Reproduktive Rechte schützen!

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Im März 2020 versprach der argentinische Präsident Alberto Fernandez, dem Kongress noch vor Ende des Jahres einen Gesetzentwurf zur Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen vorzulegen. Am 17. November löste er sein Versprechen ein und legte dem Kongress einen entsprechenden Gesetzentwurf vor. Dieser wird jetzt diskutiert und bis Februar 2021 soll darüber abgestimmt werden. Amnesty International wird sich auch weiterhin aktiv und entschlossen dafür einsetzen, dass beide Kammern die Gesetzesvorlage annehmen und Schwangerschaftsabbrüche in Argentinien bald legal sind.

Aktivistinnen in Argentinien demonstrieren zum Weltfrauentag 2017

Protest zum Weltfrauentag in Argentinien 2017

Im März 2020 versprach der argentinische Präsident Alberto Fernandez, dem Kongress noch vor Ende des Jahres einen Gesetzentwurf zur Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen vorzulegen. Am 30. November endet die laufende Sitzungsperiode des Kongresses. Wenn dieses Versprechen bis dahin nicht eingelöst wird, schwinden die Chancen auf eine Verabschiedung der Gesetzesvorlage beträchtlich. Der Präsident muss zu seinem Wort stehen und die Rechte auf Leben, Gesundheit und Selbstbestimmung achten, schützen und gewährleisten, indem er noch vor Ende des Jahres einen entsprechenden Gesetzentwurf einbringt.

Setzt euch für die reproduktiven Rechte in Argentinien ein!

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Präsident,

im März 2020 versprachen Sie, dem Kongress noch vor Ende des Jahres einen Gesetzentwurf zur Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen vorzulegen. Am 30. November endet die laufende Sitzungsperiode des Kongresses. Wenn dieses Versprechen bis dahin nicht eingelöst wird, schwinden die Chancen auf eine Verabschiedung der Gesetzesvorlage beträchtlich. Der derzeit eingeschränkte Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen ist ein ernstes Problem für die öffentliche Gesundheit und führt zu vermeidbaren Todesfällen unter Frauen und Schwangeren.

Bitte stehen Sie zu Ihrem Wort und werden Sie den Verpflichtungen Argentiniens gemäß internationalen Menschenrechtsnormen gerecht, nach denen die Rechte auf Leben, Gesundheit und Selbstbestimmung geachtet, geschützt und gewährleistet werden müssen. Tun Sie dies, indem Sie dem Kongress noch vor Ende des Jahres einen Gesetzentwurf vorlegen, der den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen in Argentinien vollständig entkriminalisiert und gewährleistet.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Alberto Fernandez,

In March 2020, you publicly committed to present a bill to Congress to legalise abortion before the year’s end.  This commitment has still not been fulfilled as we quickly approach the end of Congress’ current session on 30 November. After this date the possibilities of getting this vital bill approved will diminish significantly. Restricting access to abortion causes a serious and urgent public health problem, leading to avoidable deaths of women and pregnant people.

Therefore, we call on to you to honour your commitment and meet Argentina’s obligations under international human rights law to respect, protect, and fulfil women and girls’ rights to life, health and autonomy, by introducing a bill that fully decriminalizes and guarantees universal access to abortion in Argentina to the Congress before the end of 2020.

Yours sincerely,

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Bitte abschicken bis: 30.11.2020

Appell an

Alberto Fernandez
President of the Republic of Argentina
Casa Rosada
Buenos Aires

ARGENTINIEN

Sende eine Kopie an

Botschaft der Republik Argentinien
S. E. Herrn Pedro Raúl Villagra Delgado
Kleiststraße 23-26, 10787 Berlin
Fax: 030-229 14 00
E-Mail: ealem@mrecic.gov.ar

Amnesty fordert:

  • Bitte stehen Sie zu Ihrem Wort und werden Sie den Verpflichtungen Argentiniens gemäß internationalen Menschenrechtsnormen gerecht, nach denen die Rechte auf Leben, Gesundheit und Selbstbestimmung geachtet, geschützt und gewährleistet werden müssen. Tun Sie dies, indem Sie dem Kongress noch vor Ende des Jahres einen Gesetzentwurf vorlegen, der den universellen Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen in Argentinien vollständig entkriminalisiert und gewährleistet.

