Sektion der Bundesrepublik Deutschland

Urgent Action

Teenager "verschwunden"

  • Brasilien
UA-301/2014
Index:
AMR 19/014/2014
02. Dezember 2014

Herr DAVI FIUZA, 16 Jahre
Frau RUTE SILVA SANTOS, Mutter von Davi Fiuza

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Im Nordosten von Brasilien wurde ein 16-Jähriger offenbar Opfer des Verschwindenlassens, nachdem er Berichten zufolge bei einer Polizeioperation in Salvador im Bundesstaat Bahia von Angehörigen der Militärpolizei gefesselt und mitgenommen wurde. Die Mutter des Teenagers erhält Drohungen, seit sie mit dem Fall an die Öffentlichkeit gegangen ist und Informationen über den Verbleib ihres Sohnes fordert.

Der 16-jährige Davi Fiuza wurde Berichten zufolge am 24. Oktober um 7:30 Uhr in São Cristovão, einem Viertel der Stadt Salvador, Opfer des Verschwindenlassens. Zuvor waren Angehörige der Militärpolizei der Einheit PETO (Pelotão de Emprego Tático Operacional) und der Spezialeinheit RONDESP (Rondas Especiais) während einer Operation der Militärpolizei auf ihn zugekommen. Er unterhielt sich gerade mit einer Nachbarin, als sich die Beamt_innen ihm näherten. Andere Nachbar_innen, die zum Zeitpunkt des Geschehens anwesend waren, erhielten von den Polizist_innen die Anweisung, in ihre Häuser zurückzukehren. Die Mutter von Davi Fiuza, Rute Silva Santos, berichtete Amnesty International, Polizeibeamt_innen hätten ihren Sohn an Händen und Füßen gefesselt und ihm einen Sack über den Kopf gezogen. "Dann warfen sie meinen Sohn in ein Zivilfahrzeug", sagte sie.

Davi Fiuza wurde seit diesem Morgen nicht mehr gesehen, sein Verbleib ist weiterhin unklar. Seitdem hat seine Familie nach ihm in Polizeistationen, Krankenhäusern und an Orten gesucht, von denen man weiß, dass sich dort geheime Gräber befinden - jedoch ohne Erfolg. Familienangehörige, Freunde und lokale Organisationen nutzten soziale Medien, um den Fall an die Öffentlichkeit zu bringen und um Informationen zu verlangen. Die Polizei des Innenministeriums behauptet trotz der Zeugenaussagen, es gäbe keine schlüssigen Hinweise darauf, dass Angehörige der Polizei am Verschwinden von Davi Fiuza beteiligt gewesen waren.

Nachdem seine Mutter Rute Silva Santos das Verschwinden ihres Sohnes öffentlich anprangerte und dazu aufrief, Informationen zu seinem Verbleib zu fordern, wurde sie auf sozialen Medien und per SMS unmittelbar bedroht. Eine der Drohungen enthielt Bilder von vergewaltigten und niedergestochenen Frauen, zusammen mit der Nachricht "Das ist es, was wir mit starken Frauen machen". Rute Silva Santos hat vier Töchter und fürchtet nun um deren sowie ihre eigene Sicherheit.

SCHREIBEN SIE BITTE

FAXE, E-MAILS UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Stellen Sie bitte sicher, dass die Behörden unverzüglich umfassend und unparteiisch ermitteln, was mit Davi Fiuza passiert ist, nachdem er während einer Militäroperation festgenommen wurde, und bringen Sie die mutmaßlich Verantwortlichen vor Gericht.
  • Bitte untersuchen Sie die Drohungen gegen Rute Silva Santos und schützen Sie sie und ihre Familienangehörigen vor den Einschüchterungsversuchen, denen sie aufgrund der Beschwerde von Rute Silva Santos ausgesetzt sind.
  • Bitte stellen Sie sicher, dass potenzielle Zeug_innen und andere Personen, die an den Untersuchungen beteiligt sind, vor jeglicher Form der Einschüchterung oder Drohung beschützt werden.

