Menschenrechte im Testament

Amnesty im Testament - im Gespräch mit Yvonne Kassowitz-Kretzschmar
Menschenrechte im Testament - Yvonne Kassowitz-Kretzschmar

Als Flugbegleiterin flog sie 35 Jahre lang um die Welt – heute ist Yvonne Kassowitz-Kretzschmar begeistert ehrenamtlich für die Menschenrechte aktiv.

2012 sind Sie Amnesty-Mitglied geworden – wie kam es dazu?

Ich fand Organisationen wie Amnesty schon immer toll. Im Ruhestand habe ich jetzt Zeit für Engagement. Durch ein Angebot meiner Airline konnte ich mit 55 Jahren aufhören zu arbeiten. Und statt die Hände in den Schoß zu legen, wurde ich ehrenamtlich aktiv. ich packte in Projekten vor Ort mit an und wurde auch Amnesty-Mitglied. In meinem Alter demonstriere ich nicht bei jedem Anlass. Und ich werde mich auch nicht mehr aus Protest an Gleise ketten, aber die Petitionen und Kampagnen von Amnesty, da mache ich mit – immer. Amnesty hat einen bemerkenswerten Weg gefunden, Ziele zu verfolgen: Die lassen sich nicht die Butter vom Brot nehmen – egal mit wem sie verhandeln.

 

Was genau fasziniert Sie an Amnesty?

Das Moment, sich weltweit für Menschen und deren Rechte einsetzen zu können. Und es lässt sich enorm viel bewegen: Gravierendes Unrecht kommt an die Öffentlichkeit und regelmäßig kommen Menschen frei, die unschuldig schikaniert wurden.

 

Sie setzten Amnesty als Alleinerbin ein – wie kamen Sie zu Ihrem Entschluss?

Es ist eine ganz tolle Idee, noch über den eigenen Tod hinaus etwas für andere Menschen bewirken zu können. Und ich muss mir über mein Testament keine Gedanken mehr machen: Es ist schon alles geregelt.

 

Warum haben Sie Amnesty ausgewählt?

Für mich kamen mehrere Organisationen in Frage, aber in Anbetracht der gegenwärtigen Weltlage fiel meine Entscheidung auf Amnesty. Es ist eine große, international anerkannte Organisation, deren Stimme in der Welt auch Gewicht hat. Demokratie und Menschenrechte befinden sich vielerorts auf dem Rückzug. Wir müssen aufpassen, dass das nicht so weitergeht. Und auch wenn hier das Asylrecht ausgehöhlt wird und Europa sich abschottet, meldet Amnesty sich zu Wort. Diese Organisation kann die Menschen aufrütteln und politisch etwas bewegen. Auch, dass diese Strategie auf einen Menschen zurückgeht, das fasziniert mich: Es ist beachtlich, was Amnesty-Gründer Peter Benenson bis heute ins Rollen gebracht hat.

 

Haben Sie auch mit anderen Menschen über Ihre Pläne gesprochen?

In meinem Freundeskreis haben wir uns oft darüber unterhalten. Viele handhaben es wie ich. Auch Menschen mit Kindern gehören dazu. Sie vererben meist einen kleineren Teil, es muss ja auch kein riesiger Betrag sein.

 

Haben Sie Tipps für Menschen, die es Ihnen gleichtun möchten?

Ich empfehle, entspannt über alle Möglichkeiten nachzudenken – aber ohne sich zu verzetteln. Ich rief dann einfach bei Amnesty an und bekam unverbindlich alle wichtigen Informationen. Im Austausch hatte ich jederzeit das Gefühl, mich auch aus freien Stücken dagegen entscheiden zu können. Nicht überrumpelt zu werden, war mir wichtig. Ich habe keine Kinder, alles, was ich hinterlasse, geht an Amnesty – aber bis dahin ist es noch eine Weile. Denn 100 Jahre werde ich sicherlich alt, schließlich war ich bis heute noch nicht einmal im Krankenhaus.