Drohende Zwangsräumung

Haiti

Haiti

Ein Mann, der geltend macht, einen Teil des Grundstücks zu besitzen, auf dem das Lager „Acra et Adoquin Delmas 33“, kam am 13. April zusammen mit einem Friedensrichter und etwa fünf PolizeibeamtInnen in das Notlager. Er kündigte den LagerbewohnerInnen in der Gemeinde Delmas der Hauptstadt Port-au-Prince an, dass sie das Lager verlassen müssten und er sie mit allen erforderlichen Mitteln vertreiben würde. Als er Schüsse in die Luft abfeuerte, begannen einige BewohnerInnen Steine zu werfen, woraufhin er den PolizeibeamtInnen anordnete, zwei von ihnen festzunehmen. Ihnen wurden Handschellen angelegt, doch gelang es den anderen BewohnerInnen bald, die Freilassung der beiden Personen zu erreichen.

Appell an:

PRÄSIDENT
Michel Joseph Martelly
Palais National
Rue Magny, Port-au-Prince
HAITI
(Anrede: Monsieur le Président / Dear President / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (001) 202-745-7215 (über haitianische
Botschaft in den USA)
E-Mail: communications@presidentmartelly.ht

POLIZEICHEF
Godson Orélus
Directeur Général de la PNH
Police Nationale d’Haiti
Port-au-Prince
HAITI
(Anrede: Monsieur le directeur / Dear Director / Sehr geehrter Herr Generaldirektor)
E-Mail: godore68@hotmail.com

Sende eine Kopie an:

BÜRGERMEISTER VON DELMAS
Wilson Jeudy
Mairie de Delmas
Delmas,
HAITI
(Anrede: Monsieur le maire / Dear Mayor / Sehr geehrter Bürgermeister)
E-Mail: wilsonjeudy@yahoo.fr

BOTSCHAFT DER REPUBLIK HAITI
Herrn Pierre M. Kerby Lacarriere, Geschäftsträger a.i.,
Gesandter-Botschaftsrat
Uhlandstraße 14
10623 Berlin
Fax: 030-8862 4279
E-Mail: amb.allemagne@diplomatie.ht

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Französisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 29. Mai 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Stellen Sie bitte sicher, dass im Lager „Acra et Adoquin Delmas 33“ keine Zwangsräumungen ohne rechtliche Grundlage oder ohne eine angemessene Bekanntmachung und vorherige Konsultation der BewohnerInnen durchgeführt werden. Sorgen Sie weiterhin dafür, dass allen Betroffenen angemessene Alternativunterkünfte zur Verfügung gestellt werden.

  • Ich fordere Sie auf, Untersuchungen des Todes von Civil Merius in Polizeigewahrsam, der Misshandlungsvorwürfe von Darlin Lexima und des Brandanschlags auf das Lager „Acra et Adoquin Delmas 33“ einzuleiten.

  • Kümmern Sie sich bitte um dauerhafte Lösungen zur Deckung des Wohnraumbedarfs der BewohnerInnen von „Acra et Adoquin Delmas 33“ und weiterer hunderttausender Menschen, die noch immer unter sehr schlechten Bedingungen in Behelfsunterkünften leben.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to ensure that residents of Acra et Adoquin Delmas 33 camp are not evicted without due process, adequate notice and consultation, and that all those affected have access to adequate alternative accommodation.

  • Calling on them to order an investigation into the death in police custody of Civil Merius, the ill-treatment of Darlin Lexima and the arson attack on Acra et Adoquin Delmas 33 camp.

  • Urging them to seek durable solutions to the housing needs of the Acra et Adoquin Delmas 33 camp residents and the hundreds of thousands of others still living in dire conditions in makeshifts camps.

Sachlage

Zwei Tage später gegen 2 Uhr morgens setzte eine Gruppe von Männern auf Motorrädern sieben Zelte in Brand mit dem Ziel, das Lager niederzubrennen. Den BewohnerInnen gelang es jedoch, die Feuer zu löschen, und niemand wurde verletzt. Einige BewohnerInnen baten um polizeiliche Unterstützung bei der weniger als 100 Meter entfernten Polizeistation in Delmas 33. Doch die Polizei erklärte, sie habe keine Mittel, dieser Bitte nachzukommen. Aus Protest gegen den Brandanschlag und die Gleichgültigkeit der Polizei, blockierten viele der BewohnerInnen die Straße zwischen dem Lager und der Polizeistation. Laut Augenzeugen verhaftete die Polizei der Polizeistation Delmas 33 zwei der Demonstrierenden und schlugen einen der beiden, Civil Merius, so brutal zusammen, dass er in Polizeigewahrsam den Folgen seiner Verletzungen erlag. Der andere Festgenommene, Darlin Lexima, wurde am nächsten Tag ohne Anklage freigelassen und erzählte Amnesty International VertreterInnen in Haiti, dass er in Polizeigewahrsam geschlagen wurde.

Den LagerbewohnerInnen zufolge beheimatet das Lager etwa 5.000 Familien, insgesamt ca.32.000 Menschen. Nur etwa 100 Familien leben auf dem Grundstück, das vom vermeintlichen Landbesitzer beansprucht wird, doch der Brandanschlag hat bei allen BewohnerInnen die Angst ausgelöst, mit Gewalt vertrieben zu werden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Am 12. Januar 2013 jährte sich das verheerende Erdbeben von Haiti zum dritten Mal. Mehr als 200 000 Menschen starben bei dem Erdbeben, etwa 2,3 Millionen wurden obdachlos. Sie hatten keine andere Wahl, als eigene Behelfsunterkünfte zu errichten, wo immer es ihnen möglich war. Drei Jahre später leben noch schätzungsweise 300 000 Menschen in provisorischen Lagern. Fast einem Viertel von ihnen droht die Zwangsräumung.

Brandanschläge auf Vertriebenenlager haben sich zu einem üblichen Verfahren entwickelt, um Familien von den Grundstücken, auf denen sie leben, zu vertreiben. Am frühen Morgen des 16. Februar wurde das Lager „Acra 1“ im Gebiet Pétion-Ville bei einem Brandanschlag zerstört. Der Anschlag erfolgte durch eine Gruppe bewaffneter Männer, die hunderte von Familien zur Flucht zwangen und obdachlos zurückließen.