Gewalt gegen LGBTI befürchtet

Regenbogenfahne

Regenbogenfahne

Religiöse Gruppen haben für Dienstag, den 6. August, in der Stadt Les Cayes zu einer weiteren Demonstration gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle (LGBTI) aufgerufen. Seit dem 19. Juli haben in Haiti bereits zwei Protestveranstaltungen gegen Homosexuelle stattgefunden.

Appell an:

POLIZEIDIREKTOR
Godson Orélus
Directeur Général de la PNH
Police Nationale d’Haiti
Port-au-Prince, HAITI
(Anrede: Monsieur le directeur / Dear Director / Sehr geehrter Herr Polizeidirektor)
E-Mail: godore68@hotmail.com

MINISTERIUM FÜR JUSTIZ UND ÖFFENTLICHE SICHERHEIT
Jean Renal Sanon
Ministre de la Justice et de la Sécurité publique
18 avenue Charles Summer
Port-au-Prince, HAITI
(Anrede: Monsieur le Ministre/ Dear Minister/ Sehr geehrter Herr Minister)
E-Mail: secretariat.mjsp@yahoo.com

Sende eine Kopie an:

NICHTREGIERUNGSORGANISATION
Kouraj
E-Mail: info@kouraj.org

BOTSCHAFT DER REPUBLIK HAITI
Herrn Pierre M. Kerby Lacarriere
Geschäftsträger a.i., Gesandter-Botschaftsrat
Uhlandstraße 14
10623 Berlin
Fax: 030-8862 4279
E-Mail: amb.allemagne@diplomatie.ht

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, so dass sie noch vor dem 6. August 2013 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Haitianischen Kreolisch, Französisch, Englisch oder auf Deutsch.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Führen Sie bitte eine unabhängige, umfassende und unparteiische Untersuchung der jüngsten Berichte über homophobe Gewalt durch. Sorgen Sie bitte dafür, dass die Ergebnisse veröffentlicht und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.

  • Ich begrüße die öffentliche Stellungnahme der Regierung und möchte Sie daran erinnern, dass die Rechte auf Meinungs- und Demonstrationsfreiheit für alle BürgerInnen gelten, diese Rechte jedoch friedlich ausgeübt werden müssen.

  • Ich fordere Sie hiermit höflich auf, LGBTI oder Menschen, die als solche betrachtet werden, im Kontext der für den 6. August geplanten Demonstration in Les Cayes angemessen zu schützen.

  • Ich möchte Sie daran erinnern, dass MenschenrechtsverteidigerInnen das Recht haben, ihrer Arbeit ohne ungerechtfertigte Einschränkungen oder Furcht vor Vergeltungsmaßnahmen nachzugehen, wie in der UN-Erklärung zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen festgelegt.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to order an independent, thorough and impartial investigation into all the recent allegations of homophobic violence, publish the results and bring those responsible to justice.

  • Welcoming the government's public stance, and reminding them that although everyone has the right to free speech and freedom to demonstrate, these rights must be exercised peacefully.

  • Urging the authorities to take immediate steps to fully provide appropriate protection for LGBTI people, or those who might be perceived as LGBTI, around the march planned for 6 August in Les Cayes.

  • Reminding them that human rights defenders have a right to carry out their activities without any unfair restrictions or fear of reprisals, as set out in the UN Declaration on Human Rights Defenders.

Sachlage

Weiter auf Englisch: More than a thousand people demonstrated against homosexuality and same-sex marriage at two different marches in Haiti. The first demonstration took place in the capital, Port-au-Prince, on 19 July. The demonstration was organised by the Coalition of Religious and Moral Organizations (Coalition haïtienne des organisations religieuses et morales). A second one was held in the city of Jacmel, in the south of the country, on 28 July.

Local human rights organisations have stated that during and after the first march on 19 July, acts of violence and aggression against persons perceived as being lesbian, gay, bisexual, transgender or intersex (LGBTI) were reported (see UAs AMR 36/014/2013 and AMR 36/015/2013). In a statement published on 30 July, the Inter-American Commission on Human Rights referred to 47 cases of violence and aggression [against] LGTBI persons or perceived as such, including attacks with knives, machetes, cement blocks, rocks, and sticks between 17 and 24 July.
Haitian LGBTI rights activists have reported that a new march has now been called by religious leaders to take place in the city of Les Cayes, in the south of the country, on 6 August. Even though no acts of violence against those perceived as LGBTI were reported following the 28 July march, risks for the safety of LGBTI people remain, especially considering that many fled the capital Port-au-Prince for the countryside in fear for their safety after the first march.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Kouraj (Haitianisches Kreolisch für „courage“ - Mut) wurde 2009 unter dem Namen „Amis-Amis“ (Freunde-Freunde) gegründet und im Dezember 2011 in Kouraj umbenannt. Es handelt sich um AktivistInnen, „die sich für die Förderung der Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern (LGBT)“ (auf haitianischem Kreolisch bekannt als M for Masisi, Madivin, Makomer oder Mix) auf Haiti einsetzen und ein öffentliches Bewusstsein für die Diskriminierung und die Stigmatisierung ihrer Gemeinschaft schaffen wollen. AktivistInnen von Kouraj berichteten Amnesty International, wie sich die Situation von LGBTI-Menschen seit dem Erdbeben am 12. Januar 2010 verschlechtert hat, besonders dadurch, dass viele religiöse Gruppen aus Nordamerika nach Haiti gekommen sind. Viele dieser religiösen Gruppen nennen Homosexualität auf Haiti als einen der Gründe für das Erdbeben und den Ursprung der Probleme des Landes.

Nach dem Erdbeben im Jahre 2010 wurden 2,3 Millionen HaitianerInnen obdachlos und hatten keine andere Alternative, als sich selber Unterkünfte zu errichten, wo sie nur konnten. Laut Kouraj waren LGBTI oder Personen, die als solche betrachtet wurden, in den Flüchtlingslagern oft Opfer von Diskriminierung. Viele Flüchtlinge mussten sogar an Orte fliehen, in denen sie noch mehr gefährdet waren.

Nach dem Aufruf vom 26. Juni zu der Demonstration am 19. Juli erhielten Kouraj-AktivistInnen Drohungen per Telefon, über Facebook und in ihrem Büro in Port-au-Prince. Sie beschlossen, das Büro aufgrund der Drohungen zu schließen. Einige der Drohungen richten sich gegen Charlot Jeudy, den Vorsitzenden von Kouraj. Eine der Aussagen auf den Flugblättern, die in den Räumlichkeiten der Organisation hinterlassen wurden, lautete „Wenn Charlot nicht den Mund hält, werden wir dafür sorgen, dass er still bleibt“ (si Charlot ne ferme pas sa gueule, on va lui fermer“ [sic]).

Demonstrierenden, angeführt von ReligionsvertreterInnen, protestierten am 19. Juli gegen die Verabschiedung eines Gesetzes, das die gleichgeschlechtliche Ehe in Haiti bewilligt, obwohl es in dem Land ein derartiges Vorhaben gar nicht gibt. Ein Korrespondent von Radio France Internationale berichtete, während des Protestzugs verbal von Demonstrierenden bedroht worden zu sein, als er über das Ereignis berichtete.

Schlagworte

Haiti Urgent Action