Mitarbeiterin des Roten Halbmonds verschleppt

Syrisch-Arabischer Roter Halbmond

Syrisch-Arabischer Roter Halbmond

Die ehrenamtliche Mitarbeiterin des syrischen Roten Halbmonds, Maryam Haid, kam am 13. Januar in Damaskus in Haft. Später zeigte ein regierungsnaher Fernsehsender ihr „Geständnis“. Sie wird unter Bedingungen festgehalten, die dem Verschwindenlassen gleichkommen und ihr Leben könnte auf dem Spiel stehen.

Appell an:

STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 332 3410 (kombinierter Telefon-/Faxanschluss, bitte sagen Sie „Fax“) Briefe werden derzeit nicht verlässlich zugestellt. Bitte nur Faxe schicken!

INNENMINISTER
Major General Mohamad Ibrahim al-Shaar
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 311 0554 (kombinierter Telefon-/Faxanschluss, bitte sagen Sie „Fax“) Briefe werden derzeit nicht verlässlich zugestellt. Bitte nur Faxe schicken!

STÄNDIGER VERTRETER DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN BEI DEN VEREINTEN NATIONEN
Bashar Ja’afari
Ambassador Extraordinary and Plenipotentiary,
820 Second Avenue, 15th Floor
New York, NY 10017, USA
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 1 212) 983 4439
E-Mail: exesec.syria@gmail.com oder syrianmission@verizonmail.com

Sende eine Kopie an:

BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN
Rauchstr. 25
10787 Berlin
Fax: 030-5017 7311
E-Mail: info@syrianembassy.de, press@syrianembassy.de
secretary@syrianembassy.de

BOTSCHAFT DER RUSSISCHEN FÖDERATION
S. E. Herrn Vladimir M. Grinin
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin
Fax: 030-2299 397
E-Mail: info@Russische-Botschaft.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 30. April 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bitte Sie hiermit, unverzüglich den Aufenthaltsort von Maryam Haid bekannt zu geben. Bitte ermöglichen Sie ihr den Kontakt zu ihrer Familie und einem Rechtsbeistand ihrer Wahl sowie den Zugang zu medizinischer Behandlung, falls dies erforderlich ist.

  • Stellen Sie bitte sicher, dass Maryam Haid vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt wird.

  • Ich möchte Sie daran erinnern, dass „Geständnisse“, die unter Zwang abgegeben wurden, vor Gericht nicht verwendet werden dürfen. Bitte stellen Sie sicher, dass Maryam Haid umgehend freigelassen wird, sofern man sie keiner international als Straftat anerkannten Handlung anklagt und ihr entsprechend internationalen Standards ein faires Gerichtsverfahren gewährt.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the authorities to reveal Maryam Haid’s whereabouts without delay, and give her immediate access to her family, lawyer and any medical attention she may require.

  • Urging them to ensure that Maryam Haid is protected from torture and other ill-treatment.

  • Reminding them that “confessions” obtained under duress must not be used as evidence in trials, and calling on them to release Maryam Haid unless she is to be promptly charged with a recognizably criminal offence.

Sachlage

Laut Angaben eines im Ausland lebenden Familienmitglieds wurde Maryam Haid am 13. Januar von Männern festgenommen, die der syrischen Kriminalpolizei angehören sollen. Sie durchsuchten ihre Wohnung in der Hauptstadt Damaskus und waren allem Anschein nach auf der Suche nach ihrer Cousine, mit der sie die Wohnung teilt. Zwei weitere Personen, mit denen sie zusammenwohnt, wurden ebenfalls festgenommen. Eine der beiden ließ man aber noch am selben Tag frei. Nach Angaben der Personen, die zusammen mit ihr festgehalten und dann freigelassen wurden, hielt man Maryam Haid anfangs bei der Kriminalpolizei in Damaskus fest. Ihr jetziger Haftort ist jedoch unbekannt. Ihre Familie hat seit ihrer Festnahme keine Nachricht von ihr und eine Anwältin, die Angehörige der Sicherheitskräfte zu ihrem Fall befragt hat, konnte ebenfalls nichts über ihren Verbleib und ihr Schicksal in Erfahrung bringen.

