Hinrichtung verhindern!

Für eine Welt ohne Todesstrafe

Für eine Welt ohne Todesstrafe

Marcel Williams soll am 24. April im US-Bundesstaat Arkansas hingerichtet werden. Im Verfahren, in dem er zum Tode verurteilt wurde, waren den Geschworenen keine strafmildernden Faktoren, wie seine von Missbrauch und Traumata geprägte Kindheit, präsentiert worden. Diese Beweise liegen nun jedoch dem Begnadigungsausschuss vor, der am 27. März über das Gnadengesuch von Marcel Williams entscheiden wird.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte geben Sie dem Gnadengesuch von Marcel Williams statt und wandeln Sie das Todesurteil in eine Haftstrafe um.

  • Hiermit möchte ich Ihnen versichern, dass ich Gewalttaten in keiner Weise entschuldige oder die Konsequenzen negiere.

  • Ich bin aber sehr besorgt darüber, dass denen Geschworenen die strafmildernden Faktoren bezüglich der Kindheit von Marcel Williams, die von Armut, Vernachlässigung und Missbrauch geprägt war, vorenthalten wurden, und der einzige Richter, dem diese Beweise vorlagen, zu dem Schluss kam, dass das Todesurteil aufgehoben werden solle.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling for clemency for Marcel Williams and for his death sentence to be commuted.

  • Expressing concern that the jury heard no evidence about his background of poverty, deprivation and abuse and its effects, noting that the only judge to hear this evidence said that the death sentence should not stand.

  • Explaining that you are not seeking to condone violent crime or to downplay its consequences.

Sachlage

Am 5. Dezember 1994 fand die Polizei in der Nähe von Little Rock, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Arkansas, in einem flachen Grab den Leichnam der 22-jährigen Stacy Errickson. Der damals 24-jährige Marcel Williams wurde unter Anklage gestellt, Stacy Errickson, die am 20. November 1994 als vermisst gemeldet worden war, entführt, vergewaltigt und getötet zu haben. Das Gerichtsverfahren begann im Januar 1997. Seine Rechtsbeistände stellten die Schuld des Angeklagten nicht in Frage, sondern versuchten lediglich die Geschworenen zu überzeugen, Marcel Williams anstatt zum Tode zu einer lebenslangen Haftstrafe zu verurteilen. Während der Strafzumessung des Gerichtsverfahrens legten die Verteidiger_innen keine Beweise für strafmildernde Faktoren vor. Der einzige Zeuge, der vorgeladen wurde, war ein Mitgefangener, dessen Todesurteil in lebenslange Haft umgewandelt worden war. Er gab lediglich an, dass seiner Meinung nach die Haftbedingungen im Todestrakt besser seien als im allgemeinen Strafvollzug. Den Verteidiger_innen waren überzeugende Belege über die von Armut, Vernachlässigung und Missbrauch geprägte Kindheit von Marcel Williams bekannt, die als strafmildernde Faktoren hätten vorgebracht werden können. Sie präsentierten diese Beweise den Geschworenen jedoch nicht.

Nachdem das gegen Marcel Williams verhängte Todesurteil von den Gerichten des Bundesstaates Arkansas bestätigt worden war, befand ein Bundesrichter 2007, dass „eindeutige und überzeugende Beweise“ vorlägen, dass die Rechtsbeistände ihre Aufgabe im Gerichtsverfahren unzulänglich erfüllt hätten, indem sie die strafmildernden Faktoren außer Acht ließen. Nach einer dreitägigen Beweisanhörung fasste der zuständige Richter des US-Bundesbezirks die Beweislage folgendermaßen zusammen: „Marcel Wayne Williams war jeder einzelnen Form von traumatischer Erfahrung ausgesetzt, die allgemein benutzt wird, um ein Kindheitstrauma zu kategorisieren. Er wurde von mehreren Personen sexuell missbraucht. Er wurde sowohl von seiner Mutter als auch von seinem Stiefvater, die seine vornehmlichen Bezugspersonen waren, körperlich misshandelt. Er wurde von diesen Bezugspersonen zudem psychisch misshandelt. Zudem war er in schlimmer Weise jeglicher Form von Vernachlässigung ausgesetzt: im Bereich der Ernährung, medizinisch und auch was seine Bildung anging. Er erlebte während seiner gesamten Kindheit Gewalt sowohl zu Hause als auch in seiner Nachbarschaft. Als Jugendlicher wurde er im Gefängnis brutal von mehreren Personen vergewaltigt“. Der Richter kam zu dem Schluss, dass die Geschworenen sich wahrscheinlich für eine lebenslange Haft, aber nicht für die Todesstrafe entschieden hätten, wenn ihnen diese Beweise bekannt gewesen seien.

Der Bundesstaat Arkansas legte Rechtsmittel gegen das Urteil ein und ein dreiköpfiges Richtergremium eines Bundesberufungsgerichts hob das Urteil des Bundesbezirksgerichts aus verfahrensrechtlichen Gründen auf, da Marcel Williams nach US-Recht keinen Anspruch auf eine Beweisanhörung vor einem Bundesgericht gehabt habe. Das Bundesberufungsgericht ließ die Beweise, die in der Anhörung vorgebracht wurden, deshalb unberücksichtigt und bestätigte das Todesurteil. Im Jahr 2010 lehnte der Oberste Gerichtshof der USA es ab, sich mit dem Fall zu befassen, obwohl zwei der Richter_innen eine abweichende Meinung vertraten und die Auffassung des Bundesberufungsgerichts für „nicht akzeptabel im Interesse der Gerechtigkeit“ bezeichneten. Der Begnadigungsausschuss von Arkansas wird das Gnadengesuch von Marcel Williams am 27. März 2017 prüfen.

Appell an:

BEGNADIGUNGSAUSSCHUSS VON ARKANSAS Arkansas Parole Board Two Union National Plaza, 105 W Capitol Avenue #500 Little Rock, AR 72201-5730 USA (Dear Board Members / Sehr geehrte Mitglieder des Begnadigungsausschusses) Fax: (001) 501 683-5381

GOUVERNEUR VON ARKANSAS The Honorable Asa Hutchinson Governor of the State of Arkansas, State Capitol, Suite 250 500 Woodlane St, Little Rock, AR 72201 USA (Anrede: Dear Govenor / Sehr geehrter Herr Gouverneur) Fax: (001) 501 682 3597 E-Mail: http://governor.arkansas.gov/contact-info/

Sende eine Kopie an:

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA Herrn Kent Doyle Logsdon Geschäftsträger a.i., Gesandter-Botschaftsrat Pariser Platz 2 10117 Berlin Fax: 030-83 05 10 50 E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email

 

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort (an den Begnadigungsausschuss bis zum 27. März 2017, an den Gouverneur bis zum 24. April 2017). Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.