Familien vertrieben

Lager auf Haiti - "Ademoli" heißt soviel wie "zum Abriss freigegeben"

Lager auf Haiti - "Ademoli" heißt soviel wie "zum Abriss freigegeben"

Hunderte Familien sind aus zwei provisorischen Lagern in der Hauptstadt Port-au-Prince vertrieben worden. In beiden Lagern hatten die BewohnerInnen nicht genügend Zeit erhalten, ihre Habseligkeiten zusammenzusuchen, bevor ihre Unterkünfte zerstört wurden.

Appell an:

PRÄSIDENT
Michel Joseph Martelly
Palais National
Rue Magny, Port-au-Prince, HAITI
(Anrede: Monsieur le Président / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (001) 202-745-7215 (über haitianische Botschaft in den USA)
Twitter: @MichelJMartelly "Calling on Haitian President @MichelJMartelly to stop illegal forced evictions in Jalousie #Haiti Please RT"
E-Mail: communications@presidentmartelly.ht

GENERALDIREKTOR DER HAITIANISCHEN POLIZEI
Godson Orélus
Directeur Général de la PNH
Police Nationale d’Haiti
Port-au-Prince, HAITI
(AnredeMonsieur le directeur / Sehr geehrter Herr Generaldirektor)
E-Mail: godore68@hotmail.com

BÜRGERMEISTERIN VON PORT-AU-PRINCE
Marie-Joseph René
Mairie de Port-au-Prince
151, Angle avenue Jean-Paul II et impasse Duverger, Turgeau
Port-au-Prince, HAITI
(Anrede: Madame la maire / Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin)
E-Mail: mairiedeportauprince@gmail.com

KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK HAITI
Herrn Charles Emmanuel, Geschäftsträger a.i., Botschaftsrat
Uhlandstraße 14, 10623 Berlin
Fax: 030-8862 4279
E-Mail: amb.allemagne@diplomatie.ht

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Französisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 13. März 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bitte Sie eindringlich, sämtliche Vertreibungen von Menschen aus Behelfslagern einzustellen und sicherzustellen, dass Räumungen lediglich als letzte Option und unter vollständiger Einhaltung sämtlicher nach internationalen Menschenrechtsstandards vorgeschriebenen Zusicherungen durchgeführt werden. Die Betroffenen müssen konsultiert werden und ihnen müssen angemessene Alternativunterkünfte zur Verfügung gestellt bekommen.

  • Ich fordere Sie auf, Wiedergutmachung für die Betroffenen zu leisten. Dazu gehört unter anderem die Bereitstellung angemessener Alternativunterkünfte für die vertriebenen Familien aus den Lagern Place Sainte-Anne und Fanm Koperativ.

  • Kümmern Sie sich bitte um dauerhafte Lösungen zur Deckung des Wohnraumbedarfs hunderttausender Familien, die noch immer unter sehr schlechten Bedingungen in Behelfsunterkünften leben.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on authorities to immediately stop all forced evictions of people living in displacement camps, and ensure that evictions are carried out only as a last resort and in full compliance with the guarantees required under international human rights standards, including genuine consultation and the provision of adequate alternative housing to all those affected.

  • Asking them to provide remedies, including adequate alternative housing, to the families evicted from Camp Place Sainte Anne and Camp Fanm Koperativ.

  • Asking them to seek durable solutions to the housing needs of the hundreds of thousands of families still living in dire conditions in the makeshifts camps.

Sachlage

Am 12. Januar, dem dritten Jahrestag des verheerenden Erdbebens, das 200.000 Menschen das Leben kostete und 2,3 Millionen Menschen obdachlos machte, haben StadtbeamtInnen und Angehörige der Zivilschutzbehörde etwa 600 Familien aus dem Lager Place Sainte-Anne im Stadtgebiet von Port-au-Prince vertrieben. Die Bewohner des Lagers waren erst fünf Tage zuvor von der Zwangsräumung unterrichtet worden. Man versprach ihnen 20.000 Gourdes (etwa 360 Euro) pro Familie. Der NGO Groupe d’Appui aux Refugiés et Repatriés zufolge steht die Zahlung an 250 Familien noch aus. Am Tag der Räumung erhielten die Familien nicht genügend Zeit, um ihre Habseligkeiten zusammenzusuchen, bevor ihre Unterkünfte zerstört wurden.

Am 22. Januar vertrieben PolizeibeamtInnen 84 Familien gewaltsam aus einem anderen, ebenfalls im Stadtbereich von Port-au-Prince liegenden, Lager namens Fanm Koperativ. Begleitet wurden die BeamtInnen von einer Gruppe Männer, die mit Macheten und Hämmern bewaffnet waren. Ein Mann wurde schwer verletzt. Die Zwangsräumung erfolgte ohne Vorankündigung und obwohl ein Friedensrichter anwesend war, wurde keine richterliche Anordnung für die Räumung vorgelegt. Auch hier erhielten die Familien keine Zeit, ihre Habseligkeiten zusammenzusuchen, bevor ihre Zelte und Schutzunterkünfte niedergerissen wurden. Wenige Tage vor der Zwangsräumung hatten BewohnerInnen eine Pressekonferenz einberufen, auf der sie die mangelnde Unterstützung von Seiten der Behörden in ihrer Situation anprangerten. Die BewohnerInnen gehen davon aus, dass es sich bei der Vertreibung um eine Vergeltungsaktion für ihre Proteste handelt.

Amnesty International ist höchst besorgt, dass die Zwangsräumungen von Behelfslagern entgegen internationaler Menschenrechtsstandards weiterhin fortgesetzt werden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Am 12. Januar 2013 jährte sich zum dritten Mal der Tag des verheerenden Erdbebens in Haiti. Drei Jahre später leben immer noch geschätzte 350.000 Menschen in provisorischen Lagern.

Seit dem Erdbeben wurden zehntausende Menschen aus ihren Lagern vertrieben. Die Internationale Organisation für Migration berichtete im September 2012, dass fast 80.000 weiteren Menschen, die vorwiegend in auf privatem Boden errichteten Lagern leben, von Zwangsräumungen bedroht sind. Das sind 21% der Gesamtzahl der Menschen, die noch in Übergangslagern leben.

Nach Stand vom 31 August 2012 sind 60.978 Personen ohne ordentliches Verfahren von 152 Grundstücken ohne ordentliches Verfahren vertrieben worden. Diese erneut obdachlos Gewordenen siedeln sich häufig in Gebieten an, die von Naturkatastrophen bedroht sind, oder sie stoßen zu größeren Lagern, denen zwar keine unmittelbare Zwangsräumung droht, in denen es aber keine Grundversorgung gibt.