Vertriebene sitzen fest

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Karte von Guatemala

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Ungefähr 400 Personen aus Guatemala sitzen derzeit an der mexikanischen Grenze fest, nachdem sie per Gerichtsbeschluss aus ihrem Dorf vertrieben wurden. Sie leben in behelfsmäßigen Unterkünften und Zelten ohne angemessene Versorgung. Humanitäre Hilfe wird nur sehr spärlich geleistet. Babies, Kinder und ältere Menschen leiden unter Durchfall und Fieber.

Vertriebene Dorfbewohner_innen benötigen Grundleistungen

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Dein Appell

Sehr geehrter Herr Minister,

mit Bestürzung habe ich von den Dorfbewohnern der guatemaltekischen Gemeinde Laguna Larga gehört, die an der mexikanischen Grenze festsitzen und unter denen sich auch viele Säuglinge und Kinder befinden. Sie haben ihr Dorf verlassen, um einer Zwangsräumung zu entgehen.

Ich appelliere an Sie, dringend den wichtigsten Bedarf an humanitärer Hilfe mit medizinischer Versorgung, Nahrungsmitteln, Wasser und Unterkünften zu decken und die Hilfe zudem erheblich auszuweiten. Bitte machen Sie den Schutz der gestrandeten Personen aus Guatemala und insbesondere den Schutz von Kindern, Jugendlichen und Senioren zur obersten Priorität.

Garantieren Sie bitte die Menschenrechte aller Personen, die nach Mexiko einreisen, und kümmern Sie sich bitte vermehrt um die humanitären Bedürfnisse dieser Menschen, anstatt sie mit Einsätzen zur Migrationskontrolle ins Visier zu nehmen.

Mit freundlichen Grüßen,

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Amnesty fordert:

  • Ich appelliere an Sie, dringend den wichtigsten Bedarf an humanitärer Hilfe mit medizinischer Versorgung, Nahrungsmitteln, Wasser und Unterkünften zu decken und die Hilfe zudem erheblich auszuweiten. Bitte machen Sie den Schutz der gestrandeten Personen aus Guatemala und insbesondere den Schutz von Kindern, Jugendlichen und Senioren zur obersten Priorität.

Nur an die guatemaltekischen Behörden:

  • Nehmen Sie bitte umgehend den Dialog mit den betroffenen Gemeinden wieder auf, um eine Lösung für die langjährigen Landstreitigkeiten in der Region des Nationalparks Laguna del Tigre zu finden.

Nur an die mexikanischen Behörden:

  • Garantieren Sie bitte die Menschenrechte aller Personen, die nach Mexiko einreisen, und kümmern Sie sich bitte vermehrt um die humanitären Bedürfnisse dieser Menschen, anstatt sie mit Einsätzen zur Migrationskontrolle ins Visier zu nehmen.

Sachlage

Ungefähr 400 Personen aus Guatemala sitzen derzeit an der mexikanischen Grenze fest, nachdem sie per Gerichtsbeschluss aus ihrem Dorf vertrieben wurden. Sie leben in behelfsmäßigen Unterkünften und Zelten ohne Zugang zu Wasser, Nahrungsmitteln oder medizinischer Versorgung. Humanitäre Hilfe wird nur sehr spärlich geleistet. Babies, Kinder und ältere Menschen leiden unter Durchfall und Fieber.

Am 2. Juni erreichten etwa 400 Personen (ca. 70 Familien, viele mit kleinen Kindern) aus der Gemeinde Laguna Larga im guatemaltekischen Departamento Petén die Grenze zu Mexiko. Sie hatten ihr Dorf verlassen, bevor sie von mehr als 1.000 Sicherheitskräften in einem Großeinsatz von dort vertrieben werden konnten. Die Räumung war von einem Gericht in der Kleinstadt San Andrés im Departamento Petén angeordnet worden. Die Bewohner_innen von Laguna Larga hatten sich zu Fuß durch entlegene Dschungelgebiete zu der mexikanischen Grenze aufgemacht. Sie erreichten die Grenze am 2. Juni und richteten auf der mexikanischen Seite nahe der Kleinstadt Candelaria im Süden des Bundesstaats Campeche ein provisorisches Lager ein. In der Grenzregion ist das Militär sehr stark präsent, und es operieren Netzwerke, die Drogenschmuggel und Menschenhandel betreiben. Zwar haben Angehörige der mexikanischen Einwanderungsbehörde (Instituto Nacional de Migración) Grundversorgungsmittel in dem Lager verteilt, doch eine angemessene Reaktion der Behörden auf die Krisensituation ist bisher ausgeblieben.

Die Bewohner_innen von Laguna Larga wurden im Zuge einer langjährigen Auseinandersetzung bezüglich der Landnutzungsverhältnisse im Nationalpark Laguna del Tigre von ihrem Land vertrieben. Auch einige weitere Ortschaften sind von diesen Streitigkeiten betroffen. Amnesty International vorliegenden Information zufolge sollen auch in den Ortschaften El Sacrificio und El Reloj Zwangsräumungen geplant sein, von denen etwa 200 Menschen betroffen wären. Auch aus der Gemeinde La Mestiza sollen am 14. Juni die Bewohner_innen vertrieben werden. Dies könnte bedeuten, dass in den kommenden Wochen viele weitere Familien in dem provisorischen Lager an der mexikanischen Grenze ankommen. Vor Kurzem wurden Gespräche zwischen den guatemaltekischen Behörden und den betroffenen Gemeinden eingeleitet. Die Gemeindemitglieder und ihre Sprecher_innen berichten jedoch, dass ihre Vorschläge zur Lösung der Situation nicht berücksichtigt würden. Die Gespräche haben sich mittlerweile festgefahren.

