Aktuell 13. April 2010

Politischer Soul

Message Soul

Message Soul

Soul mit politischer Botschaft? Da denkt man gleich an Marvin Gaye, Curtis Mayfield oder James Brown, die der Ära der Bürgerrechtsbewegung ihr musikalisches Gesicht gaben. Doch in den vergangenen Jahren hat sich eine wachsende Schar afroamerikanischer Musiker auf dieses lange Zeit verschüttete Erbe zurückbesonnen.

Sängerinnen wie Erykah Badu, Jill Scott und India.Arie sind auch hierzulande nicht ganz unbekannt. Sie laufen zwar nicht unbedingt im Mainstream-Radio und bekommen bei den Major-Plattenfirmen auch keine Major-Budgets eingeräumt, haben aber trotzdem ihr Publikum gefunden, weil sie dem allgegenwärtigen Sexismus und Materialismus im heutigen HipHop und R’n’B eine selbstbewusste Alternative entgegensetzen.

Der Sampler "Message Soul" fügt diese Künstlerinnen in den Kontext einer Bewegung, die sich auf die Wurzeln des Polit-Soul im Jazz, auf die Gospel der schwarzen Kirchengemeinden und auf die radikale Spoken Word-Poesie eines Gil Scott-Heron bezieht, ohne bloß "retro" zu sein.

Bewusst einfach und handgemacht, oft akustisch oder in einem folkigen Funk-Sound geerdet, erzählen Sänger wie Donnie, Anthony Hamilton oder Bilal von den dunklen Seiten des heutigen Amerika, von Armut, Drogensucht und Gewalt. Bei ihnen geht es auch um Themen wie Selbstmord und Pädophilie, den Irakkrieg oder den strukturellen Rassismus. Denn trotz Obama gibt es in den Innenstädten der USA noch ­immer Zehntausende Obdachlose – und die meisten von ihnen sind schwarz.

Von Zonya Dengi, Amnesty Journal Oktober/November 2009

Message Soul: Politics & Soul in Black America 1998–2008 (Trikont)

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