Der bekannte afro-kubanische Künstler und Aktivist Luis Manuel Otero Alcántara ist frei: Nach fünf Jahren willkürlicher Haft hat er im Juli 2026 das Gefängnis endlich verlassen können. Aufhalten muss er sich nun allerdings im erzwungenen Exil in den USA.
Luis Manuel Otero Alcántara gehört zu den Mitbegründer*innen des Movimiento San Isidro. In der Bewegung haben sich Künstler*innen, Journalist*innen und Aktivist*innen zusammengeschlossen, um für das Recht auf freie Meinungsäußerung in Kuba einzutreten.
Kunst nur mit Erlaubnis
Die Behörden schränken dieses Recht massiv ein – ein Instrument dafür ist das Dekret 349. Es schreibt vor, dass Künstler*innen nur mit vorheriger Genehmigung des Kulturministeriums künstlerisch tätig sein dürfen. Wer ohne diese Erlaubnis arbeitet, riskiert, dass die eigenen Materialien beschlagnahmt werden, oder muss mit empfindlichen Geldbußen rechnen.
Genau auf solche Menschenrechtsverletzungen machte Luis Manuel mit seiner Kunst aufmerksam, und er kritisierte sie offen. Mehrfach wurde er deshalb festgenommen. Am 11. Juli 2021 nahmen ihn die Sicherheitskräfte erneut fest; in einem unfairen Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit verurteilte man ihn zu fünf Jahren Haft. Im Hochsicherheitsgefängnis von Guanajay verschlechterte sich sein Gesundheitszustand erheblich.
Unterdrückung, Repressalien, Exil
Auf eine ungerechtfertigte Haftstrafe und Jahre der Unterdrückung folgt damit die nächste Zumutung – die kubanischen Behörden verwehren Luis Manuel ein freies Leben im eigenen Land. Was er erdulden musste, steht für ein größeres Muster: selektive Freilassungen, erzwungenes Exil und Repressalien gegen gewaltlose politische Gefangene und andere kritische Stimmen in Kuba. 2025 traf es auf ähnliche Weise José Daniel Ferrer und Luis Robles.
Die Verantwortlichen in Kuba müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Und sie müssen garantieren, dass Luis Manuel in sein Land zurückkehren kann, wenn er sich dafür entscheidet – ohne Überwachung, ohne Drohungen, ohne weitere Vergeltungsmaßnahmen.
Inhaftiert hätte er nie werden dürfen. Vielen Dank an alle, die sich für seine Freilassung starkgemacht haben!