Familie nach Pakistan zurückgekehrt

Diese Urgent Action ist beendet.

Eine katholische Familie aus Pakistan, die im Juli 2013 in Sri Lanka Asylanträge gestellt hatte, ist im September nach Pakistan zurückgekehrt. Die Familienangehörigen waren aus Pakistan geflohen, weil sie dort um ihr Leben fürchteten. Nach den Anschlägen in Sri Lanka vom Ostersonntag 2019 wurden sie von einer aufgebrachten Menschenmenge mit Gewalt aus Dalupotha vertrieben, wo die Familie inzwischen lebte. Sie wurden festgenommen und unter schlechten Bedingungen in einer Flüchtlingseinrichtung festgehalten, weil ihre Visa abgelaufen waren. Amnesty International erfuhr am 31. Mai 2019, dass die Familie in Gefahr war, von Sri Lanka nach Pakistan abgeschoben zu werden. Die Abschiebung wurde zwar erfolgreich gestoppt, doch die Familie ist mittlerweile nach Pakistan zurückgekehrt, weil sie sich in Sri Lanka nicht mehr sicher fühlte.

Zeichnung von Symbolen der Religionen Christentum, Islam, Judentum und Hinduismus

Sachlage

Naseem John, Nida John, Nobil Zain, Sylvester John, Hina Milword und Keshwan Milword sind Mitglieder einer katholischen Familie im Alter von elf bis 57 Jahren, die nach Sri Lanka geflohen waren, weil sie sich in Pakistan in Lebensgefahr befanden. Sie wurden im Mai 2019 in Sri Lanka festgenommen, weil ihre Visa abgelaufen waren, und unter äußerst schlechten Bedingungen inhaftiert. Amnesty International erfuhr am 31. Mai 2019, dass der Familie die Abschiebung drohte.

Nachdem der Fall international bekannt wurde, stoppten die Behörden die Pläne für eine Abschiebung nach Pakistan. Allerdings sah sich die Familie letztlich gezwungen, nach Pakistan zurückzukehren, da ihre Lebensbedingungen in Sri Lanka nach wie vor schlecht waren und die Familienmitglieder keine rechtliche Möglichkeit mehr hatten, ihren Asylstatus zu sichern. Darüber hinaus hatten sie keinen Zugang zu medizinischer Versorgung und die Gesundheit des ältesten Familienmitglieds verschlechterte sich rapide.

Seit den tödlichen Anschlägen vom Ostersonntag 2019 kommt es in Sri Lanka verstärkt zu Anfeindungen gegen Flüchtlinge und Asylsuchende. Gruppen junger und teilweise bewaffneter Männer gehen seither von Haus zu Haus und nehmen Flüchtlinge und Asylsuchende ins Visier, die aus Ländern mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung stammen.

Nachdem Naseem John, Nida John, Nobil Zain, Sylvester John, Hina Milword und Keshwan Milword auf diese Weise aus ihrem Zuhause vertrieben worden waren, lebten sie in überbelegten Übergangsunterkünften, in denen unhygienische Zustände herrschten und wo sie keinen Zugang zur Grundversorgung hatten. Die Familie schlief zusammengepfercht auf dem Boden, entweder auf einem Stück Plastik oder einem Bettbezug. Andere Vertriebene mussten im Freien übernachten und legten sich auf Holzpaletten, um nicht auf dem nassen Boden schlafen zu müssen.

Diese Bedingungen führten zu Krankheiten wie Fieber, Infektionen, Atemwegserkrankungen, Durchfall und Bluthochdruck. Es gab keine Gesundheitseinrichtungen in der Nähe, und die Flüchtlinge und Asylsuchenden konnten sich nicht allein außerhalb ihrer Übergangsunterkünfte bewegen. Der jüngste Sohn der Familie war von seiner Mutter getrennt untergebracht, weil männliche und weibliche Bewohner_innen in dem Lager getrennt leben mussten.

Weitere Aktionen des Eilaktionsnetzes sind derzeit nicht erforderlich. Amnesty wird die Situation weiter beobachten. Vielen Dank allen, die Appelle geschrieben haben.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Sri Lanka
Laut Aussagen von Flüchtlingen und Asylsuchenden konnten diese eine Zeit lang relativ friedlich in Sri Lanka leben, obwohl es gelegentlich zu Feindseligkeiten kam. Das änderte sich jedoch nach den Angriffen vom Ostersonntag 2019, bei dem unter anderem ein Anschlag auf die St. Sebastian-Kirche in Negombo verübt wurde, bei dem über 100 Menschen starben. Die Folgen der Anschläge haben dazu geführt, dass viele Flüchtlinge und Asylsuchende Angst haben, sich außerhalb ihrer Übergangsunterkünfte zu bewegen. Einige fühlen sich in Sri Lanka nicht mehr sicher.

Pakistan
In Pakistan gibt es nur mangelhafte Schutzmechanismen für Minderheiten, insbesondere im Hinblick auf die Blasphemiegesetze des Landes. Pakistans Blasphemiegesetze sind überaus vage formuliert und beinhalten hohe Strafen. Diese Gesetze werden auch angewandt, um gegen religiöse Minderheiten vorzugehen, persönliche Rachefeldzüge auszutragen und Gewalt durch Milizen zu rechtfertigen. Auf der Grundlage weniger oder keiner Beweise müssen die der Blasphemie Beschuldigten ihre Unschuld beweisen, während aufgebrachte und gewalttätige Gruppen die Polizei, Zeug_innen, Rechtsbeistände und Richter_innen einschüchtern.