APPELLE AN

MINISTER FÜR ÖFFENTLICHE SICHERHEIT VON BAHIA
Maurício Teles Barbosa
Avenida 4, nº 430
Centro Administrativo da Bahia - CEP: 41745-002 Salvador
Bahia
BRASILIEN
(Anrede: Dear Secretary / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 55) 71 3115 1823
E-Mail: gabinete.secretariossp@ssp.ba.gov.br

CHEF DER ZIVILPOLIZEI VON BAHIA
Helio Jorge Oliveira Paixão
Praça 13 de Maio, S/N, 2º andar
Prédio sede da Polícia Civil
Piedade/Centro - CEP: 40070-010
Salvador, Bahia, BRASILIEN
(Anrede: Dear Civil Police Chief / Sehr geehrter Herr Polizeichef)
Fax: (00 55) 71 3116 6483
E-Mail: gabinetedelegadogeral@yahoo.com.br

KOPIEN AN
VORSITZENDER DER RECHTSANWALTSKAMMER VON BAHIA
Luiz Viana Queiroz
Rua Portão da Piedade, nº 16
Antiga Praça Teixeira de Freitas - Barris
CEP: 40070-045
Salvador, Bahia, BRASILIEN
Fax: (00 55) 71 3329 5639
E-Mail: presidencia@oab-ba.org.br

BOTSCHAFT DER FÖDERATIVEN REPUBLIK BRASILIEN
I. E. Frau Maria Luiza Ribeiro Viotti
Wallstraße 57
10179 Berlin
Fax: 030-7262 83-20 oder -21
E-Mail: brasemb.berlim@itamaraty.gov.br

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Portugiesisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 31. Januar 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Davi Fiuza ist ein bekannter und aktiver Bewohner seines Viertels. Seine Mutter erzählte Amnesty International, er sei sportbegeistert und hätte sich neulich bei einer Boxschule angemeldet. Sie sagte: "Selbst wenn mein Sohn an illegalen Aktivitäten beteiligt gewesen wäre,was er nicht war, hat niemand, und besonders nicht der Staat, das Recht, jemanden einfach verschwinden zu lassen."

Der Stadtrand von Salvador gilt als ein Ort, an dem häufig "Todeskommandos" operieren. Solche "Todeskommandos" bestehen gewöhnlich aus ehemaligen oder derzeitigen Angehörigen der Polizei und sind regional organisiert. Ihre Aktivitäten können sich über mehrere Städte und über mehr als einen Bundesstaat hinaus erstrecken. Aus diesem Grund veröffentlichte ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss (Comissão Parlamentar de Inquérito - CPI) der Abgeordnetenkammer 2005 einen Bericht, in dessen Mittelpunkt die Untersuchung der kriminellen Tätigkeiten privater Milizen und "Todeskommandos" im Nordosten Brasiliens steht.

Im August 2013 startete Amnesty International eine Urgent Action zu einem Fall des Verschwindenlassens in Rio de Janeiro (siehe UA-202/2013: http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-202-2013/festgenommener-verschwun...). Damals hatte die Militärpolizei einen Mann festgenommen, den sie fälschlicherweise für einen Drogenhändler hielt und den sie am 14. Juli 2013 in der Stadt verfolgt hatten. Zuerst behauptete die Polizei, sie hätten den Mann namens Amarildo Souza Lima freigelassen, nachdem sie sein Strafregister überprüft hatten. Dennoch wurde er seit seiner Festnahme von der Polizei nicht mehr gesehen. Druck von nationaler und internationaler Seite zwang die Polizei dazu, den Fall gründlich zu untersuchen. Aus den Untersuchungen gingen starke Hinweise darauf hervor, dass Amarildo Souza Lima im Polizeipräsidium gefoltert und getötet wurde. Obwohl seine Leiche bisher nicht gefunden wurde, werden über 20 Angehörige der Polizei seiner Tötung bezichtigt und warten in Untersuchungshaft auf ihr Gerichtsverfahren. Des Weiteren muss der Bundesstaat Rio de Janeiro eine finanzielle Entschädigung an die Familie von Amarildo Souza Lima zahlen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the authorities to undertake without delay a prompt, thorough, and independent investigation of what happened to Davi Fiuza after he was detained during a military police operation and bring those suspected of criminal responsibility to trial.
  • Urging them to investigate the threats against Rute Silva Santos and protect her and her relatives against intimidation as a consequence of the complaint.
  • Urging the authorities to ensure that potential witnesses and people taking part in the investigation are protected against any forms of intimidation or threats.