Die Gründe für ihre Festnahme sind nicht bekannt. Das im Ausland lebende Familienmitglied geht jedoch davon aus, dass ihre Festnahme mit den Aktivitäten ihrer Cousine in Verbindung steht, die 2013 etwas sechs Monate in Haft war, nachdem sie sich an regierungskritischen Demonstrationen beteiligt hatte, oder mit denen anderer Angehöriger, von denen einige politisch aktiv sind oder sich für die Menschenrechte einsetzen. Maryam Haid ist beim syrischen Arabischen Halbmond in psychosozialen Unterstützungsprojekten aktiv, soll aber keine politische Aktivistin sein. Die Familie hat Maryam Haid erst wieder gesehen, als sie am 5. März auf al-‘Ayn al-Sahera (das wachsame Auge), einem Programm des regierungsnahen Satellitenfernsehsenders, als „Terroristin“ gezeigt wurde und dann „gestand“, Demonstrationen organisiert, JournalistInnen kontaktiert und Geld und Ausstattung von ihnen erhalten zu haben. Sie könnte zu diesen Äußerungen gezwungen worden sein, denn dies ist gängige Praxis bei den syrischen Sicherheitskräften; das würde die Sorge um ihre Sicherheit noch erhöhen. Seit der Fernsehausstrahlung fehlt jede Spur von ihr.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Das Video zu Maryam Haid kann hier angesehen werden: https://www.youtube.com/watch?v=gMeRgVZThqs. Zwei Männer, die in der selben Sendung gezeigt werden, „gestehen“ darin unter anderem, mit Nachrichtensendern wie Sky News in Kontakt zu stehen, Operationen bewaffneter Oppositionsgruppen gefilmt zu haben, mit Mitgliedern solcher Gruppen zusammengetroffen zu sein und im Tausch gegen Geld und Drogen Geschichten von Zusammenstößen zwischen Regierungs- und Oppositionsgruppen zu verbreiten.

Die Mehrzahl der von Amnesty International dokumentierten Menschenrechtsverletzungen wurde von den syrischen Streitkräften und Milizen der als Shabiha bekannten regierungstreuen Gruppierung begangen. Doch auch bewaffnete Oppositionskräfte, darunter einige, die al-Qaida bzw. der Freien Syrischen Armee angehören, haben sich Menschenrechtsverstößen, darunter auch Kriegsverbrechen, schuldig gemacht; in den vergangenen Monaten sind diese Straftaten eskaliert. Bewaffnete Oppositionsgruppen haben zunehmend Massentötungen begangen. Sie begehen sie an Angehörigen der verschiedenen Streit- und Sicherheitskräfte der Regierung, regierungsnahen Milizen, vermeintlichen InformantInnen und KollaborateurInnen, an Angehörigen rivalisierender bewaffneter Oppositionsgruppen und an Angehörigen von Minderheiten wie SchiitInnen und AlewitInnen, denen sie vorwerfen, auf Seiten von Präsident Assad zu stehen. Die wahllosen Angriffe der bewaffneten Oppositionsgruppen fordern auch zahlreiche zivile Opfer. Zudem setzen die Oppositionsgruppen Kinder in den Auseinandersetzungen ein, foltern Gefangene oder misshandeln sie auf andere Weise, veröffentlichen Drohungen gegen religiöse Gruppierungen, führen Angriffe gegen Minderheiten, die sie als regierungstreu wahrnehmen, verschleppen Menschen und nehmen Geiseln. Lesen Sie hierzu die Eilaktion http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-298-2013/oppositionsgruppen-halten-geiseln und die englischsprachigen Berichte Syria: Rule of fear: ISIS abuses in detention in Northern Syria, vom 19. Dezember 2013 (Index: MDE 24/063/2013 http://www.amnesty.org/en/library/info/MDE24/063/2013/en) und Syria: Summary killings and other abuses by armed opposition groups vom 14. März 2013 (Index: MDE 24/008/2013, http://www.amnesty.org/en/library/info/MDE24/008/2013/en).

Weiterführende Informationen über die verbreitete Folter und andere Misshandlungen in syrischen Hafteinrichtungen finden Sie in dem englischsprachigen Artikel vom März 2012: ‘I wanted to die': Syria's torture survivors speak out (http://www.amnesty.org/en/library/info/MDE24/016/2012/en). Hunderte sind seit Beginn der Unruhen im Gewahrsam der syrischen Sicherheitskräfte gestorben. Amnesty International hat dieses Vorgehen im August 2011 in einem englischsprachigen Bericht dokumentiert: Deadly detention: Deaths in custody amid popular protest in Syria (http://www.amnesty.org/en/library/info/MDE24/035/2011/en).