Frauenrechtlerin misshandelt

Faranak Farid

Faranak Farid

Faranak Farid wurde am 3. September 2011 in der im Nordwesten des Iran gelegenen Stadt Tabriz festgenommen. Dort fanden zu jenem Zeitpunkt Demonstrationen statt, die sich gegen die Trockenlegung des in den iranischen Provinzen Ost- und Westaserbaidschan gelegenen Oroumieh-Sees richteten. Faranak Farid wurde nach vorliegenden Meldungen in der Haft geschlagen und auf andere Weise misshandelt.

Appell an:

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Sadegh Larijani
(care of) Public relations Office
Number 4, 2 Azizi Street –
Vali Asr Ave., above Pasteur Street intersection
Tehran, IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
E-Mail: bia.judi@yahoo.com (Betreff: FAO Ayatollah Sadegh Larijani)

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT DER PROVINZ OST-ASERBAIDSCHAN
Hojjatoleslam Sharifi, Judiciary of East Azerbaijan
Central Complex, Beginning o Vali-Asr Hill,
Tabriz, Eastt Azerbeijan 5157733135, IRAN
(korrekte Anrede: Dear Sir / Sehr geehrter Herr Sharifi)
Fax: 00 98411 33201 109

Sende eine Kopie an:

LEITER DER STAATLICHEN MENSCHENRECHTSBEHÖRDE
Mohammad Javad Larijani
High Council for Human Rights
c/o Office of the Head of the Judiciary
Pasteur St, Vali Asr Ave., south of Serah-e Jomhouri, Tehran 1316814737, IRAN
(korrekte Anrede: Dear Sir / Sehr geehrter Herr Larijani)
E-Mail: info@humanrights-iran.ir
(Betreff: FAO Mohammad Javad Larijani)

BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Herrn Alireza Sheikh Attar
Podbielskiallee 65-67, 14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: iran.botschaft@t-online.de oder info@iranbotschaft.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 25. Oktober 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Faranak Farid scheint nur deshalb in Haft genommen worden zu sein, weil sie ihre Menschenrechte in legitimer Weise wahrgenommen hat. In diesem Fall bitte ich um ihre unverzügliche und bedingungslose Freilassung.

  • Ich fordere Sie auf, unverzüglich unabhängige Ermittlungen zur Aufklärung von Vorwürfen einzuleiten, denen zufolge Faranak Farid in der Haft gefoltert und misshandelt worden ist. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, müssen die dafür Verantwortlichen vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werden

  • Sorgen Sie bitte dafür, dass Faranak Farid unverzüglich Zugang zu einem unabhängigen Arzt erhält und notwendige medizinische Betreuung erfährt.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Express concern that Faranak Faris appears to be a prisoner of conscience detained solely for the legitimate exercise of her human rights, in which case she should be released immediately and unconditionally;

  • Urge the Iranian authorities to conduct an immediate independent investigation into her reported torture and other ill-treatment and bring to justice any officials found responsible;

  • Call for Faranak Farid to be given immediate access to an independent doctor and all necessary medical care.

Sachlage

Die 50-jährige Journalistin und Frauenrechtlerin Faranak Farid wurde am 3. September 2011 in Tabriz von zivil gekleideten Männern festgenommen. Ihre Verhaftung steht offenbar mit Protesten in Zusammenhang, die im April 2011 ausgebrochen waren und mit der Forderung an die iranischen Behörden einhergehen, an Flüssen zum Oroumieh-See errichtete Staudämme wieder zu entfernen. Der See droht durch die Staudämme auszutrocknen. Faranak Farid wurde ohne Anklageerhebung inhaftiert. Ihre Wohnung wurde durchsucht, ob dabei Gegenstände beschlagnahmt wurden, ist nicht bekannt. Während der Festnahme soll Faranak Farid tätlich bedroht und derart brutal geschlagen worden sein, dass sie seitdem einen Arm nicht mehr bewegen kann. Außerdem war ihr Hörvermögen auf dem linken Ohr zumindest zeitweilig nicht mehr gegeben.

Faranak Farid wurde in einem Haftzentrum in Tabriz mehrere Stunden lang verhört und schließlich gezwungen, ein Schriftstück zu unterschreiben. Da man ihr die Brille abgenommen hatte, konnte sie das zu unterzeichnende Dokuments nicht lesen. Anschließend wurde Faranak Farid einem Richter vorgeführt, der ihre einstweilige Inhaftierung für zunächst zehn Tage anordnete. Anscheinend legt man ihr „Beleidigung des Religionsführers“, „Propaganda gegen das System“ und „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ zur Last.

Faranak Farid hat darum gebeten, ärztlich behandelt zu werden. Dies ist ihr jedoch bislang anscheinend verwehrt worden, was Befürchtungen um ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen verstärkt.

Derzeit wird Faranak Farid im Frauentrakt des Zentralgefängnisses von Tabriz in Haft gehalten. Ihre Schwester durfte sie dort am 12. September für 45 Minuten besuchen. Ein mit der Vertretung der Interessen von Faranak Farid betrauter unabhängiger Rechtsanwalt hat dagegen noch keinen Zugang zu ihr erhalten.

[EMPFOHLENE AKTIONEN]

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Faranak Farid scheint nur deshalb in Haft genommen worden zu sein, weil sie ihre Menschenrechte in legitimer Weise wahrgenommen hat. In diesem Fall bitte ich um ihre unverzügliche und bedingungslose Freilassung.

