Menschenrechtlerin in Gefahr
MOVICE-Demonstration in Nordkolumbien, 2009.
© MOVICE
Am 23. Januar wurde Blanca Nubia Díaz in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá Opfer eines Entführungsversuchs. Sie setzt sich für die Aufklärung der Vergewaltigung und Tötung ihrer Tochter Irina del Carmen Villero Díaz ein. Die Tat war von Paramilitärs begangen worden.
Appell an
PRÄSIDENT
Señor Juan Manuel Santos
Palacio de Nariño, Carrera 8, No. 7-26
Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Excmo. Sr. Presidente Santos / Sehr geehrter Herr Präsident / Dear President Santos)
Fax: (00 57) 1 596 0631
GENERALSTAATSANWÄLTIN
Señora Viviane Morales
Fiscalía General de la Nación
Diagonal 22B (Av. Luis Carlos Galán No. 52-01)
Bloque C, Piso 4, Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Estimada Sra. Fiscal General / Sehr geehrte Frau Generalstaatsanwältin / Dear Attorney General)
Fax: (00 57) 1 570 -2000 oder -2023
Sende eine Kopie an
MENSCHENRECHTSORGANISATION
MOVICE
Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado
Carrera 5, No. 16-14
Oficina 807
Bogotá
KOLUMBIEN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S.E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 8. März 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Ich bin sehr besorgt um die Sicherheit von Blanca Nubia Díaz und ihrer Familie sowie die von Irene López Garzón und anderen Mitgliedern von MOVICE und bitte Sie daher dringend, in enger Absprache mit den Betroffenen Maßnahmen zur Gewährleistung ihrer Sicherheit einzuleiten.
-
Ich fordere Sie auf, eine umfassende und unparteiische Untersuchung der versuchten Entführung von Blanca Nubia Díaz und der Drohungen gegen Blanca Nubia Díaz, ihre Familie und Irene López Garzón sowie auch im Fall der Vergewaltigung, Folterung und Tötung von Irina del Carmen Villero Díaz einzuleiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
-
Ich fordere Sie außerdem auf, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um die paramilitärischen Gruppen in der Region aufzulösen und ihre Verbindungen mit den Sicherheitskräften zu unterbinden, gemäß den Selbstverpflichtungen der Regierung und wie es die UN und andere zwischenstaatliche Organisationen wiederholt empfohlen haben.
- Befassen Sie sich bitte mit den Empfehlungen und Folgerungen internationaler und regionaler Mechanismen zum Schutz der Rechte von Frauen und zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen und handeln Sie dementsprechend.
Sachlage
Am 23. Januar bemerkte Blanca Nubia Díaz, wie ihr in Bogotá am hellichten Tag ein Auto folgte. Eine Frau stieg aus dem Wagen aus und sagte zu ihr, dass "Doktor Irene" sie geschickt und angewiesen habe, sie mitzunehmen. Blanca Nubia Díaz gab zur Antwort, dass sie diese Person nicht kenne; die Frau bestand jedoch weiterhin darauf, dass Blanca Nubia Díaz in das Auto einsteigen solle und sagte: "Steigen Sie ein, natürlich kennen Sie sie, sie vertritt doch Ihren Fall" (Súbase, cómo no la va a conocer si ella lleva su caso). Blanca Nubia Díaz wurde noch einige Male aufgefordert, in den Wagen einzusteigen, und die Frau versuchte zudem, sie mit Gewalt in das Auto zu zerren. Als Blanca Nubia Díaz nach Hilfe rief, fuhr das Auto schließlich davon.
Blanca Nubia Díaz ist Mitglied der Nationalen Bewegung für Opfer von staatlichen Verbrechen (Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado – MOVICE). Sie setzt sich für Gerechtigkeit im Fall ihrer Tochter Irina del Carmen Villero Díaz ein, die von Paramilitärs mit Unterstützung der Sicherheitskräfte gefoltert, vergewaltigt und getötet wurde. Dies geschah im Mai 2001 in der Gemeinde Albania im Departamento La Guajira. Blanca Nubia Díaz zeigte die Tötung ihrer Tochter damals bei der örtlichen Vertretung der Generalstaatsanwaltschaft in Maicao (Departamento La Guajira) an. Lange Zeit gab es jedoch keine Fortschritte in dem Fall, bis das Verfassungsgericht im Jahr 2008 die Behörden aufforderte, mehr als 180 an Frauen und Mädchen begangene Sexualverbrechen zu untersuchen, darunter auch den Fall von Irina del Carmen Villero Díaz.
Die Anwältin von Blanca Nubia Díaz, Irene López Garzón (gleichzeitig führendes Mitglied der Menschenrechtsorganisation Corporación Jurídica Yira Castro – eine Nichtregierungsorganisation, die zu MOVICE gehört), sagte, dass sie niemanden geschickt habe, um Blanca Nubia Díaz abzuholen. Irene López Garzón ist in der Vergangenheit ebenfalls wiederholt mit dem Tod bedroht worden, weil sie sich für ein Ende der Straffreiheit einsetzt.
MOVICE ist ein Zusammenschluss von verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen und setzt sich für Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen in Kolumbiens lang anhaltendem bewaffneten Konflikt ein. Mitglieder verschiedener MOVICE-Gruppen im ganzen Land werden regelmäßig bedroht und eingeschüchtert.
