Aktuell 12. April 2018

Todesstrafe 2017: Zahlen und Fakten

Schatten einer Person, der eine Pistole an den Kopf gehalten wird

Das Wichtigste aus dem Amnesty-Bericht zur Todesstrafe 2017 im Überblick.

Weltweite Zahlen

Amnesty International erfasste im Jahr 2017 mindestens 993 Hinrichtungen in 23 Ländern. Das ist ein Rückgang um 4 Prozent seit 2016 (1.032 Hinrichtungen) und um 39 Prozent seit 2015 (1.634 Hinrichtungen, die höchste Zahl seit 1989). Die Zahl der Länder, in denen Hinrichtungen vollstreckt wurden, ist im Vergleich zu 2016 unverändert geblieben.

Die meisten Hinrichtungen wurden – in dieser Reihenfolge – in China, im Iran, in Saudi-Arabien, im Irak und in Pakistan vollstreckt. Wenn man China außen vor lässt, wurden 84 Prozent aller gemeldeten Hinrichtungen in nur vier Ländern vollstreckt: im Iran, in Saudi-Arabien, im Irak und in Pakistan.

China hat nach wie vor die höchste Hinrichtungsrate weltweit. Allerdings ist das genaue Ausmaß der verhängten Todesurteile in China unklar, da diese Daten als Staatsgeheimnis eingestuft werden. Bei den mindestens 993 Hinrichtungen, die im Jahr 2017 weltweit erfasst wurden, sind die Hinrichtungen in China nicht mitgezählt, die Schätzungen zufolge in die Tausende gehen.

Bahrain, Jordanien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben im Jahr 2017 wieder mit der Vollstreckung von Todesurteilen begonnen. In fünf anderen Ländern, die 2016 noch Todesurteile vollzogen hatten − Botsuana, Indonesien, Nigeria, Sudan und Taiwan – hat Amnesty International 2017 jedoch keine Hinrichtungen registriert.

Deutlich zurückgegangen ist die Zahl der Hinrichtungen in Belarus (um 50 Prozent, von mindestens vier auf mindestens zwei), Ägypten (um 20 Prozent), Iran (um 11 Prozent ), Pakistan (um 31 Prozent ) und Saudi-Arabien (um 5 Prozent). Auf (fast) das Doppelte gestiegen ist jedoch die Zahl der Exekutionen in Palästina (von drei auf sechs), Singapur (von vier auf acht) und Somalia (von 14 auf 24).

Zwei Länder – Guinea und die Mongolei– haben 2017 die Todesstrafe im Gesetz abgeschafft. Dies gilt ausnahmslos für alle Straftaten. Guatemala hat die Todesstrafe dagegen nur für gewöhnliche Straftaten abgeschafft. Gambia hat einen internationalen Vertrag unterzeichnet, der das Land verpflichtet, keine Hinrichtungen auszuführen und darauf hinzuarbeiten, die Todesstrafe im Gesetz abzuschaffen.

Bis zum Jahresende 2017 hatten 106 Länder (die Mehrzahl der Länder dieser Welt) die Todesstrafe für alle Straftaten abgeschafft und 142 Länder (mehr als zwei Drittel) hatten sie per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft.

Amnesty International registrierte in 21 Ländern Begnadigungen beziehungsweise die Umwandlung von Todesurteilen in Haftstrafen, nämlich in Bangladesch, Kamerun, China, Ägypten, Indien, Indonesien, Japan, Kuwait, Malaysia, Mauretanien, Marokko und Westsahara, Nigeria, Pakistan, Papua-Neuguinea, Katar, Sri Lanka, Taiwan, Tunesien, VAE, USA und Simbabwe.

In sechs Ländernwurden insgesamt 55 Personen freigesprochen, die bereits im Todestrakt einsaßen: in China, Niger, Taiwan, USA und Sambia sowie auf den Malediven.

Amnesty International verzeichnete für das Jahr 2017 insgesamt 2.591 Todesurteile in 53 Ländern, ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Rekordhoch von 3.117 Todesurteilen im Jahr 2016.

Ende 2017 wurden mindestens 21.919 zum Tode verurteilte Personen gezählt.

Weltweit wurden 2017 folgende Hinrichtungsmethoden eingesetzt: Enthaupten, Erhängen und Erschießen oder die Hinrichtung durch eine tödliche Injektion. Im Iran fanden mindestens 31 öffentliche Hinrichtungen statt.

Berichte aus dem Jahr 2017 deuten darauf hin, dass im Iran mindestens fünf Personen hingerichtet wurden, die zum Zeitpunkt der ihnen vorgeworfenen Tat jünger als 18 Jahre waren.

In zahlreichen Ländern, in denen Menschen zum Tode verurteilt oder hingerichtet wurden, entsprach das Vorgehen nicht den internationalen Standards für ein faires Gerichtsverfahren. Hierzu zählt beispielsweise die Erzwingung von "Geständnissen" durch Folter oder andere Misshandlung, wie beispielsweise in Bahrain, China, Iran, Irak oder Saudi-Arabien.

Einzelne Regionen

Amerikas

Die USA blieben 2017 im neunten Jahr in Folge das einzige Land der Region, in dem Todesurteile vollstreckt werden.

Die Zahl der Hinrichtungen (23) und Todesurteile (41) stieg in den USA im Vergleich zu 2016 leicht, lag jedoch nach wie vor auf einem relativen Tiefstand verglichen mit vielen Vorjahren. Im zweiten Jahr in Folge gehörten die USA nicht zu den fünf Ländern, in denen die meisten Hinrichtungen vollstreckt wurden. Damit fiel das Land in der weltweiten Rangliste von Platz sieben auf Platz acht.

Die Zahl der US-Bundesstaaten, in denen Hinrichtungen vollstreckt werden, erhöhte sich von fünf (2016) auf acht, nachdem Arkansas, Ohio und Virginia nach einer Pause den Vollzug von Todesurteilen wieder aufnahmen. Vier Bundesstaaten – Idaho, Mississippi, Missouri und Nebraska – sowie US-Bundesgerichte verhängten, nach einer Unterbrechung, im Jahr 2017 erneut Todesurteile. Damit stieg die Anzahl der US-Bundesstaaten, die Todesurteile aussprechen, auf 15 (zwei mehr als im Jahr 2016). In Kansas, North Carolina und Oregon wurden 2017 keine Todesurteile verhängt, im Gegensatz zum Jahr 2016.

Nur in drei Ländern der Region wurden Todesurteile verhängt: in Guyana, Trinidad und Tobago und in den USA.

Guatemala schaffte 2017 als 142. Land die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis ab.

Asien-Pazifik

2017 wurden mindestens 93 Hinrichtungen in neun Ländern der Region bekannt, im Jahr 2016 waren es noch mindestens 130 in 11 Ländern. Dies geht auf einen Rückgang in Pakistan zurück, wo 31 Prozent weniger Hinrichtungen vollstreckt wurden. Bei diesen Daten sind die Hinrichtungen in China nicht mitgezählt, die nach Schätzungen von Amnesty International in die Tausende gehen.

Im Vergleich zu 2016 verdoppelte sich die Zahl der durchgeführten Hinrichtungen in Singapur von vier auf acht. Diese Todesurteile wurden alle als Strafe für Drogendelikte verhängt.

Mindestens 1.037 neue Todesurteile wurden in der Region verhängt, ein leichter Rückgang im Vergleich zu 2016. Die Anzahl der Todesurteile war in Indien, Indonesien, Pakistan und Thailand– neben anderen Ländern – niedriger als im Jahr 2016.

Ein Anstieg wurde dagegen in Bangladesch (von mindestens 245 auf 273), Singapur (von mindestens sieben auf 15) und Sri Lanka (von mindestens 79 auf 218) verzeichnet.

In 18 Ländern der Region wurden Todesurteile verhängt, das entspricht der Anzahl von 2016. Nachdem Brunei Darussalam im Jahr 2016 keine Todesurteile ausgesprochen hatte, wurde im Jahr 2017 ein Todesurteil erlassen. Papua-Neuguinea hat 2017 dagegen – im Gegensatz zu den Vorjahren – keine Todesurteile verhängt.

Europa und Zentralasien

Das einzige Land in Europa und Zentralasien, in dem Menschen hingerichtet wurden, war Belarus. Dort wurden 2017 mindestens zwei Hinrichtungen vollstreckt und vier neue Todesurteile verhängt.

In Kasachstan befand sich ein Mann im Todestrakt.

In Kasachstan, der Russischen Föderation und Tadschikistan galten weiterhin Hinrichtungsmoratorien.

Naher Osten und Nordafrika

Im Jahr 2017 wurde in dieser Weltregion etwas weniger häufig auf die Todesstrafe zurückgegriffen. Die Zahl der in Nahost und Nordafrika verzeichneten Hinrichtungen ging im Vergleich zum Vorjahr um 1 Prozent zurück, von 856 Hinrichtungen 2016 auf 847 im Jahr 2017.

92 Prozent der Hinrichtungen in der Regionwurden im Iran, in Saudi-Arabien und im Irak vollstreckt, womit diese drei Länder auch weiterhin an der Spitze stehen.

Im Iran wurden mindestens 507 Personen hingerichtet, das sind 60 Prozent aller bestätigten Hinrichtungen in der Region. In Saudi-Arabien wurden 146 Personen hingerichtet, was 17 Prozent aller bestätigten Hinrichtungen in der Region ausmacht.

Mindestens 264 Hinrichtungen wurden als Strafe für Drogendelikte vollstreckt (27 Prozent aller bestätigten Hinrichtungen im Jahr 2017).

Amnesty International bestätigte, dass 2017 mindestens 619 Todesurteile in der Region verhängt wurden, was einen Rückgang im Vergleich zu den 764 Todesurteilen bedeutet, die im Jahr 2016 verzeichnet wurden. Die meisten Todesurteile in der Region wurden in Ägypten ausgesprochen, mindestens 402.

Staaten südlich der Sahara

In den Staaten südlich der Sahara waren positive Entwicklungen zu verzeichnen, da weniger Staaten Hinrichtungen vollstreckten.

Im Jahr 2017 wurden in zwei Staaten (Somalia und Südsudan) Hinrichtungen verzeichnet, 2016 waren es fünf.

Insgesamt wurden 28 Hinrichtungen vollstreckt, 24 in Somalia und vier im Südsudan. Das bedeutet einen leichten Anstieg zu den mindestens 22 Hinrichtungen, die 2016 gemeldet wurden.

Die Zahl der verhängten Todesurteile nahm mit mindestens 878 im Jahr 2017 im Vergleich zu mindestens 1.086 Todesurteilen im Jahr 2016 ab.

Nigeria verhängte die meisten Todesurteile in der Region. Dort waren zum Jahresende 2017 auch die meisten Personen, die zum Tode verurteilt waren, inhaftiert.

Guinea hat 2017 die Todesstrafe für alle Straftaten abgeschafft. Burkina Faso, Tschad, Gambia und Kenia haben auf dem Weg zur Abschaffung der Todesstrafe bedeutende Fortschritte gemacht.

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