Vater kämpft gegen Hinrichtung seines Sohnes

Diese Urgent Action ist beendet.

Nur Stunden vor Thomas Whitakers geplanter Hinrichtung am 22. Februar hat der texanische Gouverneur Greg Abbott das Todesurteil umgewandelt. Seit August 2007 war dies der erste Gnadenakt im Bundesstaat Texas. In diesem Zeitraum fanden dort fast 150 Hinrichtungen statt.

Proteste gegen die Todesstrafe in der pakistanischen Stadt Hyderabad am 10. Oktober 2013

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Thomas Whitaker soll am 22. Februar im US-Bundesstaat Texas hingerichtet werden. 2007 wurde er des Mordes an seiner Mutter und seinem Bruder schuldig gesprochen. Die beiden starben durch Schüsse, die auch seinen Vater schwer verletzten. Doch der Vater überlebte. Inzwischen versucht er, eine Begnadigung seines Sohnes zu erwirken. +++ UPDATE: Am 20. Februar hat sich der Begnadigungsausschuss von Texas einstimmig für eine Umwandlung des Todesurteils in eine lebenslange Haftstrafe ausgesprochen. Der texanische Gouverneur Greg Abbott kann diese Empfehlung nun annehmen oder ablehnen. Der Hinrichtungstermin ist weiterhin auf den 22. Februar 2018 angesetzt. +++

Appell an:

Governor Greg Abbott

Office of the Governor, P.O. Box 12428

Austin, Texas 78711-2428

USA

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Herrn Kent Doyle Logsdon
Geschäftsträger a.i., Gesandter-Botschaftsrat

Clayallee 170
14191 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: feedback@usembassy.de

Amnesty fordert:

  • Am 20. Februar hat sich der Begnadigungsausschuss einstimmig für eine Umwandlung des Todesurteils in eine lebenslange Haftstrafe ausgesprochen. Bitte nehmen Sie diese Empfehlung an und wandeln Sie das Todesurteil gegen Thomas Whitaker um.
  • Das Gnadengesuch wird von Mitgefangenen, Gefängispersonal und dem Vater, selbst Opfer von Thomas Whitaker, unterstützt.
  • Beziehen Sie in Ihre Entscheidung bitte die Tatsache mit ein, dass der eigentliche Schütze zu lebenslanger Haft und nicht zum Tode verurteilt wurde. Zudem gibt es aufwühlende Aussagen über den missglückten Verlauf der Strafmaßverhandlungen zwischen dem damaligen Staatsanwalt und der Verteidigung hinsichtlich eines Geständnisses, das die Staatsanwaltschaft später nutzte, um für die Todesstrafe zu plädieren.

Sachlage

UPDATE: Am 20. Februar hat sich der Begnadigungsausschuss von Texas einstimmig für eine Umwandlung des Todesurteils in eine lebenslange Haftstrafe ausgesprochen. Der texanische Gouverneur Greg Abbott kann diese Empfehlung nun annehmen oder ablehnen. Der Hinrichtungstermin ist weiterhin auf den 22. Februar 2018 angesetzt.

Am 10. Dezember 2003 ging die Familie Whitaker – Mutter, Vater und zwei Söhne – im Fort Bend County in Texas zum Abendessen in ein Restaurant. Als sie nach Hause zurückkehrten, wartete dort bereits Christopher Brashear auf sie. Dann wurde auf die Eltern Patricia und Kent Whitaker sowie den jüngeren Sohn Kevin Whitaker geschossen. Patricia und Kevin Whitaker starben, doch der Vater Kent Whitaker überlebte schwer verletzt. Später erfuhr er, dass sein älterer Sohn, Thomas Whitaker, die Morde geplant hatte und wusste, dass Christopher Brashear im Haus wartete, um die übrigen Familienmitglieder zu erschießen.

Am 5. März 2007 sprach eine Jury im Ford Bend County Thomas Whitaker des Mordes schuldig. Bei der Festlegung des Strafmaßes kam ihm strafmildernd zugute, dass er die Tat bereute und angeboten hatte, sich schuldig zu bekennen, wenn er im Gegenzug zu zwei lebenslangen Haftstrafen verurteilt würde. Zudem wollten weder sein Vater noch die Angehörigen mütterlicherseits eine Verurteilung zum Tode. Die Verteidigung stellte auch fest, dass der Bundesstaat für Christopher Brashear nicht die Todesstrafe gefordert hatte. Dieser wurde im September 2007 zu lebenslanger Haft verurteilt, Thomas Whitaker jedoch zum Tode