[EMPFOHLENE AKTIONEN]
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Ich bin sehr besorgt um die Sicherheit von Blanca Nubia Díaz und ihrer Familie sowie die von Irene López Garzón und anderen Mitgliedern von MOVICE und bitte Sie daher dringend, in enger Absprache mit den Betroffenen Maßnahmen zur Gewährleistung ihrer Sicherheit einzuleiten.
-
Ich fordere Sie auf, eine umfassende und unparteiische Untersuchung der versuchten Entführung von Blanca Nubia Díaz und der Drohungen gegen Blanca Nubia Díaz, ihre Familie und Irene López Garzón sowie auch im Fall der Vergewaltigung, Folterung und Tötung von Irina del Carmen Villero Díaz einzuleiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
-
Ich fordere Sie außerdem auf, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um die paramilitärischen Gruppen in der Region aufzulösen und ihre Verbindungen mit den Sicherheitskräften zu unterbinden, gemäß den Selbstverpflichtungen der Regierung und wie es die UN und andere zwischenstaatliche Organisationen wiederholt empfohlen haben.
- Befassen Sie sich bitte mit den Empfehlungen und Folgerungen internationaler und regionaler Mechanismen zum Schutz der Rechte von Frauen und zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen und handeln Sie dementsprechend.
[APPELLE AN]
PRÄSIDENT
Señor Juan Manuel Santos
Palacio de Nariño, Carrera 8, No. 7-26
Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Excmo. Sr. Presidente Santos / Sehr geehrter Herr Präsident / Dear President Santos)
Fax: (00 57) 1 596 0631
GENERALSTAATSANWÄLTIN
Señora Viviane Morales
Fiscalía General de la Nación
Diagonal 22B (Av. Luis Carlos Galán No. 52-01)
Bloque C, Piso 4, Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Estimada Sra. Fiscal General / Sehr geehrte Frau Generalstaatsanwältin / Dear Attorney General)
Fax: (00 57) 1 570 -2000 oder -2023
KOPIEN AN
MENSCHENRECHTSORGANISATION
MOVICE
Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado
Carrera 5, No. 16-14
Oficina 807
Bogotá
KOLUMBIEN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S.E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 8. März 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.
Hintergrundinformation
In Kolumbiens internem bewaffneten Konflikt, der nun schon seit 45 Jahren anhält, stehen Sicherheitskräfte und Paramilitärs einer Reihe von Guerillagruppierungen gegenüber. Alle Konfliktparteien begehen routinemäßig schwere Verbrechen gegen das Völkerrecht und Menschenrechtsverletzungen, einschließlich systematischer sexueller Übergriffe auf Frauen und Mädchen. Viele dieser Vergehen sind als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzustufen. Dennoch haben die kolumbianischen Behörden bisher keine wirksamen Schritte unternommen, um diese im Rahmen des Konflikts begangenen Gewalttaten gegen Frauen zu beenden und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen. Die meisten Opfer und ihre Angehörigen sehen aufgrund mangelnder Schutzmaßnahmen von einer Anzeige solcher Übergriffe ab. ZeugInnen, Familien der Opfer, StrafverfolgerInnen, AnwältInnen und RichterInnen, die an der Untersuchung von Menschenrechtsverstößen beteiligt sind, wurden in der Vergangenheit ebenfalls häufig überwacht, bedroht oder getötet.
Die paramilitärischen Gruppierungen in Kolumbien sind angeblich im Rahmen des von der Regierung finanzierten Demobilisierungsprozesses, der im Jahr 2003 begann, aufgelöst worden. Diese Gruppen operieren aber nach wie vor und begehen weiterhin schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen an MenschenrechtsverteidigerInnen und anderen Zivilpersonen. Manchmal geschieht dies sogar in geheimer Absprache mit den Sicherheitskräften oder mit deren Einverständnis.
Am 26. März 2001 wurde Irina del Carmen Villero Díaz im zur Gemeinde Albania gehörenden Dorf Cuestecitas von Paramilitärs gefoltert, vergewaltigt und getötet. Irina del Carmen Villero Díaz war Angehörige der indigenen Gemeinschaft der Wayúu im Departamento La Guajira und zum Tatzeitpunkt 15 Jahre alt. Als Blanca Nubia Díaz versuchte, ihre Tochter zu finden, sagte man ihr, dass bei dem Übergriff mehrere Frauen getötet worden waren. Blanca Nubia Díaz konnte herausfinden, wo sich der Leichnam ihrer Tochter befand, wurde jedoch durch Drohungen von Paramilitärs aus dem Departamento La Guajira vertrieben. Irina del Carmen Villero Díaz wurde daraufhin als unbekannte Person beerdigt, und Blanca Nubia Díaz konnte erst 2010 den Leichnam ihrer Tochter zurückfordern. Im August 2010 erhielt Irina del Carmen Villero Díaz ein Begräbnis nach der Art der indigenen Gemeinschaft der Wayúu. Die Ermittlungen der Vergewaltigung, Folter und Tötung treten seit über einem Jahrzehnt auf der Stelle.
Blanca Nubia Díaz und ihre Familie sind wiederholt bedroht worden. Am 28. Juli 2011 traten zwei Männer in Bogotá an den Enkelsohn von Blanca Nubia Díaz heran und sagten: "Wir kennen deine Mutter, und wir kennen deine Großmutter Blanca Nubia und wissen, was sie tut und mit wem sie sich abgibt..." (Nosotros conocemos a su mama, y sabemos de su abuelita Blanca Nubia, que hace y con quienes anda).