Drohende Hinrichtung

Tage
:
Std
:
Min
Todeszelle in Huntsville, Texas

Todeszelle in Huntsville, Texas

Alva Campbell soll am 15. November im US-Bundesstaat Ohio hingerichtet werden. Obwohl sich der Begnadigungsausschuss gegen eine Begnadigung ausgesprochen hat, kann der Gouverneur das Todesurteil noch umwandeln.

Setz dich dafür ein, dass Alva Campbell nicht hingerichtet wird!

Bereits Mein-Amnesty-Account-Inhaber? Dann bitte hier anmelden.
Name
Ich habe die Datenschutzhinweise zur Kenntnis genommen.

Meine Profildaten (Vorname, erster Buchstabe des Nachnamens) dürfen bei Aktionsteilnahme angezeigt werden.

Pflichtfelder

Dein Appell

Sehr geehrter Herr Gouverneur,

ich habe gehört, dass Alva Campbell am 15. November im US-Bundesstaat Ohio hingerichtet werden soll. Obwohl sich der Begnadigungsausschuss gegen eine Begnadigung ausgesprochen hat, können Sie das Todesurteil noch umwandeln.

Stoppen Sie bitte die Hinrichtung von Alva Campbell und wandeln Sie sein Todesurteil in eine Haftstrafe um.

Mit freundlichen Grüßen

Du möchtest selbst aktiv werden und die Botschaft lieber per Brief, Fax oder mit deinem eigenen E-Mail-Programm versenden?

Hier kannst du deine Botschaft als PDF-Datei herunterladen oder direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken. Wähle einfach deine bevorzugte Versandmethode und die Sprache, in der du den Brief verschicken möchtest, aus.

Bitte abschicken bis: 14.12.2017

Appell an:

Gouverneur von Ohio

Governor John Kasich

Riffe Center, 30th Floor

77 South High Street Columbus

OH 43215-6117, USA
 

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Herrn Kent Doyle Logsdon
Geschäftsträger a.i., Gesandter-Botschaftsrat

Clayallee 170
14191 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Amnesty fordert:

  • Stoppen Sie bitte die Hinrichtung von Alva Campbell und wandeln Sie sein Todesurteil in eine Haftstrafe um.

Sachlage

Am 2. April 1997 wurde in Columbus im US-Bundesstaat Ohio ein Mann namens Charles Dials erschossen. Die Polizei nahm Alva Campbell fest, der daraufhin den Mord gestand. Alva Campbell hatte sich kurz vor der Tötung von Charles Dials wegen des Vorwurfs eines bewaffneten Raubüberfalls im Gefängnis befunden, war aber auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung aus dem Gewahrsam geflohen. Im April 1998 wurde er vor Gericht gestellt und wegen Mordes zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde im Berufungsverfahren aufgehoben, doch 2001 wurde er erneut schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt.

Alva Campbell ist 69 Jahre alt und hat fast sein ganzes Erwachsenenleben im Gefängnis verbracht. Laut Angaben eines Soziologen, der sich mit dem Fall von Alva Campbell befasst hat, habe dieser „den Großteil seiner Jugend“ in verschiedenen staatlichen Einrichtungen verbracht, was bedeute, dass er de facto gänzlich von staatlicher Hand aufgezogen worden sei („state-raised youth“). Dennoch sei nie ein richtiger Betreuungsplan für ihn ausgearbeitet worden. Ein Bundesberufungsgericht (Sixth Circuit Court of Appeals) kam 2012 zu dem Schluss, dass diese Zeit in staatlicher Obhut für Alva Campbell „größtenteils negative“ Auswirkungen gehabt hatte. Die Geschworenen in dem ursprünglichen Gerichtsverfahren hatten jedoch keine Kenntnis über die Zeit des Angeklagten in staatlicher Obhut, da sich seine Verteidigung damals auf die ersten zehn Jahre seiner Kindheit konzentriert hatte. Das Berufungsgericht äußerte die Ansicht, dass Alva Campbell in seinen ersten zehn Lebensjahren „in seinem Elternhaus haarsträubende Erfahrungen machen musste – darunter wiederholte Vorfälle von Vergewaltigung und Inzest sowie körperliche und psychische Misshandlung“. Weiter sagte das Berufungsgericht, dass die Geschworenen Informationen über diese ersten zehn Jahre im Leben des Angeklagten erhalten hatten und dass daher Informationen über eine weitere Misshandlung und Vernachlässigung seitens der staatlichen Einrichtungen nur mehr einen „kumulativen“ Effekt gehabt hätten.

