Christinnen inhaftiert
Zwei Mitglieder der christlichen Gemeinde im Iran, Maryam Rostampour und Marzieh Amirizadeh Esmaeilabad, wurden am 5. März 2009 von Sicherheitskräften in Teheran festgenommen. In einem Telefongespräch mit ihrer Familie am 28. März sagte Marzieh Amirizadeh Esmaeilabad, dass beide Frauen an einer Infektion und hohem Fieber litten und bis dato keine angemessene medizinische Versorgung erhalten hätten. Sie werden nach wie vor ohne Anklage in einer überfüllten Zelle des Evin-Gefängnisses mit 27 anderen Frauen festgehalten. Bei Maryam Rostampour und Marzieh Amirizadeh Esmaeilabad könnte es sich um gewaltlose politische Gefangene handeln, die ausschließlich aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen festgehalten werden. Amnesty International ist besorgt um die Gesundheit der beiden Frauen.
Appell an
OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Mahmoud Hashemi Shahroudi
Howzeh Riyasat-e Qoveh Qazaiyeh
(Office of the Head of the Judiciary)
Pasteur St., Vali Asr Ave., south of Serah-e Jomhouri
Tehran 1316814737, IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
E-Mail: shahroudi@dadgostary-tehran.ir
(Betreff: FAO Ayatollah Shahroudi)
STAATSOBERHAUPT
Ayatollah Sayed 'Ali Khamenei
The Office of the Supreme Leader
Islamic Republic Street - End of Shahid Keshvar Doust Street, Tehran, IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
E-Mail: info_leader@leader.ir; über die Internetseite www.leader.ir/langs/en/index.php?p=letter (Englisch)
www.leader.ir/langs/en/index.php?p=letter (Persisch)
Sende eine Kopie an
LEITER DER STAATLICHEN MENSCHENRECHTSBEHÖRDE
Mohammad Javad Larijani
Howzeh Riyasat-e Qoveh Qazaiyeh /
Office of the Head of the Judiciary
Pasteur St. Vali Asr. Ave., south of Serah-e Jomhuri Tehran 1316814737, IRAN
(korrekte Anrede: Dear Mr Larijani)
Fax: (00 98) 21 3390 4986
E-Mail: info@dadgostary-tehran.ir
(Betreff: FAO Javad Larijani)
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Herrn Alireza Sheikh Attar
Podbielskiallee 65-67, 14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: iran.botschaft@t-online.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 20. Mai 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.
RECOMMENDED ACTION: PLEASE SEND APPEALS TO ARRIVE AS QUICKLY AS POSSIBLE, IN PERSIAN, ARABIC, ENGLISH, FRENCH OR YOUR OWN LANGUAGE:
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calling on the authorities to release Maryam Rostampour and Marzieh Amirizadeh Esmaeilabad immediately and unconditionally, if they have been arrested solely on account of their religious beliefs, or to promptly charge them with a recognizably criminal offence and try them in fair proceedings;
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calling for them to be granted immediate and unconditional access to a lawyer; and any medical treatment they require;
- urging the Iranian authorities to ensure that they are not being tortured or ill-treated while in detention.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE, IN DENEN SIE
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die Behörden auffordern, Maryam Rostampour und Marzieh Amirizadeh Esmaeilabad unverzüglich und beding-ungslos freizulassen, wenn sie nur aufgrund ihrer religiösen Überzeugung festgenommen wurden, bzw. fordern, dass sie zügig wegen einer erkennbaren Straftat angeklagt werden und ein faires Gerichtsverfahren erhalten;
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fordern, dass sie sofort und bedingungslos Zugang zu ihren Familien, einer anwaltlichen Vertretung sowie jeg-licher eventuell benötigter medizinischer Versorgung erhalten;
- bei den iranischen Behörden darauf dringen, sicherzustellen, dass sie weder Folter noch anderer Misshandlung ausgesetzt sind.
Sachlage
Maryam Rostampour und Marzieh Amirizadeh Esmaeilabad hatten an religiösen Zusammenkünften teilgenommen und Bibeln ausgeteilt. Am 5. März wurde eine der beiden Frauen in das Ministerium für Nachrichtenwesen und Sicherheit zitiert, von wo aus man sie zu der gemeinsamen Wohnung der beiden Frauen brachte. Daraufhin wur-den beide am 5. März von Sicherheitskräften festgenommen. Ihre persönliche Habe sowie Computer und Bücher, darunter auch Bibeln, wurden konfisziert. Maryam Rostampour und Marzieh Amirizadeh Esmaeilabad wurden verhört und in mehreren Polizeistationen festgehalten, bevor sie am 18. März vor der 2. Abteilung des Revolutionsgerichts in Teheran erschienen. Daraufhin brachte man sie in das Evin-Gefängnis, wo sie seitdem festgehalten werden.
Maryam Rostampour und Marzieh Amirizadeh Esmaeilabad wurde kein Anwalt zur Seite gestellt. Sie durften jedoch bisher einmal pro Woche Besuch von ihren Familien erhalten und täglich ein einminütiges Telefonat führen. Den Familien wurde mitgeteilt, dass man die Frauen gegen eine Kaution von 400.000 US-Dollar freilassen würde, und dass sie des "Handelns gegen die staatliche Sicherheit" und "Mitwirkens an illegalen Zusammenkünften" beschuldigt werden. Die Familien haben die Eigentumsurkunden ihrer Häuser vorgelegt. Diese Art der Zahlung ist allerdings bis jetzt von den zuständigen Richtern nicht akzeptiert worden.
Hintergrundinformation
Obwohl das Christentum in Iran eine anerkannte Religion darstellt, werden evangelikale Christen, die zum Teil vom Islam übergetreten sind, häufig von den Behörden drangsaliert. Konvertiten können Inhaftierung, Übergriffe oder die Todesstrafe drohen. Die Konvertierung vom Islam (Apostasie) gilt nach islamischem Recht als verboten, welches die Tötung von Apostaten verlangt, sofern sie sich weigern, wieder zum Islam überzutreten. Das iranische Strafgesetzbuch sieht keine gesonderten Bestimmungen für Apostasie vor. Richter sind allerdings angewiesen, ihr Wissen über das islamische Recht zur Urteilsfindung in den Fällen anzuwenden, zu denen das Strafgesetzbuch keine spezifischen Regelungen enthält.
Gegenwärtig wird im Parlament über eine neue Version des iranischen Strafgesetzbuches entschieden, das für diejenigen, die als Apostaten angesehen werden, die Todesstrafe vorsieht.
Artikel 23 der iranischen Verfassung besagt: "Gegen niemanden darf wegen seines Glaubens ermittelt werden, und niemand darf belästigt oder getadelt werden, nur weil er einem bestimmten Glauben angehört". Artikel 18 (1) des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte, dem Iran als Vertragsstaat angehört, besagt: "Jedermann hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit. Dieses Recht umfasst die Freiheit, eine Religion oder eine Weltanschauung eigener Wahl zu haben oder anzunehmen, und die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Gottesdienst, Beachtung religiöser Bräuche, Ausübung und Unterricht zu bekunden".