GAO ZHISHENG (m), 48-jähriger Rechtsanwalt
Der Pekinger Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng, der seit November 2007 unter Hausarrest steht, wurde am oder nach dem 19. Januar 2009 in Gewahrsam genommen. Er wird ohne Kontakt zur Außenwelt an einem unbekannten Ort festgehalten. Da er bereits früher sehr schlecht behandelt wurde, ist er in großer Gefahr, gefoltert oder in anderer Weise misshandelt zu werden. Während des Hausarrests wurde er häufig von den Wachen gedemütigt. So zwang man ihn beispielsweise Essen zu sich zu nehmen, das zuvor auf den Boden geworfen worden war.
Gao Zhigsheng ist einer der bekanntesten Menschenrechtsanwälte Chinas und unterhielt bis 2005 eine eigene Kanzlei, dann entzogen ihm die Behörden die Anwaltslizenz und stellten die Geschäfte seiner Firma ein. Er vertrat MenschenrechtsverteidigerInnen und Falun Gong-AnhängerInnen und bearbeitete Todesstrafenfälle. Das Justizministerium erklärte ihn 2001 zu "einem der zehn Topanwälte des Landes", da er unentgeltlich gearbeitet hatte.
2005 schrieb Gao Zhisheng mehrere offene Briefe an den Präsidenten Hu Jintao und den Ministerpräsidenten Wen Jiabao, in denen er sie drängte, die Verfolgung von Angehörigen religiöser Gemeinschaften und pro-Demokratie-AktivistInnen einzustellen. Im Februar 2006 organisierte er eine Hungerstreikkampagne, um größere Aufmerksamkeit auf die Verfolgung friedlicher AktivistInnen in China zu lenken. Man befand ihn aufgrund dieser Aktion im Dezember 2006 der "Anstiftung zur Subversion" schuldig. Ungewöhnlicherweise wurde seine dreijährige Haftstrafe fünf Jahre lang ausgesetzt. Er durfte nach Hause zurückkehren, doch er und seine Familie werden seither überwacht.
Gao Zhisheng berichtete Bekannten später, dass er sehr schlecht behandelt wurde, als er 2006 in Haft war. Er gab an, dass man ihm Handschellen angelegt hatte und ihn über vier Tage lang auf einem Eisenstuhl oder im Schneidersitz sitzen ließ und dass man helles Licht auf seine Augen richtete.
Gao Zhisheng wurde am 22. September 2007 erneut aus seinem Haus geholt und verhaftet, nachdem er einen Brief an den US-Kongress veröffentlicht hatte, in dem er auf die sich verschlechternde Menschenrechtslage in China aufmerksam machte. Daraufhin hielt man ihn sechs Wochen lang ohne Kontakt zur Außenwelt fest. Er sagte später aus, dass eine Gruppe von PolizistInnen in Zivil am Tag seiner Verhaftung zu ihm nach Hause gekommen sei, ihn ausgezogen und dann bewusstlos geschlagen habe. Während dieser Haftzeit schlug man ihn, quälte ihn wiederholt an den Genitalien mit Elektroschocks. Man hielt brennende Zigaretten stundenlang so nah vor seine Augen, dass er dadurch mehrere Tage lang teilerblindet war. Nach seiner Freilassung beschrieben ihn Bekannte als einen seelisch und körperlich "gebrochenen Mann".
MenschenrechtsverteidigerInnen, die in China über Menschenrechtsverletzungen zu berichten versuchen oder Themen aufgreifen, die die Behörden als politisch brisant ansehen, oder die versuchen, andere von ihrer Sache zu überzeugen, droht missbräuchliche Behandlung. Viele werden nach politisch motivierten Verfahren zu gewaltlosen politischen Gefangenen. Auch werden immer mehr Personen unter Hausarrest gestellt, wobei die Polizei sie in aufdringlicher Weise überwacht und Wachen vor ihren Türen postiert. Die Familienangehörigen von MenschenrechtsaktivistInnen, darunter auch Kinder, werden zunehmend Ziel der Behörden, so werden sie zum Beispiel langfristig unter Hausarrest gestellt.
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