Morddrohungen

 Schild, das Jiguamiandó als afro-kolumbianisches Land ausweist

Schild, das Jiguamiandó als afro-kolumbianisches Land ausweist

Im kolumbianischen Departamento de Cauca werden zahlreiche afro-kolumbianische Aktivist_innen bedroht, weil sie sich gegen illegale Bergbauaktivitäten wehren und den Schutz ihrer territorialen Rechte fordern.

Appell an:

PRÄSIDENT
Juan Manuel Santos
Palacio de Nariño
Carrera 8 No. 7-26
Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Dear President Santos / Excmo. Sr. Presidente Santos / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 57) 1 596 0631

INNENMINISTER
Juan Fernando Cristo
Calle 12B, No 8-46, Primer Piso
Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Dear Minister / Estimado Sr. Ministro / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 57) 1 283 9876

Sende eine Kopie an:

NGO ACONC
Asociación de Consejos Comunitarios del Norte del Cauca
Carrera 10 #2 – 71, piso 2
Municipio Santander de Quilichao
Departamento del Cauca
KOLUMBIEN

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S. E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 10. Juni 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ergreifen Sie bitte in Absprache mit Francia Márquez, Eduar Mina, Jhon Jairo Valverde, Alexa Leonor Mina und Mery Yein Mina sowie anderen Gemeindesprecher_innen von La Toma alle erforderlichen Maßnahmen, um ihre Sicherheit zu garantieren.

  • Bitte führen Sie eine vollständige und unparteiische Untersuchung der Drohungen gegen die fünf genannten Personen durch, veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.

  • Zudem fordere ich Sie auf, umgehend wirksame Maßnahmen zur Auflösung der paramilitärischen Gruppen zu ergreifen und ihre Verbindungen zu den kolumbianischen Sicherheitskräften zu lösen, wie es die Vereinten Nationen wiederholt empfohlen haben.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Expressing concern for those named above and for other community leaders of La Toma, and calling on the authorities to take all measures deemed appropriate to guarantee their safety.

  • Calling on them to undertake full and impartial investigations into the threat against Francia Márquez, Eduar Mina, Jhon Jairo Valverde, Alexa Leonor Mina and Mery Yein Mina, to make the results public and bring all those responsible to justice.

  • Urging them to take decisive action to dismantle paramilitary groups operating in the area and break any links with the security forces in line with repeated United Nations human rights recommendations.

Sachlage

Am 28. April erhielt Francia Márquez, Sprecherin der afro-kolumbianischen Gemeinde La Toma im Verwaltungsbezirk Suárez im Departamento de Cauca, per SMS eine Morddrohung. In der Kurznachricht wurden zudem zwei weitere Sprecher_innen von La Toma bedroht. In der SMS stand: „ALSO es ist Zeit, mit denen abzurechnen, die sich selbst Verteidiger von Territorien nennen, diese Hurensöhne Eduar Mina, Francia Márquez, Jhon Jairo Valverde. Wir wissen, wo ihr euch aufhaltet, der Befehl lautet euch zu töten, damit ihr der Entwicklung nicht im Weg steht. Ihr wurdet gewarnt, macht euch bereit. Unterschrieben BACRIN [sic]“. Paramilitärische Gruppen, die nach wie vor häufig mit den Sicherheitskräften zusammenarbeiten, werden von der kolumbianischen Regierung als kriminelle Banden bezeichnet, und das spanische Akronym hierfür ist BACRIM.

Francia Márquez und andere Sprecher_innen von La Toma sind in der Vergangenheit wiederholt bedroht worden, weil sie fordern, dass die Rechte der Gemeinde auf ihr angestammtes Land geschützt werden und der Ressourcenabbau durch Bergbaufirmen – darunter internationale Goldförderunternehmen – verhindert wird.

Am 27. April berichteten Angehörige der Gemeinde, zwei unbekannte Männer gesehen zu haben, von denen mindestens einer sein Gesicht mit einem Schal verdeckt hatte und die auf einem Motorrad ohne Nummernschild unterwegs waren. Sie hielten in Suárez im Verwaltungsbezirk Suárez und im Weiler Yolombó von La Toma an. Berichten zufolge wollten sie wissen, wo sich Alexa Leonor Mina und Mery Yein Mina aufhielten. Hierbei handelt es sich um die Schwester und die Cousine von Francia Márquez. Beide Frauen sind Menschenrechtsverteidigerinnen und hatten am 25. April in Santander del Quilichao im Departamento de Cauca an einer Demonstration teilgenommen, um den Schutz ihrer Rechte auf Leben und angestammte Territorien einzufordern (Cuidado de la Vida y el Territorio Ancestral). Berichten zufolge haben Angehörige der Spezialeinheit Escuadrón Móvil Antidisturbios exzessive Gewalt gegen einige Demonstrierende angewandt.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Indigene, afro-kolumbianische und kleinbäuerliche Gemeinschaften sowie Menschenrechtsverteidiger_innen sind nach wie vor diejenigen, die am stärksten unter dem anhaltenden bewaffneten Konflikt in Kolumbien leiden. Alle Konfliktparteien – zum einen die kolumbianischen Streitkräfte, die entweder allein oder im Einvernehmen mit den Paramilitärs agieren, zum anderen die verschiedenen Guerillagruppen – begehen Menschenrechtsverstöße und Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht. Hierzu zählen Tötungen sowie Verschwindenlassen und Verschleppung, Folter, Vertreibungen und Sexualstraftaten.

In den zurückliegenden Jahren haben Sprecher_innen der Gemeinde La Toma wiederholt Morddrohungen erhalten, weil sie sich für die Einhaltung der territorialen Rechte der Gemeinde und gegen den Goldabbau in La Toma durch nationale und internationale Bergbauunternehmen einsetzen. Sprecher_innnen der Gemeinde La Toma fordern seit Längerem von den kolumbianischen Behörden, dass diese etwas gegen illegale Bergbauprojekte in der Umgebung unternehmen. Deshalb haben sie wiederholt Morddrohungen von Paramilitärs erhalten. Am 11. Dezember 2014 einigten sich die Regierung und die Gemeinde darauf, dass die illegalen Bergbauprojekte in La Toma beendet werden, bisher ist diesbezüglich allerdings kaum ein Fortschritt zu verzeichnen. Weitere Informationen finden sich in dem 2015 veröffentlichen englischsprachigen Bericht Colombia: Restoring the land, securing the peace: Indigenous and Afro-descendant territorial rights (https://www.amnesty.org/en/documents/amr23/2615/2015/en/).