Sektion der Bundesrepublik Deutschland

Urgent Action

Hinrichtung verhindern!

  • USA
UA-060/2017
Index:
AMR 51/5906/2017
18. März 2017

Herr MARCEL WILLIAMS

Für eine Welt ohne Todesstrafe: © Fons HickmannFür eine Welt ohne Todesstrafe: © Fons Hickmann

Marcel Williams soll am 24. April im US-Bundesstaat Arkansas hingerichtet werden. Im Verfahren, in dem er zum Tode verurteilt wurde, waren den Geschworenen keine strafmildernden Faktoren, wie seine von Missbrauch und Traumata geprägte Kindheit, präsentiert worden. Diese Beweise liegen nun jedoch dem Begnadigungsausschuss vor, der am 27. März über das Gnadengesuch von Marcel Williams entscheiden wird.

Am 5. Dezember 1994 fand die Polizei in der Nähe von Little Rock, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Arkansas, in einem flachen Grab den Leichnam der 22-jährigen Stacy Errickson. Der damals 24-jährige Marcel Williams wurde unter Anklage gestellt, Stacy Errickson, die am 20. November 1994 als vermisst gemeldet worden war, entführt, vergewaltigt und getötet zu haben. Das Gerichtsverfahren begann im Januar 1997. Seine Rechtsbeistände stellten die Schuld des Angeklagten nicht in Frage, sondern versuchten lediglich die Geschworenen zu überzeugen, Marcel Williams anstatt zum Tode zu einer lebenslangen Haftstrafe zu verurteilen. Während der Strafzumessung des Gerichtsverfahrens legten die Verteidiger_innen keine Beweise für strafmildernde Faktoren vor. Der einzige Zeuge, der vorgeladen wurde, war ein Mitgefangener, dessen Todesurteil in lebenslange Haft umgewandelt worden war. Er gab lediglich an, dass seiner Meinung nach die Haftbedingungen im Todestrakt besser seien als im allgemeinen Strafvollzug. Den Verteidiger_innen waren überzeugende Belege über die von Armut, Vernachlässigung und Missbrauch geprägte Kindheit von Marcel Williams bekannt, die als strafmildernde Faktoren hätten vorgebracht werden können. Sie präsentierten diese Beweise den Geschworenen jedoch nicht.

Nachdem das gegen Marcel Williams verhängte Todesurteil von den Gerichten des Bundesstaates Arkansas bestätigt worden war, befand ein Bundesrichter 2007, dass "eindeutige und überzeugende Beweise" vorlägen, dass die Rechtsbeistände ihre Aufgabe im Gerichtsverfahren unzulänglich erfüllt hätten, indem sie die strafmildernden Faktoren außer Acht ließen. Nach einer dreitägigen Beweisanhörung fasste der zuständige Richter des US-Bundesbezirks die Beweislage folgendermaßen zusammen: "Marcel Wayne Williams war jeder einzelnen Form von traumatischer Erfahrung ausgesetzt, die allgemein benutzt wird, um ein Kindheitstrauma zu kategorisieren. Er wurde von mehreren Personen sexuell missbraucht. Er wurde sowohl von seiner Mutter als auch von seinem Stiefvater, die seine vornehmlichen Bezugspersonen waren, körperlich misshandelt. Er wurde von diesen Bezugspersonen zudem psychisch misshandelt. Zudem war er in schlimmer Weise jeglicher Form von Vernachlässigung ausgesetzt: im Bereich der Ernährung, medizinisch und auch was seine Bildung anging. Er erlebte während seiner gesamten Kindheit Gewalt sowohl zu Hause als auch in seiner Nachbarschaft. Als Jugendlicher wurde er im Gefängnis brutal von mehreren Personen vergewaltigt". Der Richter kam zu dem Schluss, dass die Geschworenen sich wahrscheinlich für eine lebenslange Haft, aber nicht für die Todesstrafe entschieden hätten, wenn ihnen diese Beweise bekannt gewesen seien.

Der Bundesstaat Arkansas legte Rechtsmittel gegen das Urteil ein und ein dreiköpfiges Richtergremium eines Bundesberufungsgerichts hob das Urteil des Bundesbezirksgerichts aus verfahrensrechtlichen Gründen auf, da Marcel Williams nach US-Recht keinen Anspruch auf eine Beweisanhörung vor einem Bundesgericht gehabt habe. Das Bundesberufungsgericht ließ die Beweise, die in der Anhörung vorgebracht wurden, deshalb unberücksichtigt und bestätigte das Todesurteil. Im Jahr 2010 lehnte der Oberste Gerichtshof der USA es ab, sich mit dem Fall zu befassen, obwohl zwei der Richter_innen eine abweichende Meinung vertraten und die Auffassung des Bundesberufungsgerichts für "nicht akzeptabel im Interesse der Gerechtigkeit" bezeichneten. Der Begnadigungsausschuss von Arkansas wird das Gnadengesuch von Marcel Williams am 27. März 2017 prüfen.

