"Verschwindenlassen"

Ein Mann trägt ein rotes T-shirt und einen blauen Turban um den Kopf gewickelt.

Der pakistanische Menschenrechtsverteidiger Seengar Noonari

Issa Palkoubou, ein Lehrer in der tschadischen Hauptstadt N’Djamena, wurde seit seiner Entführung am 3. September 2008 nicht mehr gesehen. Amnesty International geht davon aus, dass er noch am Leben ist und von tschadischen Sicherheitskräften an einem unbekannten Ort festgehalten werden könnte. Er schwebt in Gefahr, gefoltert, anderweitig misshandelt oder sogar getötet zu werden.

Appell an

STAATSPRÄSIDENT Son excellence Idriss Deby Itno Présidence de la République BP 74, N'Djamena, TSCHAD (korrekte Anrede: Monsieur le président/ Dear President Deby) Fax: (00 235) 251 45 01 E-Mail: presidence@tchad.td

JUSTIZMINISTER Jean-Bawoyeu Alingué BP 1122, N'Djamena, TSCHAD (korrekte Anrede: Monsieur le ministre/Dear Minister) Fax: (00 235) 252 21 39

MINISTER FÜR MENSCHENRECHTE Abderaman Djasnabaille BP 426, N'Djamena, TSCHAD (korrekte Anrede: Monsieur le ministre/Dear Minister) Fax: (00 235) 252 21 39 E-Mail: justice@intnet.td

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER REPUBLIK TSCHAD S.E. Herrn Tchonai Elimi Hassan Kantstraße 151 10623 Berlin Fax: 030-3199 16220 E-Mail: ambatchad-rfa@t-online.de

 

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Französisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 2. März 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.

RECOMMENDED ACTION: PLEASE SEND APPEALS TO ARRIVE AS QUICKLY AS POSSIBLE, IN FRENCH, ENGLISH OR YOUR OWN LANGUAGE

  • urging the Chadian authorities to investigate the enforced disappearance of Issa Palkoubou, for the results to be made public and those responsible to be brought to justice;

  • calling for his whereabouts to be revealed immediately;

  • if he is found to be held by the security forces, calling for his immediate release if he is not to be charged with a recognizably criminal offence and brought promptly to trial in accordance with international fair trial standards;

  • urging them to ensure that Issa Palkoubou is given adequate medical attention and immediate access to his lawyers and relatives in case he is being detained by the authorities.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE, IN DENEN SIE

  • die tschadischen Behörden auffordern, eine Untersuchung des "Verschwindens" von Issa Palkoubou einzuleiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen;

  • fordern, dass der Aufenthaltsort von Issa Palkoubou sofort bekannt gegeben wird;

  • fordern, dass er, falls er von Sicherheitskräften festgehalten wird, entweder einer international als Straftat erkennbaren Handlung angeklagt und vor ein Gericht gestellt wird, dessen Verfahren den internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren entsprechen, oder umgehend freigelassen wird;

  • bei den Behörden auf die Zusicherung dringen, dass er, falls er von ihnen inhaftiert wurde, unverzüglich angemessene medizinische Versorgung und Zugang zu seinen Anwälten und seinen Angehörigen erhält.

Sachlage

Issa Palkoubou, der im Amerikanischen Sprachzentrum (Centre américain de Langues) in N’Djamena Englisch unterrichtet, wurde von drei Männern in Zivilkleidung aus dem Zentrum entführt und gezwungen, in ein Auto zu steigen. Als das Sicherheitspersonal des Zentrums die Entführer auf ihr Verhalten ansprach, sagten die Männer nichts und weigerten sich, ihre Ausweise vorzuzeigen.

MenschenrechtsaktivistInnen und die Angehörigen stellen nach wie vor Nachforschungen über seinen Verbleib an, werden aber von tschadischen Sicherheitskräften behindert und eingeschüchtert. Ein Familienmitglied von Issa Palkoubou wurde massiv eingeschüchtert, als er sich bei der Nationalen Sicherheitsbehörde (Agence National de Sécurité – ANS) in N’Djamena ein paar Tage nach der Festnahme nach dem Aufenthaltsort von Issa Palkoubou erkundigen wollte. Issa Palkoubou wurde offenbar Anfang Dezember 2008 in schlechtem gesundheitlichen Zustand in der Haftanstalt der ANS in N’Djamena gesehen. Seine Angehörigen schickten im Dezember 2008 einen Brief an den Minister für Menschenrechte, in dem sie die Geschichte von Issa Palkoubou darlegten und den Minister baten einzugreifen; Kopien dieses Briefes gingen an einige lokale Menschenrechtsorganisationen. Der Minister antwortete auf diesen Brief nicht.

Es ist nicht bekannt, warum Issa Palkoubou entführt wurde. Sein "Verschwinden" reiht sich in eine Serie von Fällen ein, bei denen Personen entführt werden, von denen nicht bekannt ist, dass sie Mitglied in einer politischen Partei sind.

Zum Beispiel wurde Harun Mahamat, Sultan des Départements Dar Tama im östlichen Tschad, im November 2007 zusammen mit sieben weiteren Männern der ethnischen Gruppe der Tama in der östlich gelegenen Stadt Guéreda entführt. Man fand heraus, dass Harun Mahamat von tschadischen Sicherheitskräften in N’Djamena festgehalten und am 3. Mai 2008, also sechs Monate nach seiner Entführung, wieder freigelassen wurde.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Etliche der im Tschad von Sicherheitskräften festgenommenen Menschen wurden Opfer des "Verschwindenlassens".

Am 3. Februar 2008 wurde Ibni Oumar Mahamat Saleh, der Sprecher einer Koalition von politischen Oppositionsgruppen, in seinem Zuhause in N’Djamena von tschadischen Sicherheitskräften festgenommen. Seitdem wurde er nicht mehr gesehen.

Im April 2006, nach einem Angriff auf die Stadt N’Djamena durch bewaffnete Gruppierungen, wurden mindestens 13 hochrangige Armeeoffiziere festgenommen und bisher hat man nichts mehr von ihnen gehört. Drei Monate zuvor, am 30. November 2007, waren acht Personen in Gueréda festgenommen worden. Der Verbleib von sieben der acht Männer ist nach wie vor unklar.

Das "Verschwindenlassen" wird offenbar von den tschadischen Sicherheitskräften benutzt, um Angst unter der Bevölkerung zu verbreiten und vermeintliche oder tatsächliche politische Oppositionelle einzuschüchtern. Es passiert häufig, dass Menschen im Tschad, die in Hafteinrichtungen der Sicherheitskräfte festgehalten werden, Opfer von Folter und anderen Formen der Misshandlung werden.