  • Ich fordere Sie auf, unverzüglich unabhängige Ermittlungen zur Aufklärung von Vorwürfen einzuleiten, denen zufolge Faranak Farid in der Haft gefoltert und misshandelt worden ist. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, müssen die dafür Verantwortlichen vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werden

  • Sorgen Sie bitte dafür, dass Faranak Farid unverzüglich Zugang zu einem unabhängigen Arzt erhält und notwendige medizinische Betreuung erfährt.

[APPELLE AN]

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Sadegh Larijani
(care of) Public relations Office
Number 4, 2 Azizi Street –
Vali Asr Ave., above Pasteur Street intersection
Tehran, IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
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Fax: 00 98411 33201 109

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c/o Office of the Head of the Judiciary
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(korrekte Anrede: Dear Sir / Sehr geehrter Herr Larijani)
E-Mail: info@humanrights-iran.ir
(Betreff: FAO Mohammad Javad Larijani)

BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Herrn Alireza Sheikh Attar
Podbielskiallee 65-67, 14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: iran.botschaft@t-online.de oder info@iranbotschaft.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 25. Oktober 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Faranak Farid, die der aserbaidschanischen Minderheit in Iran angehört, engagiert sich zugunsten der Kampagne Eine Million Unterschriften, bekannt auch als Kampagne für Gleichberechtigung. Sie ist Schriftstellerin, Übersetzerin und Herausgeberin des verbotenen Monatsmagazins Dilmaj. Im Jahr 2008 wurde Faranak Farid vom Geheimdienstministerium vorgeladen und zu einer Frauenkonferenz in der Türkei befragt, an der sie teilnehmen wollte.

Fereshteh Shirazi, ein weiteres Mitglied der Kampagne Eine Million Unterschriften, wurde am 4. September 2011 in der im Norden von Iran gelegenen Stadt Amol im Zusammenhang mit seit 2009 gegen sie anhängigen Anklagen festgenommen. Die Anklagen waren wegen ihres frauenrechtlichen Engagements und wegen von ihr verfasster Schriften erhoben worden. Der derzeitige Haftort von Fereshteh Shirazi ist das Gefängnis in Amol, wo sie weder Besuche empfangen noch Telefonate führen darf.

Die 2006 gestartete Kampagne "Eine Million Unterschriften", auch als "Kampagne für Gleichberechtigung" bekannt, ist eine basisdemokratische Initiative, die aus einem Netzwerk engagierter Menschen besteht, die sich für ein Ende der Diskriminierung der Frau im iranischen Recht einsetzen. Im Rahmen der Kampagne werden freiwillige Helferinnen in Rechtsfragen geschult. Diese reisen dann durch das Land und werben für die Kampagne. Sie sprechen mit Frauen bei ihnen zuhause und an öffentlichen Orten über ihre Rechte und die Notwendigkeit rechtlicher Reformen. Die Freiwilligen zielen auch darauf ab, eine Million Unterschriften von iranischen Staatsangehörigen zu sammeln, um mit dieser Petition das Ende der rechtlichen Diskriminierung von Frauen im Iran zu fordern. Zahlreiche AktivistInnen wurden wegen ihres Engagements für die Kampagne für Gleichberechtigung festgenommen oder drangsaliert, manche während sie Unterschriften für die Petition sammelten. Mehrere Personen befinden sich aufgrund ihres Engagement im Rahmen der Kampagne derzeit in Haft.

Aus Aserbaidschan stammende IranerInnen sprechen eine der Turksprachen und gehören mehrheitlich der schiitischen Glaubensgemeinschaft an. Mit einem Anteil an der Bevölkerung von 25 bis 30 Prozent stellen sie die größte Minderheit in Iran dar. Sie leben mehrheitlich im Norden und Nordwesten des Landes sowie in der Hauptstadt Teheran. Im Allgemeinen sind sie gut in die iranische Gesellschaft integriert, haben jedoch in den vergangenen Jahren verstärkt größere kulturelle und sprachliche Rechte eingefordert. Unter anderem setzen sie sich für ihr Recht auf Unterricht in der aserbaidschanisch-türkischen Sprache ein.

Der See Oroumieh (auch Urmia, Urumieh oder Oroumiye genannt) ist ein Salzsee im Nordwesten des Iran zwischen den Provinzen Ost- und West-Aserbaidschan. Er ist das größte Binnenmeer im Nahen Osten und der drittgrößte Salzwassersee weltweit. In den See münden 13 Flüsse ein, an denen entlang mehr als 40 Dämme errichtet worden sind. Die jüngste im Jahr 1999 einsetzende Dürreperiode hat den Wasserzufluss zum See erheblich verringert und damit den Salzgehalt des Wassers ansteigen lassen. Diese Entwicklung hat Befürchtungen um eine heraufziehende ökologische Katastrophe in der Region aufkommen lassen.

Anfang April 2011 fanden in Tabriz, Oroumieh und wohl auch anderen Städten mit einem Bevölkerungsanteil von AserbaidschanerInnen Demonstrationen mit dem Aufruf an die iranischen Behörden statt, Dämme an Flüssen zu entfernen, die in den See Oroumieh münden. Anderenfalls drohe der See auszutrocknen. Ähnlich wie bei Protestveranstaltungen früherer Jahre trugen die TeilnehmerInnen mit Wasser gefüllte Gläser bei sich, die sie in Zuflüsse zum See oder direkt in den See schütteten (siehe UA-102/2011). Zwischen dem 22. August und dem 8. September 2011 kam es erneut zu weitgehend friedlichen Protesten, gegen die die Sicherheitskräfte Berichten zufolge mit unverhältnismäßiger Gewalt vorgingen. Unbestätigte Meldungen legen die Vermutung nahe, dass mehrere DemonstrantInnen getötet worden sein könnten.