In Haft:
MANIK, Taxifahrer
Getötet:
SHAHID, sein Bruder
In Bangladesch drohen einem jungen Mann Folter und die außergerichtliche Hinrichtung. Der 20-jährige Manik war am 8. März festgenommen worden, als er seinen Familienangehörigen die Stelle zeigte, an der sein älterer Bruder Shahid am 12. Februar getötet worden war. Berichten zufolge wurde Shahid von Angehörigen der Sicherheitskräfte erschossen.
Am 7. Februar wurde Manik zusammen mit seinem 25-jährigen Bruder Shahid von Männern in Zivil in einem Fahrzeug der Sondereinheit der Polizei Rapid Action Battalion (RAB) in Gewahrsam genommen. Die Festnahmen ereigneten sich nördlich der Stadt Dhaka in Asholia (Zentral-Bangladesch). Manik wurde noch am selben Tag aus der Haft entlassen, sein Bruder Shahid jedoch weiter festgehalten. Als sich die Familienangehörigen der Geschwister bei der Polizeiwache über den Verbleib Shahids erkundigten, bestritten die PolizeibeamtInnen, dass er sich jemals in ihrem Gewahrsam befunden habe.
Am 12. Februar hörten AnwohnerInnen im Dhakaer Stadtteil Bhashantek gegen fünf Uhr morgens Schüsse und beobachteten wie PolizeibeamtInnen und Angehörige der RAB Shahid wegtrugen. Die Mutter der Geschwister hastete daraufhin zum Krankenhaus der medizinischen Hochschule in Dhaka. Als sie dort eintraf, war ihr Sohn bereits seinen Schusswunden erlegen. Die Polizeibeamtinnen behaupteten, dass Shahid ein gefährlicher Krimineller gewesen und bei einem "Schusswechsel" mit der RAB getötet worden sei. Die Familie weist diese Behauptungen zurück. Ihnen zufolge befand sich Shahid in Polizeigewahrsam, als auf ihn geschossen wurde.
Angehörige der RAB wiesen die Familie an, über die Geschehnisse Stillschweigen zu bewahren. Als einziger Zeuge der Festnahme seines Bruders ist Manik besonderem Druck durch die Polizei ausgesetzt. Die Polizei hat ihn am 8. März erneut festgenommen, offenbar will sie damit die Familie dazu bringen, ihre Anweisung zu befolgen. Zudem soll Manik bei der zweiten Festnahme am 8. März von PolizeibeamtInnen geschlagen worden sein. Nähere Einzelheiten sind hierzu allerdings nicht bekannt.
Derzeit wird Manik im Zentralgefängnis von Dhaka festgehalten; allerdings ist es wahrscheinlich, dass er bald MitarbeiterInnen der RAB übergeben werden wird. Dort würde ihm Folter und möglicherweise auch die außergerichtliche Hinrichtung drohen.
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
STAATSSEKRETÄR IM INNENMINISTERIUM
Abdus Sobhan Sikder
Ministry of Home Affairs
Dhaka - 1000
BANGLADESCH
(korrekte Anrede: Dear Home Secretary)
Fax: (00 88) 02 716 4788
E-Mail: sobhansikder@yahoo.com
INNENMINISTER
Advocate Shahara Khatun
Ministry of Home Affairs
Bangladesh Secretariat
Dhaka - 1000
BANGLADESCH
(korrekte Anrede: Dear Home Minister)
Fax: (00 88) 02 7169 667 oder
(00 88) 02 7171 611
KOPIEN AN
POLIZEIPRÄSIDENT
Hassan Mahmood Khandker
Police Headquarters
Pheonix Road
Dhaka - 1000
BANGLADESCH
Fax: (00 88) 02 712 5840
E-Mail: ig@police.gov.bd
Botschaft der Volksrepublik Bangladesch
S.E. Herrn Mosud Mannan
Dovestraße 1, 5. Etage
10587 Berlin
Fax: 030-3989 7510
E-Mail: info@bangladeshembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 26. April 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.
Am Tag der Festnahme der beiden Brüder, dem 7. Februar, hatte Manik, der als Taxifahrer arbeitet, von seiner Mutter, einer Hausangestellten, 500 Taka (etwa 5 Euro) erhalten, die er seinem Bruder geben wollte. Als sich die beiden Brüder in Asholia trafen und Manik Shahid gerade das Geld geben wollte, näherten sich ihnen drei Männer in Zivil. Die Brüder versuchten wegzulaufen, wurden aber von den Männern daran gehindert und in ein Auto gestoßen. In dem Fahrzeug sah Manik eine Kennzeichnung auf der "RAB-4" zu lesen war.
Den Brüdern wurden die Augen verbunden und man befahl ihnen, nicht miteinander zu sprechen. Nach etwa zehn Stunden wurde Shahid weggebracht. Zu Manik sagten die Männer, dass sein älterer Bruder freigelassen werden würde. Manik selbst brachten sie zu einer nahegelegenen Polizeiwache, wo die Männer die dortigen PolizeibeamtInnen zunächst aufforderten, eine Anzeige gegen ihn aufzunehmen, anschließend ihre Meinung jedoch änderten und mit Manik in eine verlassene Gegend fuhren. Dort befahlen sie ihm, auszusteigen und seine Augenbinde nicht zu entfernen. Manik blieb dort, bis einige PassantInnen ihm halfen, nach Hause zurückzukehren.
Nachdem er seiner Familie von den Geschehnissen berichtet hatte, gingen die Familienmitglieder der beiden Brüder zu der Polizeiwache. Die PolizeibeamtInnen bestritten, dass er sich jemals in ihrem Gewahrsam befunden hatte. Bis zum 12. Februar wusste die Familie nicht, wo sich Shahid aufhielt.
Die RAB ist eine im Jahr 2004 gegründete Einheit zur Bekämpfung von Kriminalität und Terrorismus, die sich aus Militärangehörigen und PolizeibeamtInnen zusammensetzt. Seit ihrer Gründung wurden über 600 Menschen bei Einsätzen der RAB getötet. Ein Großteil der Personen starb im Gewahrsam der RAB. Die Behörden berichten allerdings regelmäßig, dass die Betroffenen bei "Kreuzfeuern", "Schusswechseln" mit der Polizei oder "Schießereien" getötet worden seien.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY