Kolumbien: Umweltschützer_innen bedroht
Am 8. Februar verteilten Unbekannte in der Nähe der Wohnung von Luis Alberto González López in Barrancabermeja Flugblätter mit Drohungen gegen den Umweltschützer. In dem Text wurde ihm eine Frist von 72 Stunden gesetzt, um die Region zu verlassen, ansonsten werde er zu einem militärischen Ziel erklärt. Luis González López ist der Vizepräsident von FEDEPESAN, einer Umweltschutzorganisation in der zentralkolumbianischen Region Magdalena Medio. Das Flugblatt war von der Guerillagruppe ELN unterzeichnet.
Setzt euch für Luis Gonzáles und andere Mitglieder von FEDEPESAN ein!
Appell an
Daniel Palacios
Ministro del Interior
Carrera 8 # 7 – 83
Bogotá D.C.
KOLUMBIEN
Sende eine Kopie an
Botschaft der Republik Kolumbien
S.E. Herrn Hans-Peter Knudsen
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: ealemania@cancilleria.gov.co
Amnesty fordert:
- Bitte gewähren Sie den Mitgliedern von FEDEPESAN Schutzmaßnahmen, die Sie im Vorfeld mit der Umweltschutzorganisation abstimmen und denen die Mitglieder zustimmen.
Sachlage
Die Mitglieder der Umweltschutzorganisation FEDEPESAN (Federación de Pescadores artesanales, ambientalistas, y turísticos del departamento de Santander), die sich für den Schutz der Wasserreserven und des Ökosystems in der Region Magdalena Medio einsetzt, sind in großer Gefahr. Seit September 2020 haben bewaffnete Gruppierungen mindestens fünf Drohbriefe an Mitglieder von FEDEPESAN gesandt. Die jüngste Drohung richtete sich am 8. Februar gegen den Vizepräsidenten der Umweltschutzorganisation. Wenn er nicht innerhalb von 72 Stunden die Region verlasse, werde er zu einem militärischen Ziel der Guerillagruppe ELN.
Aufgrund ihrer Arbeit sind verschiedene Mitglieder von FEDEPESAN bereits Opfer von Morddrohungen und Sicherheitsvorfällen geworden. Einige der jüngsten Vorfälle sind:
Am 13. September 2020 fand Luis Alberto González (Vizepräsident von FEDEPESAN) in der Nähe seines Wohnsitzes eine kleine Schachtel, in der eine Kröte mit aufgeschlitzter Kehle lag und eine von der ELN unterzeichnete Notiz mit dem Satz "bald wirst du sterben."
Am 14. Oktober 2020 wurde Luis González in der ländlichen Gegend der Gemeinde Barrancabermeja von bewaffneten Unbekannten verfolgt.
Am 20. Januar 2021 näherten sich Unbekannte dem Haus von Yuly Andrea Velasquez Briceño (Vorsitzende von FEDEPESAN). Als Schüsse abgegeben wurden, versteckte sie sich mit ihrer Familie und rief die Polizei. Die bewaffneten Personen verließen den Ort, bevor die Polizei eintraf.
Am 4. November 2020 erhielten Luis González und 13 weitere Umweltaktivist_innen in der Region Flugblätter, die von der bewaffneten Gruppierung Black Eagles stammen sollen. Auf den Flugblättern stand: "Ihr habt 24 Stunden Zeit, um das Gebiet zu verlassen, sonst werdet ihr zu militärischen Zielen erklärt und von unseren Einheiten getötet."
Hintergrundinformation
FEDEPESAN (Federación de Pescadores artesanales, ambientalistas, y turísticos del departamento de Santander) ist eine Umweltschutzorganisation, die sich für den Schutz der Wasserreserven und des Ökosystems im Departamento Santander einsetzt. FEDEPESAN hatte öffentlich die Verschmutzung des Ciénaga San Silvestre im Großraum Barrancabermeja (Nordosten Kolumbiens) angeprangert. Der See versorgt rund 300.000 Menschen in der Region Magdalena Medio mit Wasser.
Kolumbien ist das gefährlichste Land der Welt für Menschen, die Landrechte verteidigen und sich für den Umweltschutz einsetzen. Menschenrechtsverteidiger_innen riskieren jeden Tag ihr Leben, um ihre Gemeinschaften und die natürlichen Ressourcen zu schützen. Aufgrund dieses Engagements sind auch ihre Familien in Gefahr.