Aktuell 30. September 2009

Keine Gerechtigkeit für Opfer von Kriegsverbrechen

Tausende Frauen und Mädchen wurden in Bosnien und Herzegowina in den Kriegsjahren 1992 bis 1995 vergewaltigt. Amnesty International zeigt in einem neuen Bericht, dass die Opfer von damals auch nach vierzehn Jahren keine Gerechtigkeit bekommen.

Viele Frauen wurden in Gefangenenlagern, Hotels oder Privathäusern festgehalten und sexuell ausgebeutet, unzählige ermordet. Bis heute werden die Überlebenden von damals vom Staat im Stich gelassen. Die Täter, Mitglieder des Militärs, der Polizei oder paramilitärischer Gruppen, sind meist auf freiem Fuß. Manche haben heute noch Machtpositionen inne und leben unbehelligt unter den Opfern.

Der Großteil der Opfer von Kriegsverbrechen in Bosnien und Herzegowina bekommt keine staatliche medizinische Versorgung. Vor allem die dringend benötigte psychologische Betreuung wurde den Frauen bis heute vorenthalten. Ein weiteres Problem: Vergewaltigung ist in der Gesellschaft noch immer ein Tabuthema. Die Frauen werden diskriminiert und leben oft in Armut.

Gemeinsam mit NGOs, die sich seit Jahren für die Frauen einsetzen, müssen die Behörden eine wirkungsvolle Strategie entwickeln. Die Überlebenden haben einen Anspruch auf Entschädigungen. Sie müssen angemessene Pensionszahlungen, Unterstützung bei der Arbeitssuche und die bestmögliche medizinische Versorgung erhalten. Die Regierung muss sich klar hinter die Überlebenden der Kriegsverbrechen stellen. Nur so können sie ihre Rechte einfordern und gegen die täglichen Diskriminierungen ankämpfen.

Opfer von Kriegverbrechen, die mit sexueller Gewalt verbunden sind, müssen Gerechtigkeit erfahren. Die Ermittlung, Verfolgung und Bestrafung dieser Verbrechen durch bosnische Gerichte nach internationalen Standards muss gewährleistet werden. Für die Zeugen in diesen Verfahren sollte ein langfristiges Schutz- und Hilfsprogramm entwickelt und implementiert werden, das eine ausreichende Vorbereitung, psychologische, ökonomische und soziale Hilfe sowie einen wirkungsvollen Schutz vor Übergriffen auf die Zeugen beinhaltet.

Schlagworte

Aktuell

Weitere Artikel