Drohende Hinrichtung

Diese Urgent Action ist beendet.

Am 26. März begnadigte der Gouverneur von Ohio William Montgomery, der am 11. April hingerichtet werden sollte. Der Gouverneur wandelte das Todesurteil in eine lebenslange Haftstrafe ohne die Möglichkeit der Bewährung um.

Für eine Welt ohne Todesstrafe

Für eine Welt ohne Todesstrafe

William Montgomery soll am 11. April im US-Bundesstaat Ohio hingerichtet werden. Er wurde wegen eines Mordes zum Tode verurteilt, den er bestreitet. Sechs Bundesrichter_innen haben sich für eine Neuverhandlung eingesetzt, da der Verteidigung offenbar ein Polizeibericht mit wichtigen Beweismitteln vorenthalten wurde.

Appell an:

Begnadigungsausschuss von Ohio

770 West Broad Street

Columbus, Ohio 43222

USA

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Herrn Kent Doyle Logsdon
Geschäftsträger a.i., Gesandter-Botschaftsrat
Clayallee 170
14191 Berlin

Fax: 030 830 510 50
E-Mail: feedback@usembassy.de

Amnesty fordert:

  • An den Begnadigungsausschuss: Bitte empfehlen Sie die Begnadigung von William Montgomery. An den Gouverneur: Es bestehen ernste Zweifel an der Schuld von William Montgomery. Stoppen Sie daher bitte seine Hinrichtung und wandeln Sie sein Todesurteil umgehend um.
  • Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass sich sechs Bundesrichter_innen für eine Neuverhandlung eingesetzt haben, da der Verteidigung offenbar ein Polizeibericht mit wichtigen Beweismitteln vorenthalten wurde.
  • Darüber hinaus möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass es in Todesstrafenfällen in den USA, auch in Ohio, regelmäßig zu Fehlentscheidungen kommt

Sachlage

Am 8. März 1986 wurde Cynthia Tincher in Toledo im US-Bundesstaat Ohio tot in ihrem Auto aufgefunden. Am selben Tag wurde ihre Mitbewohnerin Debra Ogle als vermisst gemeldet. Ihre Leiche wurde am 12. März 1986 in einem Waldstück in Toledo gefunden. Beide Frauen waren an Schusswunden gestorben. William Montgomery und Glover Heard wurden der beiden Morde angeklagt. Glover Heard entging einem Todesurteil, indem er sich der Mittäterschaft schuldig bekannte und gegen William Montgomery aussagte. Er wurde zu einer Haftstrafe von 15 Jahren bis lebenslänglich verurteilt. William Montgomery wurde im September 1986 vor Gericht gestellt. Die Staatsanwaltschaft argumentierte, dass er Debra Ogle am 8. März bei einem Raubüberfall getötet und dann auch Cynthia Tincher erschossen habe, um zu verhindern, dass sie ihn identifizierte. Die Anwält_innen der Verteidigung luden keine Zeug_innen vor, sondern befragten lediglich die Zeug_innen der Staatsanwaltschaft. Die Geschworenen befanden William Montgomery der Morde an Cynthia Tincher und Debra Ogle für schuldig (murder und aggravated murder). Für den Mord an Debra Ogle wurde er zum Tode verurteilt, und für den Mord an Cynthia Tincher zu einer Haftstrafe von 15 Jahren bis lebenslänglich.

Sechs Jahre später tauchte ein Polizeibericht auf, in dem es hieß, dass Debra Ogle am 12. März 1986 von einigen ihrer Freund_innen lebendig gesehen wurde. Dies würde bedeuten, dass sie vier Tage nach dem Zeitpunkt, an dem William Montgomery sie getötet haben soll, noch am Leben war. Im Jahr 2007 befand der Richter eines US-Bezirksgerichts, dass der Polizeibericht „die Glaubwürdigkeit von Heard erheblich untergraben und den von der Staatsanwaltschaft vorgebrachten zeitlichen Ablauf der Tat komplett negiert“ hätte, und auch die „Theorie der Staatsanwaltschaft über die Motive von Montgomery für den Mord an Tincher“ zunichte gemacht hätte. Er ordnete eine Neuverhandlung für William Montgomery an. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft jedoch Rechtsmittel ein. Die Anordnung für eine Neuverhandlung wurde vor dem zuständigen Bundesberufungsgericht (Sixth Circuit Court of Appeals) bestätigt. Von drei Richter_innen stimmten zwei dafür, einer dagegen. Es wurde argumentiert, dass der Polizeibericht das Vertrauen sowohl in den Schuldspruch als auch in das Strafmaß untergraben habe. Die Staatsanwaltschaft legte erneut Rechtsmittel gegen diese Entscheidung ein. Im Jahr 2011 kippte das zuständige Berufungsgericht dann die Entscheidung des Bezirksgerichts. Von 15 Richter_innen stimmten zehn für die Aufhebung der Anordnung für eine Neuverhandlung, fünf dagegen. Wenn nur drei Richter_innen anders gestimmt hätten, hätte William Montgomery höchstwahrscheinlich eine Neuverhandlung erhalten. Im Mai 2012 weigerte sich der Oberste Gerichtshof der USA kommentarlos, sich des Falls anzunehmen.

