Staatlicher Mord

Herr Jesús de la Rosa Santana ist vor den Augen seiner Frau und seinen Kindern von Polizeibeamt_innen erschossen worden. Sein Bruder Francisco de la Rosa Santana hält sich versteckt, seit er Morddrohungen von der Polizei erhalten hat. Sein Leben und das seiner Familie sind in Gefahr.

Appell an

POLIZEICHEF
Mayor General Ingeniero Rafael Guillermo Guzmán Fermín
Jefe de la Policía Nacional
Palacio del la Policía Nacional
Santo Domingo
DOMINIKANISCHE REPUBLIK
(korrekte Anrede: Estimado Jefe de la Policia Nacional / Dear Chief of Police)
Fax: (001) 809 685 4510

INNENMINISTER
Sr. Frankling Almeyda Rancier
Secretario de Estado del Interior y la Policía
Avenida México, Esq, Leopoldo Navarro, Edif. Oficinas Gubernamentales, Santo Domingo
DOMINIKANISCHE REPUBLIK
(korrekte Anrede: Estimado Señor Secretario / Dear Sir)
Fax: (001) 809 685 6599

Sende eine Kopie an

NGO
Comisión Nacional de los Derechos Humanos
Av. Ortega y Gasset, 200, 2do nivel de la Fundacion Trópico (Cristo Rey)
Santo Domingo
DOMINIKANISCHE REPUBLIK
E-Mail: cndhrd@hotmail.com

BOTSCHAFT DER DOMINIKANISCHEN REPUBLIK
S.E. Herrn Gabriel Rafael Ant Jose CALVENTI GAVINO
Dessauer Straße 28 – 29
10963 Berlin
Fax: 030-2575 7761
E-Mail: embajadom@t-online.de oder info@embajadadominicana.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 18. August 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Die Behörden müssen unverzüglich in Übereinstimmung mit ihren Wünschen die Sicherheit von Francisco de la Rosa Santana und seiner Familie sicherstellen.

  • Die Behörden müssen die Tötung von Jesús de la Rosa Santana durch die Polizei umgehend und unparteiisch untersuchen, die Ergebnisse ihrer Ermittlungen veröffentlichen und sicherstellen, dass die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.

  • Die Behörden müssen alle beteiligten Polizist_innen umgehend vom Dienst suspendieren, bis die gerichtliche Untersuchung abgeschlossen ist.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • urging the authorities to act immediately to ensure the safety of Francisco de la Rosa Santana and his family, in accordance with their wishes;

  • calling on the authorities to immediately and independently investigate the killing on 28 June of Jesús de la Rosa Santana by police officers, publish the results of the investigation and ensure that those responsible are brought to justice;

  • calling on the authorities to ensure all police officers identified as being involved in the killing are immediately suspended from duties until the judicial investigation is satisfactorily concluded;

Sachlage

Am 28. Juni wurde Jesús de la Rosa Santana bei sich zuhause in San Juan de la Maguana, 192 Kilometer westlich der Hauptstadt Santo Domingo, getötet. Seine Frau Andreina Berroa Cabrera hat ausgesagt, dass mehr als zehn bewaffnete Polizist_innen in Zivil ihr Haus umstellten, ohne Vorwarnung die Tür aufbrachen und ins Haus eindrangen. Ein Polizist zerrte Jesús de la Rosa Santana aus dem Haus und schoss ihn in Gegenwart seiner Frau und seiner Kinder zwei Mal in den Kopf.

Laut Angaben seiner Frau legte die Polizei dann eine Waffe in die Hand von Jesús de la Rosa Santana und drückte zwei Mal seinen Finger auf den Abzug. Außerdem stahlen sie 11 000 dominikanische Pesos (etwa 240 Euro) aus den Taschen von Jesús de la Rosa Santana. Als seine Frau die Polizist_innen anflehte, befahlen sie ihr, den Mund zu halten und drohten: "andernfalls werden wir dich ebenfalls töten".
Andreina Berroa Cabrera wurden dann Handschellen angelegt, und man brachte sie auf eine Polizeiwache, wo sie ohne Anklage mehrere Stunden festgehalten wurde. Während ihres Gewahrsams sagten ihr die Polizeibeamt_innen, die bei ihr zuhause gewesen waren, dass der Tod ihres Mannes das Ergebnis eines "Schusswechsels" war. Sie betonten, sie seien diejenigen, "die das Gesetz machen".

Die Frau seines Bruders Francisco de la Rosa Santana suchte das Krankenhaus auf, in das die Polizei den Leichnam von Jesús de la Rosa Santana gebracht hatte. Sie wurde von der Polizei festgenommen und auf die Wache in San Juan de la Maguana gebracht. Dort sagten ihr die Beamt_innen, dass sie nach Francisco de la Rosa Santana suchten. Wenn sie ihn fänden, erginge es ihm wie seinem Bruder. Die Frau wurde einige Stunden später ohne Anklage freigelassen. Ob Ermittlungen aufgenommen worden sind, konnte bislang nicht geklärt werden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Amnesty International ist durch anhaltende Berichte über tödlichen Schusswaffengebrauch durch Angehörige der Sicherheitskräfte in der Dominikanischen Republik besorgt. Bei manchen dieser Vorfälle handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um rechtswidrige Hinrichtungen. Laut Angaben der dominikanischen nichtstaatlichen Menschenrechtsorganisation Comisión Nacional de Derechos Humanos sind in den vergangenen zehn Jahren 3000 Personen von der Polizei getötet worden. Die Polizei gibt an, dass die große Mehrheit dieser Vorfälle das Ergebnis von "Schusswechseln" zwischen der Polizei und bewaffneten Verdächtigen gewesen ist. Berichte von Augenzeug_innen widersprechen dieser Behauptung jedoch häufig, und Amnesty International hält einen großen Anteil dieser tödlichen Schüsse für rechtswidrige Hinrichtungen. Polizeibeamt_innen werden nur sehr selten einer rechtswidrigen Tötung schuldig gesprochen. Da es keine unabhängige Kommission gibt, die die Vorwürfe wegen Menschenrechtsverletzungen durch Angehörige der Sicherheitskräfte untersuchen könnte, werden die Verantwortlichen nur selten zur Rechenschaft gezogen.