Sachlage

Im Juni 2018 nahm die Zweite Kammer des argentinischen Kongresses einen Gesetzentwurf zur Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in den ersten 14 Schwangerschaftswochen an. Dies war ein historischer Sieg für die Bewegung zur Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, die in Argentinien rapide anwächst und als Marea Verde (Grüne Welle) bekannt ist. Die Bewegung entstand nach zwei Monaten öffentlicher Demonstrationen und zahlreichen Anhörungen vor dem Parlament.

Die Gesetzesvorlage wurde daraufhin jedoch im Senat mit knapper Mehrheit abgelehnt, trotz enormer Demonstrationen und massiver internationaler Solidarität. Amnesty International hat ihre Mitglieder für die Kampagne mobilisiert und an Regierungsangehörige und einflussreiche Personen weltweit appelliert, sich für den Gesetzentwurf auszusprechen. Unter anderem schaltete die Organisation eine ganzseitige Anzeige in der New York Times, um die Senator_innen aufzufordern, die Gesetzesvorlage anzunehmen.

Die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in Argentinien darf nicht länger aufgeschoben werden. Der derzeit eingeschränkte Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen ist ein ernstes Problem für die öffentliche Gesundheit und führt zu vermeidbaren Todesfällen unter Frauen und Schwangeren, wobei die schutzbedürftigsten Gesellschaftsgruppen in der Regel am stärksten betroffen sind.

Berichten zufolge werden in Argentinien pro Jahr eine halbe Million gesundheitsgefährdende Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen. Mehr als 3.000 Menschen haben seit 1984 die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen mit dem Leben bezahlt, und jedes Jahr werden 39.000 Frauen wegen Komplikationen, die mit Schwangerschaftsabbrüchen zusammenhängen, ins Krankenhaus eingeliefert.

In den vergangenen 25 Jahren haben mehr als 50 Länder ihre Gesetze geändert, um einen besseren Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen zu gewährleisten, da der Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen beim Schutz von Leben und Gesundheit eine wichtige Rolle spielt. Argentinien hat die historische Chance, sichere Schwangerschaftsabbrüche zu ermöglichen und so seinen internationalen menschenrechtlichen Verpflichtungen gerecht zu werden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Zahlreiche Menschenrechtsgremien der Vereinten Nationen haben Argentinien aufgefordert, die sexuellen und reproduktiven Rechte zu schützen. Hierzu zählt auch die Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, um die Rechte auf Leben, Gesundheit, Würde, Privatsphäre und Gewaltfreiheit von Frauen und Schwangeren zu gewährleisten. Die UN-Arbeitsgruppe für die Frage der Diskriminierung von Frauen im Recht und in der Praxis hat in einer Stellungnahme die argentinische Legislative dafür gelobt, dass sie das Thema eingebracht und debattiert hat. Die Stellungnahme unterstreicht die Bedeutung und Dringlichkeit einer besseren Gewährleistung der reproduktiven Rechte und fordert ausdrücklich die Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzentwurfs.

Seit den Wahlen im Jahr 2019 hat Argentinien einen neuen Kongress. Gemäß Verfahrensordnung bedeutet dies, dass eine neue Gesetzesvorlage zur Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen vorgelegt und debattiert werden kann. Präsident Alberto Fernandez hat sich bereits für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen ausgesprochen und zugesichert, dem Kongress noch vor Ende dieses Jahres einen Gesetzentwurf vorlegen zu wollen. Argentinien wäre damit das erste Land in Lateinamerika, in dem der Präsident eine Gesetzesvorlage für die Entkriminalisierung und Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen einbringt. Der Prozess hat sich durch die Coronavirus-Pandemie jedoch verzögert und nun wird befürchtet, dass der Gesetzentwurf in diesem Jahr nicht mehr vorgelegt wird. In einem solchen Fall stehen die Chancen für die Gesetzesvorlage schlecht, da im Jahr 2021 Kongresswahlen anstehen und der politische Kontext daher ungünstig ist. Amnesty International fordert Alberto Fernandez deshalb auf, sein Versprechen einzulösen und den Gesetzentwurf noch in der laufenden Sitzungsperiode im Kongress einzubringen.