Die Staatsanwaltschaft hat versucht, die im Polizeibericht beschriebene Darstellung, dass Debra Ogle am 12. März 1986 lebend gesehen wurde, in Frage zu stellen. Im Jahr 2012 legten die Rechtsbeistände von William Montgomery jedoch einen Untersuchungsbericht forensischer Expert_innen vor, der zu dem Schluss kam, dass „es beträchtliche Beweise für die Richtigkeit der Hypothese gibt, dass das Opfer Debra Ogle um den 12. März 1986 herum starb“.

Am 8. März findet eine Anhörung vor dem Begnadigungsausschuss von Ohio statt. Ungeachtet der Empfehlung des Ausschusses kann der Gouverneur William Montgomery eine Begnadigung gewähren. William Montgomery befindet sich seit über 30 Jahren im Todestrakt. Als Hinrichtungstermin ist der 11. April festgelegt.

Die Gesamtzahl der Exekutionen in den USA seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen im Jahr 1977 beläuft sich auf 1.469, davon 55 im Bundesstaat Ohio. Im Jahr 2018 sind in den USA bisher vier Personen hingerichtet worden. Amnesty International wendet sich in allen Fällen, weltweit und ausnahmslos gegen die Todesstrafe. Bis heute haben 142 Länder die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft.

Hintergrundinformation

Hintergrund

International standards on the death penalty prohibit the execution of anyone whose guilt is not based upon “clear and convincing evidence leaving no room for an alternative explanation of the facts”. Evidence at William Montgomery’s trial showed that he purchased the gun used in the murders about three weeks before the crime, and that he led police to Debra Ogle’s body on the afternoon of 12 March 1986 (he said he had lent Glover Heard the gun and that he knew from him where the body was). In its 2007 ruling, the District Court found the state’s case was “not airtight”. The “police report could have undermined Heard’s testimony, which was the core of the State’s case”, and “could have undercut the State’s theory of how the murders occurred by completely discrediting the State’s timeline of the murders as well as its supplied motive for Montgomery’s murder of Tincher”.

When the full Sixth Circuit overturned the District Court’s order, the majority acknowledged that “some evidence at trial also tended to implicate Heard”, and his “multiple accounts…certainly undermined the credibility of his testimony”. However, it said that the jury was “aware of all of this”, and that the withheld police report “exonerates Heard as Ogle’s shooter because he was imprisoned by the time of the alleged sighting on March 12”. Three of the five dissenting judges said that the evidence against William Montgomery was “anything but” strong. Even without the withheld report, proof of his guilt “is dubious at best”. They argued that the majority’s contention that the police report was immaterial because it undercut the defence theory [that Heard was the gunman] “entirely misses the mark” – the report “sheds light on additional potential defense theories that could have been available” to William Montgomery, “thus further undermining the reliability of an already questionable verdict”.

The other two dissenting judges argued that the majority decision “provides a disincentive for prosecutors to comply with the law”, gutting the deterrent effect of the constitutional rule against withholding of evidence “in all but the most unconscionably severe cases”. In this case “no one has seriously contested the fact that the prosecutor suppressed the evidence simply because it was inconsistent with his theory of the case… Montgomery is entitled to a jury trial free of gross prosecutorial misconduct”. The dissenters added that, “apart from Heard’s implausible testimony, the case against Montgomery was entirely circumstantial” and he “had no motive at all”. They added that “one can only wonder whether, had his counsel known of the existence of some affirmatively exculpatory evidence, such as the testimony of witnesses who saw Ogle days after the prosecution claimed she was murdered – and perhaps combined it with other evidence, such as the coroner’s report stating Ogle died on the day she was allegedly seen, not days before – a different result might have obtained in this case. We will never know, because the state made sure that did not happen”.

Since 1973 in the USA, more than 160 wrongful convictions in capital cases have been discovered, including nine in Ohio. Police and prosecutorial misconduct, as well as inadequate defence representation, have been frequent contributors to such errors. In a dissent in 2015, two US Supreme Court Justices wrote that “crimes at issue in capital cases” can be “accompanied by intense community pressure on police, prosecutors, and jurors to secure a conviction. This pressure creates a greater likelihood of convicting the wrong person”. They said the frequency with which the death penalty has been “wrongly imposed” was “striking”, and another reason why the Court should reconsider the constitutionality of the death penalty itself.