Verschwindenlassen

Bangladesch

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Der indigene Menschenrechtsaktivist Michael Chakma ist seit dem 9. April 2019 verschwunden. Er war auf dem Weg von Kanchpur in Naryanganj nach Dhaka. Michael Chakma ist Sprecher einer in den Chittagong Hill Tracts ansässigen Partei, und seine Familie sowie andere Aktivist_innen befürchten, er könnte Opfer des Verschwindenlassens geworden sein. Die Regierung von Bangladesch muss dringend den Verbleib von Michael Chakma klären. Sollte er sich in ihrem Gewahrsam befinden, muss sie ihn umgehend freilassen, es sei denn, er wird er unverzüglich einer erkennbaren Straftat angeklagt.

Appell an:

Asaduzzaman Khan Kamal

Bangladesh Secretariat

Abdul Gani Road

Dhaka-1000

BANGLADESCH

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Volksrepublik Bangladesch
S. E. Herrn Imtiaz Ahmed
Kaiserin-Augusta-Allee 111
10553 Berlin
Fax: 030–39 89 75 10
E-Mail: info.berlin@mofa.gov.bd

Amnesty fordert:

  • Decken Sie bitte umgehend das Schicksal und den Aufenthaltsort von Michael Chakma auf. Lassen Sie ihn frei, sollte er sich in Gewahrsam der Behörden von Bangladesch befinden, es sei denn, er wird er unverzüglich einer erkennbaren Straftat angeklagt.
  • Bitte ordnen Sie umgehend eine unparteiische, unabhängige und wirksame Untersuchung aller Vorwürfe von Verschwindenlassen an, und sorgen Sie bei ausreichender Beweislage dafür, dass diese in fairen Verfahren strafverfolgt werden.
  • Unterzeichnen Sie bitte das Internationale Übereinkommen zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen.

Sachlage

Der indigene Aktivist Michael Chakma wurde am 9. April 2019 auf dem Weg von Narayanganj nach Dhaka letztmalig gesehen. Michael Chakma besuchte Industriearbeiter_innen in den Chittagong Hill Tracts, um über die Planung bevorstehender indigener Feierlichkeiten sowie Veranstaltungen zum Gedenken des sechsten Jahrestags des tödlichen Einsturzes des Rana Plaza-Gebäudes zu sprechen, bei dem mehr als 1.000 Menschen ihr Leben verloren.

Familie und Freund_innen suchten die Polizeiwache Sonargaon in Narayanganj auf, um zu erfahren, ob er inhaftiert und angeklagt wurde. Erst am 16. April, eine Woche nach dem Verschwinden von Michael Chakma, gab die Polizei eine offizielle Vermisstenmeldung heraus. Der letzte bekannte Aufenthaltsort von Michael Chakma war in Cantonment in Dhaka am 15. April 2019. Dies fand die Polizei durch das Verfolgen seines Mobiltelefons heraus, wie es in einer Stellungnahme der demokratischen Arbeiterpartei United Workers' Democratic Front hieß. Seither hat seine Familie trotz wiederholter Nachfragen auf der Polizeiwache von den Behörden keine weiteren Informationen über den Stand der Ermittlungen erhalten.

Michael Chakma ist ein indigener Menschenrechtsaktivist und Organisator der in den Chittagong Hill Tracts ansässigen Partei United People’s Democratic Front. Er hat sich gegen Menschenrechtsverstöße durch das Militär in den Chittagong Hill Tracts ausgesprochen und sich für ein Ende der Militärregierung in der Region eingesetzt.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Michael Chakma ist Organisator und Sprecher der Partei United People’s Democratic Front (UPDF) sowie der Generalsekretär der United Workers’ Democratic Front, dem Arbeiterflügel der in den Chittagong Hill Tracts ansässigen Partei.

Am 27. März 2019 reiste Michael Chakma nach Kanchpur in Narayanganj, einer Stadt im Zentrum von Bangladesch, um bevorstehende indigene Feierlichkeiten sowie Veranstaltungen für den sechsten Jahrestag des tödlichen Einsturzes des Gebäudes Rana Plaza zu besprechen. Damals waren in Savar in Dhaka mehr als 1.000 Textilarbeiter_innen ums Leben gekommen. Wie UPDF-Aktivist_innen Amnesty International mitteilten, war er am 9. April 2019, als er von Narayanganj nach Dhaka reiste, um an weiteren Treffen teilzunehmen, das letzte Mal um 17.00 Uhr telefonisch erreichbar. Seither hat niemand mehr von ihm gehört.

Gegen Michael Chakma laufen mindestens acht Strafverfahren und er wurde 2011 von der paramilitärischen Einheit Rapid Action Battalion (RAB) festgenommen. Das RAB hat in der Vergangenheit zahlreiche Sprecher_innen und Aktivist_innen seiner Partei festgenommen. Beamt_innen der Polizeiwache Sonargaon in Narayanganj äußerten auch die Vermutung, er könne von anderen staatlichen Stellen festgehalten werden.

Die Chittagong Hill Tracts im äußersten Südosten von Bangladesch, in denen mehr als 25 indigene Völker leben, sind seit Jahrzehnten Schauplatz ethnischer Konflikte. Die Konflikte kamen auf, nachdem die Pahari die Anerkennung und den Schutz der Rechte auf ihr angestammtes Land und auf Autonomie gefordert und sich den Versuchen der Regierung, sie in der mehrheitlich bengalischen Kultur des Festlandes zu assimilieren, widersetzt hatten.

Mindestens 22 Mitglieder regionaler politischer Parteien in den Chittagong Hill Tracts sollen 2018 wegen interner Konflikte getötet worden sein. Am 3. Januar 2018 wurde Mithun Chakma, ebenfalls UPDF-Aktivist, in Sadar Upazila in Khagrachhari auf dem Heimweg von einem Gerichtstermin erschossen.

Zwei Angehörige des Frauenverbandes Hill Women's Federation, Doyashona Chakma und Monty Chakma, beschuldigten die Strafverfolgungsbehörden der Mittäterschaft, als sie im März 2018 von einer Gruppe von Männern entführt wurden. Sie wurden damals unter der Bedingung freigelassen, sich nicht weiter politisch zu engagieren.

Kalpona Chakma, eine führende indigene Menschenrechtsaktivistin in den Chittagong Hill Tracts in Bangladesch, wurde am 12. Juni 1996 vermutlich vom Militär aus ihrem Haus entführt. Ihr Schicksal und ihr Verbleib sind bis heute ungeklärt.

Der lokalen Menschenrechtsorganisation Odhikar zufolge sollen zwischen Januar und März 2019 mindestens zwölf Menschen Opfer von Verschwindenlassen geworden sein. Die Leichen von zwei der verschwundenen Personen wurden später gefunden, fünf Personen erwiesen sich als inhaftiert, und eine Person kehrte nach Hause zurück. Bei den anderen vier Personen sind Schicksal und Aufenthaltsort nach wie vor nicht geklärt.