Aktuell Deutschland 28. Februar 2017

Das kannst du tun

Das kannst du tun

Protestaktion "Hand in Hand gegen Rassismus" am 19. Juni 2016 in Berlin.

Ob gewollt oder ungewollt, wir alle handeln im Alltag rassistisch. Dies bei anderen – und vor allem bei uns selbst – zu erkennen ist aber gar nicht so einfach. Doch dein bestes Mittel gegen Rassismus bist du selbst, das kritische Hinterfragen deines eigenen Handelns und Sprechens. Hier sind sieben Empfehlungen, wie weiße Menschen gegen Alltagsrassismus aktiv werden können.

 

Informier dich.

Informiere dich auf den Webseiten von Selbstorganisationen über die Positionen von Schwarzen Menschen und Menschen of Color und beschäftige dich mit ihren Argumenten. Lerne ihre Perspektiven kennen und versuche nachzuvollziehen, wie Rassismus auf sie wirkt. Lies ihre Artikel, Kommentare, Blogs und Postings. Interessiere dich dabei bewusst für verschiedene Blickwinkel. Denn Menschen machen – abhängig beispielsweise von ihrem Alter, ihrer Geschlechtsidentität oder ihrem sozialen Status – sehr unterschiedliche Rassismuserfahrungen.

Erkenne deine Privilegien.

Ob in der Schule oder Uni, beim Vorstellungsgespräch, auf der Wohnungssuche oder bei Polizeikontrollen – Weiße haben gegenüber Menschen of Color Privilegien. Auch wenn wir es nicht wollen oder es uns nicht bewusst ist. Das ist kein Grund, sich schlecht zu fühlen, aber ein guter, um sich einzumischen. Nutze deine Stimme gegen Rassismus, wenn du als weißer Mensch von Rassismus profitierst. Tu dies gegenüber anderen weißen Menschen und vor allem dort, wo Menschen of Color diskriminiert werden, abwesend sind oder weniger Mitsprache haben.

Hör zu.

Egal, ob du dich bei Selbstorganisationen informierst oder sich Schwarze Menschen und People of Color in deinem Umfeld zu Rassismus äußern: Hör dir aufmerksam an, was sie zu sagen haben. Du erfährst vielleicht selbst keinen Rassismus, aber du kannst umso mehr darüber lernen. Halte deine persönliche Meinung zurück und mach dir bewusst, dass du vieles über Rassismuserfahrungen nicht wissen kannst, weil du sie selbst nicht machst. Und egal, wie unbequem es sich für dich anhören mag: Erkenne die Erfahrungen von Betroffenen an.

Bennene Rassismus.

Wenn du Rassismus erlebst, lass ihn nicht einfach so stehen. Sprich deine Mitmenschen auf rassistische Äußerungen und Rassismus in eurem Alltag an und trag so dazu bei, Rassismus sichtbar zu machen und dein Umfeld zu sensibilisieren. Frag also kritisch nach, aber bleib dabei sachlich und versuche, Verständnis herzustellen. Zeige auch, dass du selbst Witze auf Kosten von Betroffenen nicht lustig findest und dass Rassismus niemals okay ist. Egal, wie er „gemeint“ ist. Egal, ob online oder offline.

Misch dich ein.

Wenn du in der Öffentlichkeit Zeugin von Rassismus wirst, kannst du dazu beitragen, dass es Konsequenzen für die Täter innen gibt. Bring dich aber nicht selbst in Gefahr und informier im Notfall die Polizei. Verhält sich die Polizei selbst rassistisch, kannst du zum Beispiel die Dienstnummern der Beamt_innen erfragen, eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Polizeipräsidenten einreichen und Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstatten. Beobachtest du rassistische Einlass-, Personen- oder Ticketkontrollen, kannst du dich der betroffenen Person zum Beispiel als Zeug_in anbieten. Bei strafbaren Inhalten im Netz kannst du die Beweise mit Screenshots sichern und anzeigen (am besten anonym).

Sprich nicht für andere.

Dränge dich bei deinem Engagement gegen Rassismus nicht in den Vordergrund. Mach stattdessen Schwarze Menschen und People of Color sichtbarer und hörbarer. Sprich also nicht für andere, sondern mit ihnen, und erfrage am besten direkt, welche Unterstützung überhaupt erwünscht ist. Das könnte die Beteiligung an einer Demo oder ein finanzieller oder organisatorischer Beitrag sein. Auch das Teilen oder Liken von Postings, Artikeln und Blogbeiträgen kann dazu beitragen, Stimmen von People of Color lauter zu machen.

Bleib dran.

Auch wenn du dich noch so sehr bemühst: Du wirst Fehler machen. Aber das ist vollkommen normal. Dafür kritisiert zu werden ist kein Grund, sich angegriffen oder beleidigt zu fühlen, sondern eine Chance dazuzulernen. Verantwortung für Rassismus zu übernehmen bedeutet in erster Linie, dich selbst kritisch zu hinterfragen. Das ist Arbeit, die du jeden Tag aufs Neue machen musst. Das ist nicht immer einfach, aber dein Bestes im Kampf gegen Rassismus zu geben heißt schließlich nicht, sofort alles richtig zu machen – sondern dranzubleiben.

Weitere Informationen zum Thema Rassismus in Deutschland finden Sie auf www.amnesty.de/gegen-rassismus

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