Der Rechtsbeistand, der im Gerichtsverfahren gegen Alva Campbell die Verteidigung übernommen hatte, sagte am 12. Oktober vor dem Begnadigungsausschuss, dass er und sein Team den Geschworenen unbeabsichtigt ein falsches Bild vermittelt hätten: Indem sie sich gänzlich auf die schlimmen ersten zehn Lebensjahre von Alva Campbell konzentrierten, hätten sie den Anschein erweckt, dass sich das Leben des Angeklagten durch das Eingreifen des Staates zum Besseren gewendet hätte. Der Begnadigungsausschuss räumte zwar ein, dass Alva Campbell in seiner Kindheit sowohl in seinem Elternhaus als auch in staatlicher Obhut „ohne Zweifel traumatische Erfahrungen“ gemacht hatte, sprach sich aber dennoch mehrheitlich gegen eine Begnadigung aus. Eines der zwölf Mitglieder des Begnadigungsausschusses stimmte jedoch für die Begnadigung. Sie kam zu dem Schluss, dass Alva Campbell in seinem Elternhaus „unbeständige, unmenschliche Lebensbedingungen“ erfahren habe und dass „eine fehlende moralische oder anderweitige Erziehung durch die Eltern dazu geführt hat, dass bei Campbell kein geistiger und emotionaler Reifeprozess stattfinden konnte. Als Campbell schließlich unter staatliche Fürsorge gestellt wurde, hat dies seine Situation nicht etwa verbessert, sondern nur für eine weitere Verkümmerung seiner geistigen und emotionalen Entwicklung gesorgt.“ Eine Begnadigung sei ihrer Ansicht nach „im Interesse der Gerechtigkeit“.

Ein kürzlich eingelegtes Rechtsmittel beschreibt, wie sich der Gesundheitszustand von Alva Campbell seit 2003 „zunehmend und akut verschlechtert“ hat und wie „beinahe jedes Jahr mehrere schwere und lebensbedrohliche Erkrankungen“ hinzugekommen sind. Darin wird argumentiert, dass es aufgrund des äußerst schlechten Gesundheitszustands von Alva Campbell wahrscheinlich ist, dass das Setzen einer Giftspritze bei ihm eine „paradoxe Reaktion“ hervorrufen wird, „was jeglichen Hinrichtungsversuch durch den Bundesstaat verfassungswidrig machen würde“. Am 25. Oktober wurde dieses Rechtsmittel vor dem zuständigen Berufungsgericht abgelehnt. Von drei Richter_innen sprach sich jedoch eine Richterin mit folgenden Worten für das Rechtsmittel aus: „Es gibt Situationen, in denen es als Akt blindwütiger Vergeltung anzusehen wäre, eine Person zu töten, um deren geistige Gesundheit es sehr schlecht bestellt ist; und es gibt Situationen, in denen es als Akt blindwütiger Vergeltung anzusehen wäre, eine Person zu töten, um deren körperliche Gesundheit es zunehmend schlecht bestellt ist.“ Dass es um die körperliche Gesundheit von Alva Campbell zunehmend schlecht bestellt sei, hätten dessen Rechtsbeistände eindrücklich genug bewiesen, um den Fall an ein Bundesgericht zu verweisen, damit dieses die Verfassungsmäßigkeit der Hinrichtung prüfen könne.

