Drohende Zwangsräumung

Lager auf Haiti - "Ademoli" heißt soviel wie "zum Abriss freigegeben"

Lager auf Haiti - "Ademoli" heißt soviel wie "zum Abriss freigegeben"

Hunderten Familien, die bei dem Erdbeben 2010 ihr Zuhause verloren hatten, droht unmittelbar die Vertreibung aus einem Notlager in Carrefour in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince. Amnesty International befürchtet, dass sie durch die Zwangsräumung erneut obdachlos werden.

Appell an:

PRÄSIDENT
Michel Joseph Martelly
Palais National
Rue Magny, Port-au-Prince
HAITI
(Anrede: Monsieur le Président / Dear President / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (001) 202-745-7215 (über haitianische
Botschaft in den USA)
E-Mail: communications@presidentmartelly.ht

GENERALDIREKTOR DER HAITIANISCHEN POLIZEI
Godson Orélus
Directeur Général de la PNH
Police Nationale d’Haiti
Port-au-Prince
HAITI
(Anrede: Monsieur le directeur / Dear Director / Sehr geehrter Herr Generaldirektor)
E-Mail: godore68@hotmail.com

BÜRGERMEISTER VON CARREFOUR
Yvon Jerome
Mairie de Carrefour
Carrefour
HAITI
(Anrede: Monsieur le maire / Dear Mayor / Sehr geehrter Bürgermeister)
E-Mail: mairiedecarrefour@hotmail.com

Sende eine Kopie an:

BOTSCHAFT DER REPUBLIK HAITI
Herrn Pierre M. Kerby Lacarriere, Geschäftsträger a.i.,
Gesandter-Botschaftsrat
Uhlandstraße 14
10623 Berlin
Fax: 030-8862 4279
E-Mail: amb.allemagne@diplomatie.ht

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Französisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 3. Mai 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Stellen Sie bitte sicher, dass im Lager „Gaston Magwon“ keine Zwangsräumungen ohne rechtliche Grundlage oder ohne eine angemessene Bekanntmachung und vorherige Konsultation der BewohnerInnen durchgeführt werden. Sorgen Sie weiterhin dafür, dass allen Betroffenen angemessene Alternativunterkünfte zur Verfügung gestellt werden.

  • Ich fordere Sie auf, Untersuchungen des mutmaßlichen Drohverhaltens der Polizei von Carrefour gegenüber den BewohnerInnen des Lagers „Gaston Magwon“ einzuleiten. Untersuchen Sie zudem alle weiteren geäußerten Drohungen sowie die gewaltsamen Übergriffe auf die LagerbewohnerInnen.

  • Kümmern Sie sich bitte um dauerhafte Lösungen zur Deckung des Wohnraumbedarfs der BewohnerInnen von „Gaston Magwon“ und weiterer hunderttausender Familien, die noch immer unter extrem schlechten Bedingungen in Behelfsunterkünften leben.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to ensure that residents at Gaston Magwon camp are not evicted without due process, adequate notice, consultation and that all those affected have access to adequate alternative accommodation.

  • Calling for an investigation into allegations of threatening behaviour by Carrefour police against Gaston Magwon camp residents as well as into other the threats and violence perpetrated against them.

  • Urging them to seek durable solutions to the housing needs of the Gaston Magwon camp residents and the hundreds of thousands of others still living in dire conditions in makeshifts camps.

Sachlage

Rund 650 im Flüchtlingslager „Gaston Magwon“ in Carrefour in Port-au-Prince lebenden Familien droht derzeit die Zwangsräumung. Am 15. Februar hatten PolizeibeamtInnen und eine Gruppe mit Macheten und Messern bewaffneter Männer in Begleitung eines örtlichen Friedensrichters bereits 150 Familien aus dem Lager vertrieben. Die bewaffneten Männer begannen, die Unterkünfte der Familien zu zerstören, obwohl sich noch Menschen darin befanden, und griffen Personen an, die versuchten, sie aufzuhalten. Zudem gab die Polizei Schüsse in die Luft ab, um die Familien einzuschüchtern. Unter anderem zerstörten bewaffnete Männer und PolizistInnen eine Unterkunft, in der sich ein Kind befand, das dabei offenbar verletzt wurde. Des Weiteren sollen die Männer gedroht haben, das gesamte Lager niederzubrennen und die Kinder der Familien zu töten, die sich widersetzten.

Den Lagerbewohnern zufolge hatte man ihnen weder einen Räumungsbefehl vorgelegt, noch hatte man sie zuvor über die Räumung informiert oder ihnen angemessene Alternativunterkünfte angeboten. Einige der 150 vertriebenen Familien haben das Lager verlassen; andere haben sich an einer anderen Stelle innerhalb des Lagers niedergelassen. Personen, die mit den vermeintlichen Landbesitzern in Verbindung stehen, haben den Bewohnern seitdem mündlich die Zwangsräumung angedroht. Zudem sollen Unbekannte von der Straße aus, die an dem Lager vorbeiführt, mit Brandanschlägen und sonstiger Gewalt gedroht haben. Die LagerbewohnerInnen müssen nicht nur befürchten, obdachlos zu werden, sie haben auch große Angst vor möglichen Brandanschlägen und gewaltsamen Übergriffen, mit denen sie gezwungen werden sollen, das Lager zu verlassen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Am 12. Januar 2013 jährte sich das verheerende Erdbeben von Haiti zum dritten Mal. Mehr als 200 000 Menschen starben bei dem Erdbeben, etwa 2,3 Millionen wurden obdachlos. Sie hatten keine andere Wahl, als eigene Behelfsunterkünfte zu errichten, wo immer es ihnen möglich war. Drei Jahre später leben noch schätzungsweise 300 000 Menschen in provisorischen Lagern. 20% von ihnen droht die Zwangsräumung.

Laut einer Zählung durch das Organisationskomitee des Lagers lebten vor der Zwangsräumung vom 15. Februar 871 Familien im Lager „Gaston Magwon”. Den BewohnerInnen des auf privatem Boden errichteten Lagers wird seit 2011 die Zwangsräumung angedroht. Am 15. November 2012 wurden 20 Familien aus dem Lager vertrieben.

Die Neuansiedelung einiger dieser Familien an anderen Stellen innerhalb des Lagers hat dazu geführt, dass die Unterkünfte nun enger zusammenstehen und sich somit die Gefahr eines Flächenbrandes erhöht. Aufgrund der aktuellen Drohungen, das Lager in Brand zu stecken, hegt man diesbezüglich besonders große Befürchtungen. Auf besagte Brandanschläge wird in Haiti besonders häufig zurückgegriffen, um Menschen aus Flüchtlingslagern zu vertreiben.