Vier Männern droht die Hinrichtung

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Vier Männern droht unmittelbar die Hinrichtung durch Erhängen. Sie wurden 2012 der Vergewaltigung und Ermordung der 23-jährigen Studentin Nirbhaya in Neu Delhi schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Zwei von ihnen, Mukesh Singh und Vinay Kumar Sharma, hatten ein Gnadengesuch eingereicht – das der Präsident von Indien jetzt ablehnte.

Setz dich für die Umwandlung der Todesurteile in eine Haftstrafe ein!

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Präsident,

die vier Männer haben ein furchtbares Verbrechen begangen und müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Doch viere weitere Verstöße gegen das Recht auf Leben lindern das begangene Leid in keiner Weise.

Deshalb möchte ich Sie höflich auffordern:

Überdenken Sie bitte die Ablehnung der Gnadengesuche von Mukesh Singh und Vinay Kumar Sharma.

Bitte geben Sie den zu erwartenden Gnadengesuchen von Pawan Gupta und Akshay Thakur statt.

Wandeln Sie die vier Todesurteile in eine Haftstrafe um und führen Sie bitte als ersten Schritt hin zur Abschaffung der Todesstrafe ein offizielles Hinrichtungsmoratorium ein.

Mit freundlichen Grüßen

Dear President of India,

I ask for your urgent intervention to halt the executions and commute the death sentences of Mukesh Singh, Pawan Gupta, Vinay Kumar Sharma and Akshay Thakur.

The four men are at immediate risk of being hanged after being convicted for the gangrape and murder of the 23-year-old woman in New Delhi in 2012. The crime of which they are convicted was extremely violent and shocked people all around the world. While I feel the utmost sympathy for the family of victim and in no way wish to further their suffering, I appeal to you to halt the cycle of violence and stop the executions. I oppose the death penalty in all cases, as the ultimate cruel, inhuman and degrading punishment.

Executions do not eradicate violence against women. There is no evidence to show that the death penalty acts as a unique deterrent. Instead, we call on you to put pressure on the Government of India to allocate adequate resources for the effective implementation of laws, improve conviction rates and ensure certainty of justice in all cases, through fair proceedings and without resort to the death penalty.

Even the Justice Verma Committee, whose recommendations were relied upon to reform laws on sexual assault and rape in the aftermath of the Nirbhaya case, had opposed imposing the death penalty in cases of rape. India has not hanged anyone since 2015, we implore you to ensure that this hiatus in executions continues by commuting the death sentences imposed on the four men.

Therefore, I ask you Mr. President to:

  • Accept the mercy petitions lodged by Pawan Gupta, and Akshay Thakur,
  • Reconsider the rejection of Mukesh Singh and Vinay Kumar Sharma’s mercy plea and
  • Establish an official moratorium on all executions as a first step towards abolition of the death penalty.

Yours sincerely

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Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.

Bitte abschicken bis: 18.03.2020

Appell an:

Präsident
Ram Nath Kovind
Rashtrapati Bhavan
New Delhi, 110004
INDIEN

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Republik Indien
I.E. Frau Mukta Dutta Tomar
Tiergartenstr. 17
10785 Berlin
Fax:
030 26 557 000
E-Mail: hoc.berlin@mea.gov.in

Amnesty fordert:

  • Überdenken Sie bitte die Ablehnung der Gnadengesuche von Mukesh Singh und Vinay Kumar Sharma.
  • Bitte geben Sie den zu erwartenden Gnadengesuchen von Pawan Gupta und Akshay Thakur statt.
  • Führen Sie bitte als ersten Schritt hin zur Abschaffung der Todesstrafe ein offizielles Hinrichtungsmoratorium ein.

Sachlage

Mukesh Singh, Pawan Gupta, Vinay Kumar Sharma und Akshay Thakur droht unmittelbar der Tod durch Erhängen, nachdem sie der Gruppenvergewaltigung und Ermordung der 23 Jahre alten Nirbhaya in Neu Delhi im Jahr 2012 schuldig gesprochen wurden. Das von ihnen verübte Verbrechen war extrem gewalttätig und schockierte Menschen überall auf der Welt. Amnesty International möchte der Familie von Nirbhaya in keiner Weise zusätzliches Leid zufügen, appelliert aber dennoch an den Staatspräsidenten von Indien, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen und die Vollstreckung der Todesurteile zu verhindern. Amnesty International lehnt die Todesstrafe ausnahmslos ab, unabhängig von der Art oder den Umständen der Straftat, der Schuld, Unschuld oder anderen Eigenschaften der Straftäter_innen und der angewendeten Hinrichtungsart.

