John Ferguson hingerichtet
Ergebnis dieser Urgent Action
Der psychisch kranke John Ferguson wurde am 5. August im US-Bundesstaat Florida hingerichtet. Er saß seit 35 Jahren im Todestrakt.
Todeskammer in Florida, in der die Giftspritze verabreicht wird
© Florida Department of Corrections
Der psychisch kranke John Ferguson wurde am 5. August im US-Bundesstaat Florida hingerichtet. Er saß seit 35 Jahren im Todestrakt.
Sachlage
Die US-Verfassung verbietet die Hinrichtung von Gefangenen, die die Gründe für das gegen sie verhängte Todesurteil und die Realität der Bestrafung nicht verstehen können. Dieses Verbot hat in der Realität jedoch nur eine begrenzte Schutzfunktion, denn es hat nicht verhindert, dass in den USA zahlreiche Gefangene mit geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen hingerichtet worden sind.
Laut den Rechtsbeiständen von John Ferguson ist dies bei ihm der Fall, weil er unter anderem davon ausgeht, dass sein Leichnam nicht im Grab bleiben, sondern nach der Hinrichtung wieder auferstehen und an der "rechten Seite Gottes sitzen" werde. Zudem werde er die USA vor einer kommunistischen Verschwörung bewahren. Am 25. Juli reichten die Rechtsbeistände von John Ferguson beim Obersten Gerichtshof der USA (US Supreme Court) einen Antrag auf einen Hinrichtungsstopp ein, weil es sich nach ihrer Auffassung bei der Hinrichtung um einen Verstoß gegen die Verfassung handeln würde. Die Rechtsbeistände machten in ihrem Antrag geltend, dass John Ferguson schizophren sei, an der Wahnvorstellung leide, er sei der "Prinz Gottes" und die unumstößliche Auffassung vertrete, er werde nicht wegen der von ihm begangenen Morde getötet, sondern weil der Bundesstaat Florida verhindern wolle, dass er aufsteigen und zur Rechten Gottes sitzen werde.
Am 5. August gab der Oberste Gerichtshof der USA bekannt, er werde sich nicht in den Fall einschalten. Kurz bevor er durch die Giftspritze starb, hat John Ferguson Berichten zufolge gesagt: "Ich möchte, dass jeder weiß, dass ich der Prinz Gottes bin und auferstehen werde". Er wurde um 18:17 Uhr Ortszeit für tot erklärt, etwa 15 Minuten nachdem die Injektion erfolgt war.
In zwei separaten Gerichtsverfahren unter Vorsitz desselben Richters wurde John Ferguson 1978 wegen achtfachen Mordes für schuldig befunden. John Ferguson wurde wegen der Morde an Livingstone Stocker, Michael Miller, Henry Clayton, John Holmes, Gilbert Williams, Charles Stinson, Belinda Worley und Brian Glenfeldt in acht Fällen zum Tode verurteilt. Das Oberste Gericht von Florida verwies den Fall zurück an das ursprüngliche Gericht zur Neufestsetzung des Strafmaßes, da es in beiden Gerichtsverfahren jeweils in der Phase des Verfahrens, in der über das Strafmaß entschieden wurde, Fehler ausgemacht hatte. Da der Richter, der den Vorsitz in beiden Verfahren geführt hatte, inzwischen in den Ruhestand gegangen war, führte ein neuer Richter den Vorsitz. Er verhängte ohne Anhörung erneut acht Todesurteile.
John Ferguson litt bereits vor den ihm zur Last gelegten Straftaten an schweren psychischen Erkrankungen. Laut seinen Rechtsbeiständen berichtete John Ferguson 1965 im Alter von 17 Jahren zum ersten Mal von visuellen Halluzinationen. 1971 wurde bei ihm erstmals paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Die Diagnose wurde seitdem mehrfach wiederholt. Im Jahr 1975 kam ein vom Gericht bestellter Psychiater zu dem Schluss, dass John Ferguson aufgrund seiner schweren psychischen Erkrankung als gefährlich eingestuft werden müsse und deshalb "unter keinen Umständen aus einer psychiatrischen Hochsicherheitseinrichtung entlassen werden sollte". Er wurde dennoch entlassen und befand sich drei Jahre später im Todestrakt. Die Diagnose einer schweren psychischen Erkrankung wurde auch nach dem gegen ihn verhängten Todesurteil mehrfach wiederholt, auch von GefängnisärztInnen. So kamen die Gefängnisbehörden 1991 zu dem Schluss, dass John Ferguson "an einer chronischen Schizophrenie paranoider Form" leidet und "diese Krankheit bereits seit vielen Jahren hat, wahrscheinlich bereits seit 1971, und seine geistige Kompetenz, mit seinen Rechtsbeiständen zusammenzuarbeiten, im besten Fall als fragwürdig zu bezeichnen ist".
In diesem Jahr sind in den USA bislang 23 Todesurteile vollstreckt worden, vier davon in Florida. Mit der Hinrichtung von John Ferguson sind in den USA seit 1977 insgesamt 1343 Todesurteile vollstreckt worden, 78 davon in Florida.
Nähere Informationen zu diesem Aspekt der Todesstrafe in den USA finden Sie in den englischsprachigen Berichten: USA: The execution of mentally ill offenders, January 2006, Http://www.amnesty.org/en/library/info/AMR51/003/2006/en and http://www.amnesty.org/en/library/info/AMR51/114/2007/en
Weitere Appelle des Eilaktionsnetzes sind nicht erforderlich. Vielen Dank allen, die versucht haben, die Hinrichtung zu verhindern.