Thomas Whitakers Rechtsbeistände haben im Februar ein Gnadengesuch eingereicht, mit dem die Umwandlung des Todesurteils erreicht werden soll. Das zentrale Argument des Gesuchs ist, dass der Vater des Verurteilten, „verzweifelt um Gnade für seinen Sohn bittet“, obwohl er selbst ein Opfer des begangenen Verbrechens ist. Das Gnadengesuch erwähnt auch die Tatsache, dass der Bundesstaat Texas nicht nur Christopher Brashear von einem Todesurteil verschont hatte, sondern eingangs auch offen für eine Verurteilung von Thomas Whitaker zu zwei Mal lebenslänglich gewesen war. Dann aber sei die Verhandlung mit den Rechtsbeiständen der Verteidigung „sehr schiefgelaufen“. Laut eidesstattlichen Erklärungen dieser Rechtsbeistände hatte der Staatsanwalt gesagt, er zöge eine Verurteilung zu lebenslanger Haft im Tausch gegen ein rein sachliches schriftliches Geständnis des Angeklagten ohne Ausdruck der Reue in Erwägung. Als die Rechtsbeistände der Verteidigung dem Staatsanwalt ein solches Geständnis vorlegten, lehnte dieser es mit der Begründung ab, es enthalte keinen Ausdruck der Reue. Der Staatsanwalt stritt ab, dass er die Umgehung der Todesstrafe im Tausch gegen ein Geständnis zugesagt hatte, nutzte das Geständnis aber im Verfahren. Er beschrieb das Geständnis als eine „Erklärung, die im Laufe der Strafmaßverhandlungen abgegeben wurde“. Als er dann für die Todesstrafe plädierte, betonte er die im Geständnis fehlende Reue. 2015 bemerkte eine Bundesrichterin, dass dies „besonders erschütternd” sei, hielt das Todesurteil aber aufrecht. Die Hinrichtung soll am 22. Februar 2018 stattfinden.

Das Gnadengesuch enthält auch Briefe von Mithäftlingen, die auf Thomas Whitakers persönliche Rehabilitation hinweisen und betonen, dass er eine große Bereicherung für andere Gefangene ist. Auch mehrere Gefängniswärter_innen unterstützen das Gnadengesuch mit Briefen.

Amnesty International wendet sich in allen Fällen, weltweit und ausnahmslos gegen die Todesstrafe. Bis heute haben 142 Länder die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Hintergrundinformationen (Auf Englisch)

In an opinion issued in March 2015, a US District Court judge wrote that he was concerned by the allegations about how the prosecution obtained the written confession (“the proffer”) which it then used in arguing for the death penalty against Thomas Whitaker. This federal judge noted that the appeal lawyers contended that the prosecution’s use of the proffer at trial “was repugnant to basic principles of fundamental fairness” and that the Texas Court of Criminal Appeals’ (TCCA) rejection of the claim that Thomas Whitaker’s due process rights had been violated was unreasonable. The federal judge further wrote that he “shares Mr. Whitaker’s concerns about the State’s decision to use the proffer at trial. Texas Rule of Evidence 410 -- like its federal counterpart -- assures all criminal defendants that they may enter into plea discussions without fear of supplying evidence that later may be used against them… The alleged facts here are particularly troubling, as [the prosecutor] purportedly directed that the proffered statement not include any expressions of remorse — the very feature of the proffered statement which he and his co-counsel then highlighted at trial as evidence that Mr. Whitaker was unrepentant, manipulative, and deserving of the death penalty.” However, under the deference that federal courts are required to give state court decisions under the 1996 Antiterrorism and Effective Death Penalty Act (AEDPA), the federal judge upheld the TCCA’s rejection of the claim that the prosecution’s alleged solicitation and use of the proffer at trial did not violate the defendant’s fair trial rights.

After hearing the sentencing phase evidence, on 8 March 2007, the jury found that there was a probability that Thomas Whitaker would commit acts of criminal violence that would constitute a continuing threat to society if he was allowed to live, even in prison. This so-called ‘future dangerousness’ question that must be answered in the affirmative before a Texas defendant can be sentenced to death, and is an aspect of the Texas death penalty that has drawn many claims of questionable tactics by prosecutors in their pursuit of an affirmative answer to this question. The letters from guards, inmates and others submitted with the clemency petition challenge such a jury finding in this case, as the petition itself points out

The clemency petition also states: “When Kent Whitaker closes his eyes, he remembers the killings and his own near-death. This Board [of Pardons and Paroles] can spare him from the indignity and cruelty of searing into him a new memory, the experience of watching his son be killed. The Board can and should spare us all from such a miserable and meaningless spectacle”.

There have been 1,468 executions in the USA since they resumed in 1977 under new capital laws approved by the Supreme Court in 1976. Texas accounts for 548 of these executions. There have been three executions in the USA so far this year, all three of them in Texas.