Versorgung mit HIV-Medikamenten gefährdet

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Frau hält HIV-Medikamente in den Händen

HIV-Medikamente könnten in Venezuela knapp werden

Berichten zufolge hat die venezolanische Regierung noch immer nicht eine dringend benötigte Bestellung für lebenswichtige antiretrovirale Medikamente unterzeichnet und gefährdet damit das Leben von mindestens 77.000 HIV-positiven Personen in Venezuela. Wie zivilgesellschaftliche Organisationen des Landes berichten, werden die schwindenden Vorräte an antiretroviralen Medikamenten im März 2018 erschöpft sein.

Setzt euch für die HIV-positiven Menschen in Venezuela ein!

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Dein Appell

--- Mit Bitte um Weiterleitung an den Gesundheitsminister ---

Sehr geehrter Herr Minister,

mit großer Sorge verfolge ich die Situation der mit  HIV lebenden venezolanischen Bevölkerung. Deswegen wend ich mich heute an Sie: Geben Sie bitte unverzüglich eine Bestellung über alle notwendigen antiretroviralen Medikamente für die HIV-positiven Menschen in Venezuela auf, um die Rechte auf Leben und Gesundheit dieser Personen zu garantieren. Weisen Sie bitte die notwendigen Mittel an, um in ausreichendem Maße antiretrovirale Medikamente zur Behandlung aller HIV-positiven Personen in Venezuela über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr zu gewährleisten. Ergreifen Sie bitte umgehend die notwendigen Maßnahmen, um das Recht auf Gesundheit von Menschen mit chronischen Erkrankungen in Venezuela garantieren.

Mit freundlichen Grüßen

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Hier kannst du deine Botschaft als PDF-Datei herunterladen oder direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken. Wähle einfach deine bevorzugte Versandmethode und die Sprache, in der du den Brief verschicken möchtest, aus.

Bitte abschicken bis: 31.01.2018

Appell an:

Luis López Chejade

Ministerio para la Salud

Av. Baralt, Ctro. Simón Bolívar

Edif. Sur, El Silencio

Caracas 1010, Distrito Capital  

VENEZUELA

Sende eine Kopie an:

Acción Solidaria
Avenida Orinoco, Quinta Los Olivos
Caracas 1060
Distrito Capital
VENEZUELA

Natasha Saturno: NSaturno@accionsolidaria.info
Andrea Breat Núñez: ANunez@accionsolidaria.info

 

Botschaft der Bolivarischen Republik Venezuela
Schillstraße 10
10785 Berlin

Fax: 030-832 224 020
E-Mail: embavenez.berlin@botschaft-venezuela.de

Amnesty fordert:

  • Geben Sie bitte unverzüglich eine Bestellung über alle notwendigen antiretroviralen Medikamente für die HIV-positiven Menschen in Venezuela auf, um die Rechte auf Leben und Gesundheit dieser Personen zu garantieren.
  • Weisen Sie bitte die notwendigen Mittel an, um in ausreichendem Maße antiretrovirale Medikamente zur Behandlung aller HIV-positiven Personen in Venezuela über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr zu gewährleisten.
  • Ergreifen Sie bitte umgehend die notwendigen Maßnahmen, um das Recht auf Gesundheit von Menschen mit chronischen Erkrankungen in Venezuela garantieren.

Sachlage

Örtliche Organisationen, die sich in der Pflege und Behandlung HIV-positiver Menschen engagieren, berichten, dass Venezuela im September 2017 die letzte Lieferung antiretroviraler Medikamente erhielt. Diese deckt den Bedarf für sechs Monate, also bis zum März 2018. Falls Venezuela keine zusätzlichen Lieferungen erhält, wird das Land Berichten zufolge danach keine antiretroviralen Medikamente mehr für die Versorgung der rund 77.000 HIV-positiven Personen haben und somit das Leben und die Gesundheit dieser Menschen gefährden.

Zivilgesellschaftliche Quellen berichten weiterhin, dass die venezolanischen Behörden bislang eine Unterzeichnung zusätzlicher Bestellungen der dringend benötigten Arzneimittel verweigern. Diese Bestellungen – normalerweise vom venezolanischen Gesundheitsministerium aufgegeben und mit vom Finanzministerium angewiesenen Mitteln bezahlt – werden an den Strategischen Fonds der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (Organización Panamericana de la Salud, OPS/WHO) adressiert und von diesem ausgeliefert. Der Vorgang von der Unterzeichnung der Bestellung bis zur Lieferung der Medikamente kann bis zu sechs Monate in Anspruch nehmen. Folglich kann die Auslieferung einer im Dezember aufgegebenen Medikamentenbestellung an hilfsbedürftige Menschen bis zum Juni dauern. Vor diesem Hintergrund ist höchste Eile bei der Aufgabe der Bestellung durch die Regierung geboten.

