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Weibliche Genitalverstümmelung ist eine Menschenrechtsverletzung

Was ist weibliche Genitalverstümmelung?

Weibliche Genitalverstümmelung (FGM = Female Genital Mutilation) bezeichnet verschiedene Formen der irreversiblen, partiellen oder äußeren Geschlechtsorgane bei Mädchen und Frauen. Die Formen reichen von einer Entfernung der Klitoris-Vorhaut bis hin zur grausamsten Form, der Infibulation, bei der neben der Klitoris auch die inneren und äußeren Schamlippen entfernt werden. Die vaginale Öffnung wird bis auf die Größe eines Reiskorns zugenäht. In den meisten Fällen wird die Genitalverstümmelung ohne Betäubung und unter unhygienischen Bedingungen mit Schnittgeräten wie Messern, Rasierklingen, Scheren oder Glasscherben vorgenommen.



Verbreitung



Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit etwa 130 bis 150 Millionen Frauen und Mädchen an ihren Genitalien verstümmelt. Zwei Millionen kommen jährlich hinzu – das sind 6.000 Frauen und Mädchen täglich. Dabei geschehen weibliche Genitalverstümmelungen nicht nur in 28 Ländern Afrikas bzw. einzelnen Regionen dieser Länder. Auch in einigen arabischen und asiatischen Staaten (in Teilen des Omans, Indonesiens und Indiens) wird FGM praktiziert. Zudem sind durch Migrationsbewegungen nach Europa auch in Deutschland Fälle von praktizierter weiblicher Genitalverstümmelung identifiziert worden.



Folgen:



Neben den physischen Gefahren durch Infektionen (inkl. HIV), lebenslangen Schmerzen im Genitalbereich, Inkontinenz und Zysten, kann FGM lebensbedrohliche Blutungen oder Komplikationen bei der Geburt von Kindern zur Folge haben. Viele Betroffene erleben den Eingriff als traumatisch – mit den entsprechenden psychischen Langzeitfolgen.



Ursachen



Eines der zahleichen Rechtfertigungsmuster für FGM ist die Vorstellung, dass nur so die weibliche Sexualität gezügelt und damit (für den Mann) kontrollierbar gemacht werden könne. Zudem wird argumentiert, dass unbeschnittene Frauen unrein seien oder dass die weibliche Genitalverstümmelung eine religiöse (oftmals als Fehlinterpretation des Koran) bzw. traditionelle Praxis sei.



Weibliche Genitalverstümmelung ist eine Menschenrechtsverletzung!



Zu den Menschenrechten gehören das Grundrecht auf physische und geistige Unversehrtheit, der Schutz vor Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und das Recht auf (reproduktive) Gesundheit. Staaten, die Frauen nicht ausreichend vor FGM schützen, verstoßen damit gegen diese Menschenrechte. Dabei ist weibliche Genitalverstümmelung kein isoliert zu betrachtendes Phänomen. Vielmehr ist sie Ausdruck geschlechtsspezifischer Diskriminierung, die oftmals mit der nicht gleichberechtigten Ausübung ziviler, politischer, sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Rechte durch Frauen einhergeht.



Die Position von ai



ai ist sich bewusst, dass weibliche Genitalverstümmelung eine oftmals tief verwurzelte Tradition ist. Dies erfordert einen sensiblen Umgang mit dem Thema - bedeutet jedoch nicht, dass Tradition als Rechtfertigung dienen kann. ai betrachtet weibliche Genitalverstümmelung als eine mit am weitesten verbreitete Art der Gewalt gegen Frauen. ai sieht daher einen Kernpunkt der Arbeit darin, zu verdeutlichen, dass weibliche

Genitalverstümmelung eine schwerwiegende Menschenrechtsverletzung ist. Durch Lobbyarbeit und Informationskampagnen will ai Regierungen weltweit dazu auffordern, weibliche Genitalverstümmelung wirksam zu verbieten und Mädchen und Frauen ausreichenden Schutz davor zu gewähren.



Ein erster Erfolg: Das deutsche Zuwanderungsgesetz, das am 1. Januar 2005 in Kraft getreten ist, erkennt geschlechtsspezifische und nichtstaatliche Verfolgung als Asylgrund an. Es bleibt jedoch abzuwarten, inwieweit dieses Gesetz Mädchen und Frauen systematisch einen besseren Schutz vor der Verstümmelung ihrer Genitalien in ihren Heimatländern bietet.



Weiterführende Informationen und Ansprechpartnerinnen



finden Sie bei der Sektionskoordinationsgruppe “Menschenrechtsverletzungen an Frauen"

http://www.amnesty-frauen.de



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