Appell an:

Innenminister von Guatemala
Sr. Francisco Rivas Lara
Ministerio de Gobernación
6 avenida 13-71 zona 1
C.P. 01001
GUATEMALA  

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Vereinigten Mexikanischen Staaten
S. E. Herrn Rogelio Granguillhome Morfin
Klingelhöferstraße 3
10785 Berlin

Hintergrundinformation

Hintergrund

Personen aus Guatemala benötigen ein Visum, um die Grenze nach Mexiko zu übertreten. Einige der ehemaligen Bewohner_innen von Laguna Larga, die am 2. Juni in Mexiko ankamen, verfügen über eine temporäre Besuchserlaubnis, mit der sie sich eine bestimmte Zeit lang in der Grenzregion aufhalten dürfen. Mexikanische Regierungsvertreter_innen und internationale Organisationen haben gegenüber Amnesty International bestätigt, dass es sich bei den Vertriebenen aus Laguna Larga, die in Mexiko festsitzen, um 13 Säuglinge unter zwölf Monaten, 119 Kinder unter zwölf Jahren, 82 Jugendliche, 32 Senioren und 151 Erwachsene handelt. Die Region ist ein entlegenes Dschungelgebiet ohne Zugang zu regulären Versorgungsleistungen.

Seit 2014 wird Migration entlang der südmexikanischen Grenze verstärkt durch einen sicherheitspolitischen Ansatz geregelt, was direkte Auswirkungen auf die Menschenrechte von Migrant_innen hat. Zeitgleich mit einer stark angestiegenen Anzahl an Migrant_innen verkündete der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto am 7. Juli 2014 das neue Einwanderungsprogramm „Südgrenze“ (Programa Frontera Sur). Erklärtes Ziel des Programms ist es, die Sicherheit von Migrant_innen aus Guatemala und Belize zu gewährleisten, u. a. durch strengere Sicherheitsvorkehrungen und verbesserte Infrastruktur. Die Umsetzung des Programms hat sich jedoch negativ auf Personen aus Mittelamerika ausgewirkt, die internationalen Schutz benötigen. Das Programm „Südgrenze“ sieht vermehrte Sicherheitseinsätze an der Grenze zu Guatemala und Belize vor und erntet viel Kritik für die verstärkte Beteiligung von Polizei und Militär an diesen Einsätzen.

Amnesty International hat sich in einem kürzlich erschienenen Bericht mit dem Thema Zwangsräumungen im Nordosten von Guatemala befasst (siehe: “We are defending the land with our blood”: Defenders of the land, territory and environment in Honduras and Guatemala, https://www.amnesty.org/en/documents/amr01/4562/2016/en). Die Kleinbauern (campesinos), die auf dem derzeit zum Nationalpark Laguna del Tigre gehörenden Gebiet im Departamento Petén leben, sind in den 1970er-Jahren in die Gegend gekommen bzw. sind die Nachfahren von Personen, die seit den 1970ern dort leben. Laut Angaben der Kleinbäuer_innen sind sie im Zuge eines staatlichen Umsiedlungsprogramms dorthin gezogen. Die Nationalparks Laguna del Tigre und Sierra del Lacandón wurden zwischen 1989 und 1990 eingerichtet. Die dort ansässigen Kleinbäuer_innen geben an, erst nach Ende des bewaffneten Konflikts 1996 herausgefunden zu haben, dass sie in einem Nationalpark leben. Viele der Kleinbäuer_innen sind seither beschuldigt worden, sich ihr Land widerrechtlich angeeignet zu haben.

Seit 1985, also noch vor Einrichtung des Nationalparks, wird aus dem Ölfeld Xan auf dem Gelände von Laguna del Tigre Erdöl gefördert. Die Firma Perenco kaufte die Ölquellen im Jahr 2001, also nach der Einrichtung des Nationalparks, und fördert dort auch heute noch Erdöl zutage. In dem Gebiet rund um den Nationalpark finden seit Langem Räumungen statt, die häufig auch zu Menschenrechtsverletzungen führen.

Die Sicherheitslage in Guatemala und der Region ist seit einigen Jahren ganz besonders problematisch, weshalb sich viele Menschen gezwungen sehen, das Land zu verlassen. Obwohl die Anzahl der Tötungsdelikte in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen ist, gibt das Gewaltniveau in Guatemala nach wie vor Anlass zur Sorge. Guatemala gehört mit El Salvador und Honduras zum sogenannten nördlichen Dreieck Mittelamerikas. Die drei Länder werden anhand ihrer Tötungsraten als die gefährlichsten Länder Lateinamerikas betrachtet. 

 

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the Mexican and Guatemalan authorities to urgently and significantly enhance the attention to basic humanitarian needs such as medical supplies and attention, food, water and shelter and ensure that protection of the population, particularly children, adolescents and elderly people without shelter is the first priority, beyond military or security objectives in the area.
  • Calling on the Guatemalan authorities to promptly reinitiate dialogue with affected communities in order to address long-standing land issues in the region.
  • Calling on Mexican authorities to guarantee the human rights of those people who cross the border into Mexican territory and prioritize humanitarian objectives above immigration enforcement measures at this time.