Durch Hinrichtungen wird die Gewalt gegen Frauen nicht beendet. Es gibt keine Beweise dafür, dass die Todesstrafe eine abschreckende Wirkung hat. Amnesty International fordert den Präsidenten vielmehr auf, Druck auf die indische Regierung auszuüben, damit sie angemessene Mittel für die wirksame Umsetzung der Gesetze bereitstellt, so dass Täter_innen und Verantwortliche nicht straffrei ausgehen. Dabei muss die Rechtssicherheit in allen Fällen durch faire Verfahren und ohne Anwendung der Todesstrafe gewährleistet sein.

In Indien wurde 2015 zuletzt eine Person hingerichtet. Dieses Moratorium sollte fortgesetzt und die Todesurteile gegen die vier verurteilten Männer in Haftstrafen umgewandelt werden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Am 16. Dezember 2012 wurde eine 23-jährige Frau in Neu Delhi von einer Gruppe Männer in einem privaten Kleinbus, der sie und ihren Freund mitgenommen hatte, geschlagen, vergewaltigt und gefoltert. Die junge Frau, bekannt als Nirbhaya, starb kurz darauf an den Folgen des extrem brutalen Angriffs.

Über diese Geschehnisse wurde in Indien und international viel berichtet. Das indische Recht untersagt es der Presse, den Namen einer von Vergewaltigung betroffenen Person zu veröffentlichen. Die junge Frau wird deshalb in der Berichterstattung mit dem Namen Nirbhaya (Hindi für furchtlos) bezeichnet.

Infolge massiver Proteste, bei denen mehr Sicherheit für Frauen gefordert wurde, wurde noch im Dezember 2012 ein Rechtsausschuss eingesetzt: Das „Justice Verma Commitee“ unter Vorsitz von Richter Jagdish Sharan Verma sollte erarbeiten, wie die Rechtslage dahingehend verbessert werden kann, dass die Ermittlungen gegen Personen, die einer sexualisierten Straftat verdächtigt werden, schneller vorankommen und die Strafverfolgung effizienter wird. In diesem Prozess sollten auch Vorschläge aus der Öffentlichkeit berücksichtigt werden. Der Ausschuss prüfte 80.000 eingegangene Vorschläge und weist in seinem Untersuchungsbericht darauf hin, dass Versagen auf Seiten der Regierung und der Polizei die Hauptursache für die Verbrechen an Frauen sind. Außerdem enthält der Bericht Empfehlungen für eine Vielzahl von Problemen, die die Sicherheit von Frauen und geschlechtsspezifische Diskriminierung negativ beeinflussen, angefangen bei Gesetzen zur Gewalt gegen Frauen, sexualisiertem Missbrauch von Kindern sowie Ehrenmorden bis hin zu Grundsätzen der Strafzumessung, der Entwicklung von angemessenen Schutzmaßnahmen für Frauen sowie Polizei- und Wahlrechtsreformen. Die Empfehlungen des Ausschusses bildeten die Grundlage für die Gesetzesreformen zu sexualisierter Gewalt und Vergewaltigung nach den Verbrechen an Nirbhaya.

Sechs Männer wurden festgenommen und im Zusammenhang mit diesem Verbrechen angeklagt. Einer der sechs starb in Haft und ein anderer, der zum Zeitpunkt der Tat unter 18 Jahre alt war, wurde vor einem Jugendgericht schuldig gesprochen. Am 13. März 2014 befand das Hohe Gericht in Neu Delhi die Angeklagten der Vergewaltigung, des Mordes, unnatürlicher Straftaten und der Zerstörung von Beweismitteln für schuldig und verurteilte die vier Männer zum Tode. Das Gericht führte an, dass dieses Verbrechen so speziell sei und in die juristische Kategorie der „seltensten der seltenen“ Taten falle, dass die Einschränkungen bei der Verhängung der Todesstrafe hier keine Anwendung finden solle.

Amnesty International wendet sich in allen Fällen und ausnahmslos gegen die Todesstrafe. Der Präsident von Indien kann eine zum Tode verurteilte Person begnadigen. Am 3. Februar 2020 lehnte dieser das Gnadengesuch von Mukesh Singh und Vinay Kumar Sharma ab. Die beiden anderen Täter befinden sich zurzeit in verschiedenen Rechtsmittelverfahren gegen ihr Todesurteil.