Inhaftierte Kanadier im Hungerstreik

Ägypten Karte

Ägypten Karte

Zwei in Ägypten inhaftierte kanadische Staatsangehörige sind aus Protest gegen ihre anhaltende Haft im Tora-Gefängnis in den Hungerstreik getreten. Am 14. September verlängerte die Staatsanwaltschaft nach einer kurzen Ermittlungsphase die Haftanordnung der Männer um weitere 15 Tage.

Appell an

ÜBERGANGSPRÄSIDENT
Adly Mahmoud Mansour
Office of the President
Al Ittihadia Palace
Cairo
ÄGYPTEN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 202) 2 391 1441

VERTEIDIGUNGSMINISTER
General Abdel Fattah al-Sisi
Ministry of Defence
Cairo
ÄGYPTEN
(Anrede: Dear General / Sehr geehrter Herr General)
Fax: (00 202) 2 290 6004
Fax/Telefon: (00 202) 2 291 6227

GENERALSTAATSANWALT
Hesham Mohamed Zaki Barakat
Office of the Public Prosecutor
Supreme Court House, 1 "26 July" Road
Cairo
ÄGYPTEN
(Anrede: Dear Counsellor / Sehr geehrter Herr Staatsanwalt)
Fax: (00 202) 2 577 4716 oder (00 202) 2 575 7165 (nach Büroschluss abgeschaltet, MEZ +1)

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK ÄGYPTEN
S. E. Herrn Mohamed Abdelhamid Ibrahim Higazy
Stauffenbergstraße 6-7
10785 Berlin
Fax: 030-477 1049
E-Mail: embassy@egyptian-embassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 31. Oktober 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte Sie höflich auffordern, Tarek Loubani und John Greyson freizulassen, es sei denn, es liegen ausreichende vor Gericht zulässige Beweise vor, um ihnen vor einem zivilen Gericht und in Übereinstimmung mit den internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren sowie unter Ausschluss der Todesstrafe den Prozess zu machen.

  • Bitte stellen Sie auch weiterhin sicher, dass die beiden Männer ungehinderten Zugang zu ihren Rechtsbeiständen, Familien und Konsulatsangehörigen haben und jegliche benötigte medizinische Versorgung erhalten.

Sachlage

Der Arzt Tarek Loubani und der Filmemacher John Greyson sind am 16. September in den Hungerstreik getreten. Sie nehmen zwar weiterhin Flüssigkeit zu sich, verzichten jedoch auf feste Nahrung. Sie werden nach wie vor unter dem Vorwurf von "Gewalttätigkeiten", "Schüren von Gewalt", "Tragen von Waffen" sowie "Zerstörung öffentlichen Eigentums" festgehalten. Die Männer befinden sich mit Hunderten ÄgypterInnen in Haft, die während gewaltsamer Zusammenstöße in Kairo am 16. August festgenommen worden waren.

Amnesty International ist in Sorge, da es den Eindruck macht, als beschuldige man sie und Hunderte weitere Menschen, die an diesem Tag festgenommen wurden, einer breiten Palette von Vergehen ohne Berücksichtigung ihrer individuellen strafrechtlichen Beteiligung.

Tarek Loubani und John Greyson kamen am 15. August in Ägypten an und wollten umgehend in die Besetzten Palästinensischen Gebiete nach Gaza weiterreisen. Tarek Loubani baut Beziehungen zwischen der Universitätsklinik in Gaza und dem Krankenhaus, in dem er in Kanada arbeitet, auf. Der Filmemacher John Greyson begleitete ihn, um die Lage in Gaza zu dokumentieren. Bei der Ankunft in Ägypten konnten die beiden Männer nicht weiterreisen, da die Grenze nach Gaza geschlossen war.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Am 30. Juni 2013 gingen Tausende ÄgypterInnen auf die Straße, um Präsident Mohammed Mursi aufzufordern, die Präsidentschaftswahl vorzuziehen. Dies war der Beginn einer neuen Protestserie gegen seine Herrschaft. In den darauffolgenden Tagen gingen viele AnhängerInnen des Präsidenten ebenfalls auf die Straße, um Gegendemonstrationen abzuhalten. In vielen Fällen kam es zu Zusammenstößen zwischen UnterstützerInnen und GegnerInnen des Präsidenten.

