Folter und anderen Misshandlungen öffentlich angeprangert.

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