Zwei junge Männer bleiben "verschwunden"

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Karte von Mexiko

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Zwischen dem 27. Dezember und dem 3. Januar „verschwanden“ in Chilpancingo, der Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaates Guerrero, mindestens sieben junge Männer. Hinter den meisten dieser Fälle vermutet man die örtliche Polizei. Drei der Männer wurden Anfang des Jahres lebendig und mit Folterspuren aufgefunden, zwei weitere fand man getötet auf. Der Verbleib von Abel Aguilar García und Efraín Patrón Ramos ist nach wie vor unbekannt.

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Dein Appell

Sehr geehrter Herr Staatsanwalt,

mit großer Sorge verfolge ich die Situation der in Chilpancingo "Verschwundenen". Deswegen wende ich mich heute an Sie: Ermitteln Sie bitte dringend den Verbleib von Abel Aguilar García und Efraín Patrón Ramos und leiten Sie zudem eine Untersuchung der Folterung von Alán Alexis und der beiden Jugendlichen ein. Ich bitte Sie nachdrücklich, umgehend eine umfassende und unparteiische Untersuchung dieser Vorfälle durchzuführen, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen. Bitten Sie den Generalstaatsanwalt, bei der Untersuchung der Fälle des Verschwindenlassens in Guerrero und der Suche nach Abel Aguilar García und Efraín Patrón Ramos mit Ihnen zu kooperieren. Fordern Sie außerdem den Bürgermeister auf, die örtlichen Polizeikräfte einer eingehenden Überprüfung zu unterziehen, um sicherzustellen, dass die Polizei nicht mit kriminellen Netzwerken zusammenarbeitet.

Mit freundlichen Grüßen

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Bitte abschicken bis: 06.03.2018

Appell an:

Javier Ignacio Olea Peláez

Boulevard René Juárez Cisneros S/N

Colonia El Potrerito, C. P. 39090

Chilpancingo de los Bravo

Guerrero, MEXIKO

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Vereinigten Mexikanischen Staaten
S. E. Herrn Rogelio Granguillhome Morfin
Klingelhöferstraße 3
10785 Berlin

Fax: 030-26 93 23 700
E-Mail: mexale@sre.gob.mx

Amnesty fordert:

  • An den Staatsanwalt: Ermitteln Sie bitte dringend den Verbleib von Abel Aguilar García und Efraín Patrón Ramos und leiten Sie zudem eine Untersuchung der Folterung von Alán Alexis und der beiden Jugendlichen ein.
  • Ich bitte Sie nachdrücklich, umgehend eine umfassende und unparteiische Untersuchung dieser Vorfälle durchzuführen, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
  • An den Generalstaatsanwalt: Kooperieren Sie bitte mit der Untersuchung der Fälle des Verschwindenlassens in Guerrero und mit der Suche nach Abel Aguilar García und Efraín Patrón Ramos.
  • An den Bürgermeister: Unterziehen Sie die örtlichen Polizeikräfte einer eingehenden Überprüfung, um sicherzustellen, dass die Polizei nicht mit kriminellen Netzwerken zusammenarbeitet.

Sachlage

Am 27. Dezember 2017 fielen der 20-jährige Alán Alexis sowie zwei Jugendliche, deren Namen Amnesty International aus Sicherheitsgründen nicht nennt, in Chilpancingo im Bundesstaat Guerrero dem Verschwindenlassen zum Opfer. Die jungen Männer wurden offenbar sieben Tage lang von Angehörigen der örtlichen und bundesstaatlichen Polizei festgehalten und gefoltert. Am 3. Januar 2018 wurden sie gefesselt und mit unverkennbaren Folterspuren am Körper aufgefunden. Amnesty International vorliegenden Berichten zufolge haben Polizeikräfte die Männer gefoltert, um sie zur Preisgabe von Informationen zu zwingen. Am 30. Dezember wurden Jorge Vázquez Campos und Marco Catalán Cabrera Opfer des Verschwindenlassens. Verantwortlich hierfür ist offenbar die örtliche Polizei, mutmaßlich in Zusammenarbeit mit dem organisierten Verbrechen. Die Leichen der beiden Männer wurden am 3. Januar auf einem verlassenen Grundstück außerhalb von Chilpancingo gefunden.

Von Abel Aguilar García und Efraín Patrón Ramos, die ebenfalls Ende Dezember „verschwanden“, fehlt nach wie vor jede Spur. Familienangehörige von Abel Aguilar García sagten Amnesty International, dass er am Vormittag des 25. Dezember seine Studentenwohnung verließ und seither nicht mehr gesehen wurde. Efraín Patrón Ramos wurde zuletzt am 29. Dezember gesehen, als er in einem Fahrzeug auf einer Hauptstraße in Chilpancingo unterwegs war. Von seinen Familienangehörigen erfuhr Amnesty International, dass Efraín Patrón Ramos einem Freund am Telefon erzählt hatte, er werde von lokalen Polizeikräften beschattet. Laut Angaben der Verwandten von Abel Aguilar García und Efrain Patrón Ramos hat die Staatsanwaltschaft des Bundesstaats Guerrero das Verschwindenlassen der beiden Männer bisher nicht angemessen untersucht und stattdessen die Dringlichkeit der Fälle heruntergespielt.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Ende Dezember 2017 ereigneten sich in Chilpancingo, der Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaates Guerrero, zahlreiche Fälle des Verschwindenlassens. In den lokalen und nationalen Medien wurde recht schnell über Vorwürfe berichtet, die örtliche Polizei sei in diese Taten verwickelt. Amnesty International hat diese Fälle dokumentiert und Nachforschungen angestellt. Die englischsprachige Pressemitteilung mit den gewonnenen Erkenntnissen finden Sie hier: https://www.amnesty.org/en/latest/news/2018/01/mexico-cloaked-by-silenc…. Diese Fälle des Verschwindenlassens ereigneten sich nur etwa eine Stunde von dem Ort entfernt, an dem im September 2014 43 Studierende eines Ausbildungszentrums für Lehrkräfte in Ayotzinapa dem Verschwindenlassen zum Opfer fielen.

Fälle des Verschwindenlassens sowohl seitens staatlicher als auch nichtstaatlicher Akteure sind in Mexiko nach wie vor an der Tagesordnung und die Verantwortlichen gehen in den meisten Fällen straffrei aus. Dem offiziellen Nationalen Register über Verschwundene Personen (Registro Nacional de Personas Desaparecidas) lässt sich entnehmen, dass Ende 2017 das Schicksal bzw. der Verbleib von 33.482 Personen (24.805 Männer und 8.677 Frauen) ungeklärt war. Die tatsächliche Zahl liegt vermutlich noch weitaus höher, da in dieser offiziellen Statistik weder landesweite Fälle enthalten sind, die sich vor 2014 ereignet haben, noch als andere Straftaten eingestufte Fälle, wie z. B. Entführungen oder Menschenhandel.

Die Untersuchungen in Fällen des Verschwindenlassens sind oftmals mangelhaft und die Behörden leiten in der Regel keine schnellen Suchaktionen in die Wege.