Amnesty International wendet sich in allen Fällen, weltweit und ausnahmslos gegen die Todesstrafe. Bis heute haben 141 Länder die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft. Die Gesamtzahl der Exekutionen in den USA seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen im Jahr 1976 beläuft sich auf 1.463, davon 55 im Bundesstaat Ohio. Von den 21 Hinrichtungen, die bisher im Jahr 2017 in den USA durchgeführt worden sind, wurden zwei in Ohio vollzogen. Bis September 2022 sollen in Ohio 27 zum Tode verurteilte Personen hingerichtet werden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Auf Englisch

The parole board was told how Alva Campbell’s early childhood was marked by his parents’ alcoholism and particularly the abuse meted out by the father. The father was white and the mother African American. According to the lawyers, the father was an overt racist who banned his mixed race children from having any contact with black children, deepening their isolation from the community. The father was physically and sexually abusive towards the children, including playing sadistic “games” such as chasing them with dead animals, and the “electric game” where he had them hold hands while he ran an electric current through them. The father also forced the children to witness him beating their mother, sometimes to the point of her losing consciousness. When Alva Campbell was 10, the father was removed from the family after he raped one of his daughters. The children lived with the mother, but were later placed in state care when they were found begging for food.

In 2012, the Sixth Circuit Court of Appeals agreed that Alva Campbell’s experience in state care had been “largely negative”, and that his trial lawyers “did not describe the negative conditions that Campbell faced – and the negative reactions that Campbell had to those conditions – in the juvenile facilities” in which he was placed. Moreover, the Sixth Circuit noted, the prosecution had turned the lack of mitigating evidence about Alva Campbell’s time in state care “to its advantage”, portraying this period as having been one of rescue and opportunity for him. The Sixth Circuit concluded that it did not appear that the defence lawyers had “any strategic reason” not to present this mitigating evidence, but under the deferential standard required in US law for federal review of state court decisions, the Court of Appeals upheld the death sentence.

Alva Campbell’s traumatic childhood was followed by an adulthood mostly spent in prison, having served three years for armed robbery committed when he was 19, and another 20 years for a murder committed when he was 23. He has been on death row for almost 20 years. Alva Campbell told the parole board that he accepted responsibility for his criminal conduct, apologized to the family of Charles Dials and others whose lives he had affected, and said that he was deeply sorry for what he had done.

In their petition to the Sixth Circuit in August 2017, Alva Campbell’s lawyers laid out the year-on-year deterioration they say has occurred to his health over the past 15 years and which they argue renders his execution unconstitutional: “2003 – diagnosis of pulmonary hypertension; 2004 – diagnosis of increased scarring in the lungs and growing nodules in the upper lungs and severely worsening emphysema leading to concerns with air hunger; 2006 – diagnosis of Chronic Obstructive Pulmonary Disease (COPD) and emphysema classified as “end stage,” diagnosis of collapsed lung and respiratory failure, sarcoidosis (for which there is no cure), coronary artery disease, atrial fibrillation, hypertension, deep vein thrombosis and pulmonary embolism; 2012 – hypoxemic respiratory failure (starving for oxygen), histoplasmosis, atrial fibrillation with rapid and out of rhythm heartbeats; 2014 – diagnosis of worsening COPD exacerbation, increasing nodules in lungs, emphysema increasing in lungs, discovery of an aortic aneurysm; 2015 – diagnosis of prostate cancer and surgical prostatectomy, spontaneous collapsed lung requiring a life flight to OSU Hospital; and a diagnosis of MRSA while at OSU Hospital; 2016 – hip replacement surgery after being knocked down by another inmate, while at OSU Hospital staff discovered a gangrenous colon and 2 surgeries were required to remove the colon and equip him with an external colostomy bag; 2017 – diagnosis of pneumonia after being hospitalized for coughing up blood. In addition to these physical characteristics that inhibit his ability to breathe, Campbell must take oxygen treatments four times a day in order to function, and he relies on a [walking frame] for very limited mobility”.