Zwei junge Brüder zum Tode verurteilt

Zeichnung eines Strangs zum Erhängen

Die Brüder Stanislau und Illia Kostseu – 19 und 21 Jahre alt – wurden am 10. Januar für den Mord an ihrer ehemaligen Lehrerin und Nachbarin zum Tode verurteilt. Bei der Urteilsverkündung vor dem Bezirksgericht Mohilev applaudierten die Prozessbeobachter_innen. Wenn das Urteil bei der bevorstehenden Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof bestätigt wird, droht den beiden unmittelbar die Hinrichtung.

Appell an:

Gennady Bronislavovich Davydko

Chair of the Human Rights Commission

c/o BOTSCHAFT DER REPUBLIK BELARUS

S. E. Herrn Denis Sidorenko

Am Treptower Park 32

12435 Berlin

Amnesty fordert:

  • Ich fordere Sie als Vorsitzenden der Menschenrechtskommission und Leiter des parlamentarischen Gruppe zur Abschaffung der Todesstrafe auf, alle nötigen Schritte zu unternehmen, damit die Todesurteile gegen Stanislau und Illia Kostseu umgehend umgewandelt werden. Stellen Sie bitte sicher, dass ein offizielles Hinrichtungsmoratorium als erster Schritt hin zur Abschaffung der Todesstrafe verhängt wird und  alle Todesurteile in Belarus umgewandelt werden.

Sachlage

Am 10. Januar verurteilte das Bezirksgericht der ostbelarussischen Stadt Mohilev die Brüder Stanislau und Illia Kostseu wegen des Mordes an ihrer Nachbarin und ehemaligen Lehrerin im April 2019 zum Tode. Diese soll den Behörden gemeldet haben, dass die Schwester der Verurteilten, Hanna Kostseu, nicht ausreichend für ihre vier Kinder sorgen könne. Daraufhin hätten die Kinder der Schwester entzogen werden können. Zum Zeitpunkt ihrer Festnahme waren Stanislau und Illia Kostseu erst 18 beziehungsweise 20 Jahre alt.

Das begangene Verbrechen soll nicht entschuldigt oder das verursachte Leid verharmlost werden. Doch der Staat darf auch in solchen Fällen nicht auf die Todesstrafe zurückgreifen. Die Todesstrafe ist die grausamste, unmenschlichste und erniedrigendste aller Strafen – auch für die Angehörigen der Verurteilten – und darf im heutigen Strafjustizsystem keinen Platz mehr haben.

Die Schwester der beiden Verurteilten, Hanna Kostseu, wurde bisher weder über den Zeitpunkt noch den Ort der geplanten Hinrichtung informiert. In einer öffentlichen Stellungnahme sagte sie: „Es ist absolut grausam, eines Tages einen Brief und kurz darauf ein Dokument von ihnen zu bekommen, aus dem hervorgeht, dass die Hinrichtung stattgefunden hat.“ Nach dem Mord wurde die Familie Kostseu immer wieder bedroht und schikaniert, die Kinder von Hanna Kotseu wurden in der Schule gemobbt – bis die Familie aus ihrer Heimatstadt Cherykaw wegziehen musste.

Trotz nationalem und internationalem Druck ist Belarus das einzige Land in Europa und Zentralasien, das nach wie vor die Todesstrafe anwendet. Neben Stanislau und Illia Kostseu sollen drei weitere Häftlinge in Belarus zum Tode verurteilt sein. Amnesty International lehnt die Todesstrafe in allen Fällen ohne Ausnahme ab. Sie verstößt gegen das Recht auf Leben, das durch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte garantiert wird.
Amnesty International unterstützt die Forderungen, die seit 2007 in fünf Resolutionen der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet wurden und ein offizielles Hinrichtungsmoratorium anstreben, mit dem Ziel, die Todesstrafe vollständig abzuschaffen. Bis heute haben 142 Länder die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft.

Hintergrundinformation

Hintergrund

The death sentence of these two young brothers has shocked many people in Belarus and the international community. In recent years, Belarus has repeatedly stated its commitment to ending executions in its own time, expressed willingness to engage in the subject and continues to court the international community in this regard. Despite this, it persists in sentencing and executing people (in 2019, three death sentences were passed and at least three men were executed and there are currently five men on death row).

In this case, the two brothers killed their neighbour after she had complained to social services and accused their sister of not properly looking after her own children. That complaint put the children at risk of going into care. After finding out about the complaint the two brothers got drunk and took revenge on their neighbour by killing her. They were only 18 and 20 at the time. Amnesty International is not condoning what they did and is advocating for their sentence to be changed to a prison term. The authorities must take into account the conditions surrounding their case and adopt a rehabilitative approach rather than vengeful, punitive one.

Death sentences in Belarus are implemented in strict secrecy and without giving adequate notice to the condemned prisoners themselves, their families or legal representatives. The authorities refuse to return the bodies of those executed to their relatives or even tell them where they are buried. Executions are carried out despite requests from the UN Human Rights Committee to the government. The committee requests to review each case prior to execution. In November 2012, the Human Rights Committee found that the application of the death penalty in Belarus violates the human rights of those condemned and their families.