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Berlin-Marathon: Peter Steudtner und Amnesty laden ein zum Solidaritätslauf für bedrohte Menschenrechtsverteidiger

16.09.2018, 10 Uhr

Aktion Amnesty International Deutschland

BERLIN, 12.09.2018 – Zehntausende stehen am Sonntagmorgen an der Startlinie für den Berlin-Marathon. Nur einer wird nicht geradeaus, sondern im Kreis auf kleiner Fläche laufen: der Berliner Menschenrechtler Peter Steudtner. Er spielt dabei auch auf seine eigene Haftzeit 2017 in der Türkei an, als die türkischen Behörden ihn und neun andere Menschenrechtsaktivisten zu Unrecht monatelang festgehalten hatten. Der 46-jährige Berliner will nun am Potsdamer Platz in der Nähe des Läuferstroms auf einer Fläche mitlaufen, die dem Hof des türkischen Gefängnisses nachempfunden ist, in dem er in Untersuchungshaft saß. Während seiner Inhaftierung im vergangenen Jahr hatte Steudtner symbolisch am Berlin-Marathon teilgenommen, indem er Runden im Hof gelaufen war.

 

Steudtner und Amnesty International nutzen mit Unterstützung der Veranstalter des Berlin-Marathons dieses sportliche Spitzenereignis, um auf die dramatische Situation von Menschenrechtsverteidigern weltweit aufmerksam zu machen. Hunderte befinden sich weltweit zu Unrecht in Haft, oftmals unter unmenschlichen Bedingungen und ohne Aussicht auf ein faires Verfahren. Familie und Freunde wissen oft nicht, wie es den Gefangenen ergeht, ob sie überhaupt noch am Leben sind. „Menschenrechtsverteidiger sind überlebenswichtig. Überall. Für alle. Solidarität schützt sie und uns“, sagt Steudtner.

Markus N. Beeko, Generalsekretär vom Amnesty International in Deutschland, unterstützt die Initiative von Peter Steudtner. „Die Situation von Menschenrechtsverteidigern hat sich weltweit dramatisch verschlechtert. Diese Menschen, die mutig und entschlossen für die Menschenrechte eintreten, brauchen unsere Unterstützung“, sagt Beeko. „Amnesty International ruft genau dazu auf, unter anderem mit der neuen Kampagne ‚Mut braucht Schutz‘ und dem bevorstehenden Briefmarathon, bei dem sich weltweit Hunderttausende für bedrohte Menschenrechtlerinnen einsetzen werden.“
Freunde der Menschenrechte und des Laufsports sind eingeladen, sich Peter Steudtner im „Gefängnishof“ für einige Runden anzuschließen.

Hintergrund:
Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache. Der Organisation Front Line Defenders zufolge wurden allein im Jahr 2017 312 Menschenrechtler ermordet, mehr als je zuvor. 2016 mussten Menschenrechtsverteidiger in 94 Ländern mit Bedrohungen leben, in 63 Ländern Verleumdungskampagnen ertragen, in 68 Ländern wurden sie eingesperrt. Die Organisation geht davon aus, dass seit der Verabschiedung der UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger im Jahr 1998 3.500 von ihnen ermordet wurden.