Am Abend des 3. Juli erklärte Verteidigungsminister Abdel Fattah al-Sisi, dass die Verfassung ausgesetzt und Mohammed Mursi nicht länger Präsident sei. Er kündigte an, bis zu den Neuwahlen eine Übergangsregierung einzusetzen. In den Wochen nach dem 3. Juli führten die gewalttätigen politischen Auseinandersetzungen zum Tod von zahlreichen AnhängerInnen und GegnerInnen von Mohammed Mursi. Auf den Straßen sahen sich die Mursi-AnhängerInnen der zunehmend blutigen Niederschlagung einer Reihe ihrer Proteste durch die Sicherheitskräfte gegenüber. Am 8. Juli führte dies nahe des Clubs der Republikanischen Garde in Nasr City in Kairo zum Tod von 51 Menschen, und am 27. Juli starben mehr als 80 Menschen in der Nähe der Moschee Rabaa al-Adawiya. Am 14. August erreichte die Gewalt ihren Höhepunkt: mehr als 480 Menschen starben, als die Sicherheitskräfte Massensitzstreiks in Nasr City auflösten.

Am 16. August starben erneut 97 Personen, als Proteste von UnterstützerInnen des abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi am Ramsis-Platz in Kairo in gewalttätige Auseinandersetzungen umschlugen. Beweismaterial, das Amnesty International zusammengetragen hat, deutet darauf hin, dass einige Mursi-AnhängerInnen schwer bewaffnet waren und scharfe Munition gegen Polizei und AnwohnerInnen, die sich auf die Seite der Sicherheitskräfte geschlagen hatten, einsetzten. Doch auch PassantInnen und friedliche Protestierende wurden in den Unruhen getötet.

Die Sicherheitskräfte übernahmen weder die Kontrolle über die Situation noch reagierten sie in angemessener und verantwortlicher Weise auf die gegen sie gerichtete Gewalt, um auf diese Weise den Verlust von Menschenleben so gering wie möglich zu halten. Bei einem von Amnesty International dokumentierten Vorfall schossen die Sicherheitskräfte Tränengas in die Al-Fath-Moschee, wodurch mindestens eine Frau erstickte.

Mehrere Pro-Mursi-Demonstrationen, die sich am 16. August zur Hauptkundgebung auf dem Ramsis-Platz bewegten, entwickelten sich zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und AnwohnerInnen, die versuchten, die Demonstrierenden davon abzuhalten, durch ihre Viertel zu gehen. Unter den Opfern befanden sich Mursi-AnhängerInnen, AnwohnerInnen und Angehörige der Sicherheitskräfte.

Auch die Handgemenge zwischen Mursi-AnhängerInnen und AnwohnerInnen nahe der Polizeiwache Azbakiya eskalierten zu heftigen Schusswechseln zwischen Protestierenden und den von AnwohnerInnen unterstützten Sicherheitskräften. Diese schweren Kämpfe dauerten über Stunden an. Das Gebäude war anschließend von Einschüssen übersäht. Auf beiden Seiten kam es überwiegend durch Schussverletzungen zu Toten. Der Leiter der Polizeiwache, Brigadegeneral Imad Fawzi, teilte mit, dass dabei auch zwei Angehörige der Sicherheitskräfte starben, 30 weitere wurden verletzt.

Die Zusammenstöße, die kurz nach dem Freitagsgebet in der Nähe der Al-Fath-Moschee begonnen hatten, wurden gewalttätiger, als eine Pro-Mursi-Demonstration, die zur Hauptdemonstration auf dem Ramsis-Platz stoßen wollte, die Brücke des 6. Oktober erreichte.

Während der Vorfälle und danach führten die Sicherheitskräfte weitverbreitet wahllose Festnahmen von über 650 Personen, darunter auch Frauen und Kinder, durch. Ihnen allen wurde dieselbe breite Palette von Verstößen ohne Berücksichtigung der tatsächlichen strafrechtlichen Beteiligung des Einzelnen zur Last gelegt.