Medizinische Versorgung verwehrt

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Nigeria: Keine Gerechtigkeit für die Opfer des Giwa-Massakers

Sicherheitskräfte patroullieren im April 2013 in der nigerianischen Stadt Maiduguri

Mindestens 15 inhaftierte Mitglieder der Islamischen Bewegung in Nigeria, darunter zwei Kinder, benötigen dringend medizinische Versorgung. Sie hatten am 22. Juli an einer friedlichen Demonstration teilgenommen. Als die Polizei mit Tränengas und scharfer Munition gegen die Demonstrierenden vorging, wurden sie angeschossen und anschließend festgenommen. Seit ihrer Inhaftierung werden ihnen die medizinische Versorgung und der Zugang zu ihren Rechtsbeiständen und Familienangehörigen verwehrt.

Setz dich für die verletzten IMN-Mitglieder ein!

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Polizeipräsident,

mit großer Sorge habe ich von den angeschossenen inhaftierten Demonstrierenden erfahren. Drei sind bereits in Haft verstorben.

Ich fordere Sie höflich auf, die verletzten IMN-Demonstrierenden umgehend freizulassen und ihnen sofort angemessene medizinische Versorgung sowie Zugang zu ihren Familien und Rechtsbeiständen zu gewähren.

Stellen Sie bitte auch sicher, dass sie in Haft vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt sind.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Sir,

I write to express my concern for the injured Islamic Movement in Nigeria (IMN) protesters, currently in police custody and in need of urgent medical attention.

On 22 July, Nigeria Police arrested at least 18 members of the Islamic Movement in Nigeria (IMN) during a peaceful protest in Abuja to demand for the release of their leader Sheikh Ibraheem El Zakzaky. The protest turned violent when the Nigeria Police fired teargas and live ammunition to disperse the protesters. Some of the IMN members were arrested during the protest, while others were arrested at the University of Abuja Teaching hospital where they were receiving treatment for gunshot wounds sustained during the protest.

According to credible information received by Amnesty International, two of the injured protestors are reported to have died in custody between 22 and 23 July due to lack of medical treatment, while a third person died on 24 July. Prior to their death, they pleaded with the police to take them to the hospital, but the police ignored their pleas and instead mocked them for their religious beliefs and engaging in the protest.

The remaining 15 IMN members are currently in critical condition with various gunshot wounds to their legs, stomach, hips and some are unable to walk. Among those detained are two girls who are being held in the same cell. The IMN members have been denied access to urgent medical care as well as their lawyers and family members.

I urge you to ensure that the injured IMN protesters in custody are released immediately and granted immediate access to adequate medical care and to their families and lawyer. Also ensure they are protected from torture and other ill-treatment while in detention.

Yours sincerely,

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Bitte abschicken bis: 01.10.2019

Appell an:

Polizeipräsident

Mohammed Adamu

The Inspector General of Police

Force Headquarters, Loius Edet House

Shehu Shagari Way

Area 11 Garki

Abuja

NIGERIA

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Bundesrepublik Nigeria
S.E. Herr Yusuf Maitame Tuggar
Neue Jakobstraße 4
10179 Berlin

Fax: 030-2123 0212
E-Mail: info@nigeriaembassygermany.org

Amnesty fordert:

  • Ich fordere Sie höflich auf, die verletzten IMN-Demonstrierenden umgehend freizulassen und ihnen sofort angemessene medizinische Versorgung sowie Zugang zu ihren Familien und Rechtsbeiständen zu gewähren.
  • Stellen Sie bitte auch sicher, dass sie in Haft vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt sind.

Sachlage

Am 22. Juli nahm die nigerianische Polizei während einer friedlichen Demonstration in Abuja mindestens 18 Mitglieder der Islamischen Bewegung in Nigeria  (Islamic Movement in Nigeria – IMN) fest. Sie hatten die Freilassung ihres geistigen Führers Scheich Ibraheem El Zakzaky gefordert. Die Situation wurde gewalttätig, als die nigerianische Polizei mit Tränengas und scharfer Munition versuchte, die Demonstration aufzulösen. Einige Mitglieder der IMN wurden während des Protests festgenommen, andere bei der Behandlung ihrer Schusswunden in der Universitätslehrklinik von Abuja.

Glaubwürdigen Berichten zufolge sind zwei verletzte Demonstrierende zwischen dem 22. und 23. Juli aufgrund fehlender medizinischer Versorgung im Gewahrsam gestorben. Eine dritte Person starb am 24. Juli. Vor ihrem Tod hatten sie die diensthabenden Polizist_innen dringend gebeten, sie ihn ein Krankenhaus zu bringen, doch diese ignorierten ihre Bitten und machten sich stattdessen über ihre religiöse Überzeugung und die Beteiligung an der Demonstration lustig.

Die übrigen 15 IMN-Mitglieder befinden sich in einem kritischen Zustand. Sie haben mehrere Schusswunden an den Beinen, im Magen, der Hüfte und manche können nicht gehen. Unter den Inhaftierten befinden sich auch zwei Mädchen, alle 15 werden in derselben Zelle festgehalten. Ihnen allen wird der Zugang zur dringend erforderlichen medizinischen Behandlung und zu ihren Rechtsbeiständen und Familienangehörigen verweigert.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die IMN ist eine schiitische religiöse und politische Organisation unter der Führung von Scheich Ibraheem Yaqub El-Zakzaky und möchte seit den 1980ern den schiitischen Islam in Nigeria einführen. Zwischen dem 12. und  14. Dezember 2015 wurden nach Recherchen von Amnesty International in Zaria im Bundesstaat Kaduna mehr als 350 IMN-Mitglieder von Sicherheitskräften getötet.

Seit dem Massaker in Zaria 2015 haben die nigerianischen Sicherheitskräfte immer wieder exzessive Gewalt angewendet, um gegen unbewaffnete IMN-Demonstrierende vorzugehen. Am 31. Oktober 2018 veröffentlichte Amnesty International einen Bericht, der die grausame exzessive Gewaltanwendung durch Soldat_innen und die Polizei belegt, die zur Tötung von mindestens 45 IMN-Unterstützer_innen führte. Diese hatten an zwei Tage dauernden IMN-Demonstrationen teilgenommen, als die schiitische Gruppe friedliche religiöse Prozessionen in der Gegend von Abuja abhielt. Sie forderten die Freilassung von Scheich Ibraheem El Zakzaky, dessen Haft ein Bundesgericht bereits im Dezember 2016 als rechtswidrig und verfassungswidrig bezeichnet hatte.

In den vergangenen Tagen haben Mitglieder der IMN täglich friedlich in der Hauptstadt Abuja demonstriert und die Freilassung von Scheich Ibraheem El Zakzaky gefordert, der sich weiter in Haft befindet und medizinische Versorgung benötigt.

Die nigerianischen Behörden haben bislang niemand wegen der außergerichtlichen Hinrichtung unbewaffneter IMN-Demonstrierender zur Rechenschaft gezogen. Dies ermutigt die Sicherheitskräfte, straflos weiter zu agieren.