Nach Stand vom 1. Dezember 2017 hatten HIV-positive Menschen in Venezuela nur Zugang zu fünf von insgesamt 27 antiretroviralen Medikamenten, die eigentlich für eine vollständige Behandlung zur Verfügung stehen sollten. Im Laufe des Jahres 2017 erhielten mindestens 70 % aller HIV-positiven Personen in Venezuela nur eine unregelmäßige Behandlung. Grund dafür sind die ständig unterversorgten Apotheken und die schwindelerregende Inflation.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Seit spätestens 2016 durchlebt Venezuela eine humanitäre Krise, durch die die sozialen und wirtschaftlichen Rechte der Bevölkerung, insbesondere das Recht auf Gesundheit und Nahrung, stark eingeschränkt werden.

UNAIDS zufolge wurden im Jahr 2016 in Venezuela rund 6.500 neue HIV-Infektionen und circa 2.500 durch AIDS bedingte Todesfälle verzeichnet. Insgesamt gab es 2016 circa 120.000 HIV-positive Menschen in Venezuela, von denen rund 61 % an einer antiretroviralen Therapie teilnahmen. UNAIDS berichtet weiterhin von Bemühungen des Landes zur Ausweitung HIV-spezifischer Programme in den Bereichen Prävention, Beratung, Tests und Behandlung. In den vergangenen zwei Jahren konnten jedoch keine Fortschritte auf diesem Gebiet verzeichnet werden. Die schwierige Wirtschaftslage schränkt die Möglichkeiten zum Kauf und zur Beschaffung von Arzneimitteln und für HIV-Tests und -Prävention notwendigem Material ein. Das führte zu einem Mangel an antiretroviralen Medikamenten, Arzneimitteln zur Behandlung von opportunistischen Infektionen, Kondomen und Femidomen. Von dieser Verknappung ebenfalls betroffen waren Tests zu HIV-Diagnose, CD4-Zellzahl und Virenbelastung sowie Tests zur Arzneimittelresistenz.

Obwohl offizielle Daten zur Gesundheitssituation in Venezuela kaum zugänglich sind, veröffentlichte das venezolanische Gesundheitsministerium 2017, erstmalig seit mehreren Jahren, die wöchentlichen epidemiologischen Berichte des Jahres 2016. Aus den Daten ging hervor, dass im Jahr 2016 insgesamt 11.466 Kleinkinder während des ersten Lebensjahrs gestorben waren – ein Anstieg von 30,1 % gegenüber 2015, als diese Zahl noch bei 8.812 Todesfällen lag. Neugeborenensepsis, Lungenentzündung und vorzeitige Geburt waren die häufigsten Ursachen bei der Kindersterblichkeit. Im Fall der Müttersterblichkeit war aus den veröffentlichten Berichten von 2015 auf 2016 ein Anstieg von 65,8 % ersichtlich. Insgesamt kam es 2016 in diesem Bereich zu 756 Todesfällen, 300 mehr als noch 2015.

Das Zentrum für Dokumentation und Analyse der Berufstätigen (Centro De Documentación y Análisis Para Los Trabajadores, CENDA), eine lokale NGO mit über 40 Jahren Erfahrung bei der Forschung im Bereich der Rechte von Arbeitnehmer_innen, berichtete im September 2017, dass der Warenkorb von Verbrauchsgütern für eine fünfköpfige Familie, der zur Ermittlung des Verbraucherpreisindexes dient, das 18-Fache des Mindestlohns betrug. Im Vergleich zum Jahresbeginn 2017 entspricht das einer Steigerung von 335 %.

Die humanitäre Organisation Caritas Venezuela fand 2017 heraus, dass 27,6 % der von ihr untersuchten Kinder vom Risiko der Unterernährung betroffen waren. 15,7 % dieser Kinder litten unter leichten bis akuten Formen der Unterernährung.

Im kürzlich von der Weltgesundheitsorganisation veröffentlichten Malaria-Bericht 2017 erklärt die Organisation, dass Venezuela momentan eine humanitäre Krise durchlebt und – trotz der historisch gesehen vorbildlichen Rolle des Landes bei der Ausmerzung der Krankheit – die Anzahl der Malariafälle seit 2008 wieder ansteigt.