SCHREIBEN SIE BITTE

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte geben Sie dem Gnadengesuch von Marcel Williams statt und wandeln Sie das Todesurteil in eine Haftstrafe um.
  • Hiermit möchte ich Ihnen versichern, dass ich Gewalttaten in keiner Weise entschuldige oder die Konsequenzen negiere.
  • Ich bin aber sehr besorgt darüber, dass denen Geschworenen die strafmildernden Faktoren bezüglich der Kindheit von Marcel Williams, die von Armut, Vernachlässigung und Missbrauch geprägt war, vorenthalten wurden, und der einzige Richter, dem diese Beweise vorlagen, zu dem Schluss kam, dass das Todesurteil aufgehoben werden solle.

APPELLE AN

BEGNADIGUNGSAUSSCHUSS VON ARKANSAS
Arkansas Parole Board
Two Union National Plaza, 105 W Capitol Avenue #500
Little Rock, AR 72201-5730
USA
(Dear Board Members / Sehr geehrte Mitglieder des Begnadigungsausschusses)
Fax: (001) 501 683-5381

GOUVERNEUR VON ARKANSAS
The Honorable Asa Hutchinson
Governor of the State of Arkansas,
State Capitol, Suite 250
500 Woodlane St, Little Rock, AR 72201
USA
(Anrede: Dear Govenor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (001) 501 682 3597
E-Mail: http://governor.arkansas.gov/contact-info/

KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
Herrn Kent Doyle Logsdon
Geschäftsträger a.i., Gesandter-Botschaftsrat
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort (an den Begnadigungsausschuss bis zum 27. März 2017, an den Gouverneur bis zum 24. April 2017). Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN - AUF ENGLISCH

According to the Eighth Circuit's summary of the hearing held by US District Court Judge Leon Holmes in December 2006, "living in poverty and neglect, [Marcel] Williams began stealing and shoplifting to support his siblings", and spent time in juvenile facilities when he was between 12 and 14. "He resumed stealing shortly after his release and was convicted of aggravated robbery as an adult in 1986, when he was sixteen. He was sentenced to eight years in prison, where he allegedly was raped by three fellow inmates". A key witness at the District Court hearing was Dr David Lisak, an expert in psychological trauma, child abuse, and the relationship between abuse and violence. The summary of his testimony provided by Judge Holmes states that: "The physical abuse that Mr Williams endured was unrelenting. He was beaten by his stepfather, and by his mother. His mother was probably the major perpetrator simply because she was around for a longer period of time. The abuse was really hideous. They both beat him with their fists. They used belt buckles. They used extension cords. On two occasions, his mother deliberately burned him, once with boiling water and the other time with an electric coil… There were many occasions in which Mr Williams was left with welts, cuts, bleeding cuts… There is no meaningful way to quantify the severity of the physical abuse inflicted on Mr Williams, but if you were to divide it up into mild, moderate, and severe, there is no question that this is extremely severe". Dr Lisak also described the sexual abuse to which the young boy was subjected between the ages of nine and 14, and "by the time he was twelve years old, his mother was routinely pimping him". Also the psychological abuse "was constant".
Dr Lisak addressed the possible effects of such abuse. The summary of his testimony at the hearing continues: "It should be fairly obvious that, for somebody who has been subjected to that kind of unrelenting trauma up to the point of his incarceration at the age of fifteen, who then gets raped in prison and then spends essentially ten years in prison, there's not going to be a good outcome to this. Where would he learn anything that he needs to know in order to function in society?... During the six months that he was out before these terrible crimes, his life rapidly spirals out of control. I don't know how anybody would have bet very much money that he was going to be able to make it without a lot of external support, and he didn't." As Amnesty International has pointed out, while the links between trauma suffered by individuals during childhood or later in life and their own propensity to violence may be complex and variable, the death penalty denies such complexity and diverts resources from efforts to explain past violence and prevent its recurrence. The death penalty is a simplistic solution that denies any causation and is itself a part of a cycle of violence that does not move our understanding of the roots of violence forward one iota.

Like many states, Arkansas has faced problems sourcing chemicals for its lethal injection protocols and implementing protocols that courts find constitutional. On 23 June 2016, the Arkansas Supreme Court upheld the state's three-drug execution protocol, which uses a barbiturate or midozalam as a sedative, vecuronium bromide as a paralytic agent, and potassium chloride to induce fatal cardiac arrest. After the US Supreme Court declined to intervene in February 2017, Governor Hutchinson set execution dates for the eight men on whose behalf the legal challenge to the protocol had been brought: Bruce Ward and Don Davis on 17 April; Ledelle Lee and Stacey Johnson on 20 April; Marcel Williams and Jack Jones on 24 April, and Jason McGehee and Kenneth Williams on 27 April. See https://www.amnesty.org/en/documents/amr51/5816/2017/en/.

There have been six executions in the USA this year, bringing the total to 1,448 since judicial killing resumed in the USA in 1977 under new capital statutes approved by the US Supreme Court in 1976. The last execution in Arkansas - its 27th since 1977 - was carried out in 2005. In Arkansas the Governor has independent clemency authority even without a clemency recommendation from the parole board. Amnesty International opposes the death penalty unconditionally, in all cases and under any circumstances. Today some 141 countries are abolitionist in law or practice.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling for clemency for Marcel Williams and for his death sentence to be commuted.
  • Expressing concern that the jury heard no evidence about his background of poverty, deprivation and abuse and its effects, noting that the only judge to hear this evidence said that the death sentence should not stand.
  • Explaining that you are not seeking to condone violent crime or to downplay its consequences.