Myanmar: Ex-Politiker gefoltert

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Ein Polizist mit Hut und Sonnenbrille steht in einer Gruppe Polizisten, die Helme und Schutzschilde tragen. Er hält eine Maschinenpistole in den Händen.

Sicherheitskräfte in der Stadt Naypyidaw in Myanmar am Rande einer Demonstration gegen den Militärputsch (9. Februar 2021)

Am 1. Februar 2021 wurde der damalige Regierungschef des Shan-Staats in Myanmar, Linn Htut, im Rahmen eines Militärputsches bei einer landesweiten Razzia gegen hochrangige Regierungsangehörige festgenommen. Nachdem man ihn Berichten zufolge gefoltert und Schlafentzug, Isolationshaft und unfairen Gerichtsverfahren ausgesetzt hatte, wurde Linn Htut auf der Grundlage konstruierter Anklagen wegen Korruption und Wahlbetrugs zu insgesamt 20 Jahren Haft und Zwangsarbeit verurteilt. Im Februar 2025 erklärte die UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierung die Inhaftierung von Linn Htut für willkürlich und forderte seine sofortige Freilassung. Angesichts von 1.800 gemeldeten Todesfällen in Haft in Myanmar innerhalb von drei Jahren ist Linn Htut in großer Gefahr. Der 65-Jährige leidet an mehreren chronischen Erkrankungen, die durch jahrelange Folter und schlechte Haftbedingungen noch verschlimmert wurden. Das Militär in Myanmar muss Linn Htut umgehend und bedingungslos freilassen.

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr General Min Aung Hlaing,

mit großer Sorge habe ich von Linn Htuts Schicksal erfahren. Am 1. Februar 2021 wurde der damalige Regierungschef des Shan-Staats in Myanmar im Rahmen eines Militärputsches bei einer landesweiten Razzia gegen hochrangige Regierungsangehörige festgenommen. Nachdem man ihn Berichten zufolge gefoltert und Schlafentzug, Isolationshaft und unfairen Gerichtsverfahren ausgesetzt hatte, wurde Linn Htut auf der Grundlage konstruierter Anklagen wegen Korruption und Wahlbetrugs zu insgesamt 20 Jahren Haft und Zwangsarbeit verurteilt. Im Februar 2025 erklärte die UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierung die Inhaftierung von Linn Htut für willkürlich und forderte seine sofortige Freilassung. Angesichts von 1.800 gemeldeten Todesfällen in Haft in Myanmar innerhalb von drei Jahren ist Linn Htut in großer Gefahr. Der 65-Jährige leidet an mehreren chronischen Erkrankungen, die durch jahrelange Folter und schlechte Haftbedingungen noch verschlimmert wurden. 

Bitte lassen Sie Linn Htut unverzüglich und bedingungslos frei.

Sorgen Sie bis zu seiner Freilassung dafür, dass er in der Haft keiner Folter oder anderen Misshandlungen ausgesetzt ist und regelmäßigen Zugang zu seiner Familie, einem Rechtsbeistand und medizinischer Versorgung erhält.

Mit freundlichen Grüßen

To Min Aung Hlaing,

I am writing to you in concern of Shan State Chief Minister Linn Htut. As you will be aware, he is currently detained and serving 20 years in prison with deteriorating health, while also enduring human rights violations including solitary confinement, unfair trials, and torture, all over trumped-up charges. He must be immediately and unconditionally released and provided with access to urgent medical care.

I note with grave concern that the UN Working Group on Arbitrary Detention determined that Linn Htut’s detention is arbitrary, based on a confession extracted from him through torture, such as sleep deprivation and hours-long interrogations. He was reportedly told by his captors that he would be released if he agrees to support the military rule, which he refused, indicating that Linn Htut is targeted solely for his political position as Shan state chief minister, and for his affiliation with the National League for Democracy. 

It is distressing to learn that Linn Htut, now 65 years old, suffers from various medical conditions, including diabetes and hypertension. He faces severe risks to his health especially owing to poor and unhygienic conditions in detention places. 

The concern for Linn Htut’s wellbeing is further heightened upon reading a September 2024 report by the UN High Commissioner for Human Rights, which stated that at least 1,800 people died in custody in Myanmar between February 2021 and June 2024. Among them, according to the Political Prisoners Network-Myanmar, are at least 130 political prisoners who have died due to abusive interrogation, other ill-treatment or denial of access to adequate healthcare since the 2021 coup. The ASEAN Parliamentarians for Human Rights has stated that the continued detention of political prisoners in Myanmar is "a stain on our regional conscience".

I therefore urge you to:

  • Immediately and unconditionally release Linn Htut
  • Pending his release, ensure that he is not subjected to further torture and other ill-treatment while in detention, and that he has adequate access to his family, lawyers and healthcare.

Yours sincerely,

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Auch per Onlineformular an Min Aung Hlaing: https://sacministry.gov.mm/en/contact-us 

Botschaft der Republik der Union Myanmar
Herrn Han Thein Kyaw
Geschäftsträger a.i.
Thielallee 19
14195 Berlin
Fax: 030-2061 5720
E-Mail: info@meberlin.com

Amnesty fordert:

  • Bitte lassen Sie Linn Htut unverzüglich und bedingungslos frei.
  • Sorgen Sie bis zu seiner Freilassung dafür, dass er in der Haft keiner Folter oder anderen Misshandlungen ausgesetzt ist und regelmäßigen Zugang zu seiner Familie, einem Rechtsbeistand und medizinischer Versorgung erhält.

Sachlage

Die Lage des ehemaligen Regierungschefs des burmesischen Shan-Staats, Linn Htut, gibt Anlass zur Sorge. Linn Htut befindet sich derzeit in Haft, weil er eine 20-jährige Freiheitsstrafe auf der Grundlage konstruierter Anklagen verbüßt. Sein Gesundheitszustand hat sich verschlechtert und er ist Menschenrechtsverletzungen wie Isolationshaft und Folter ausgesetzt. Linn Htut musss umgehend und bedingungslos freigelassen werden und in der Zwischenzeit die notwendige medizinische Versorgung erhalten. Die Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen für willkürliche Inhaftierungen hat festgestellt, dass die Inhaftierung von Linn Htut willkürlich ist, da sie auf einem Geständnis basiert, das ihm durch Folter wie Schlafentzug und stundenlange Verhöre abgerungen wurde. Seine Entführer*innen sollen ihm gesagt haben, dass er freigelassen würde, wenn er sich bereit erkläre, die Militärherrschaft zu unterstützen, was er jedoch ablehnte. Dies deutet darauf hin, dass Linn Htut ausschließlich wegen seiner politischen Position als Regierungschef des Shan-Staats und wegen seiner Zugehörigkeit zur Partei National League for Democracy (NLD) ins Visier genommen wurde.

Der mittlerweile 65-jährige Linn Htut leidet an verschiedenen Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck. Er ist insbesondere aufgrund der schlechten und unhygienischen Bedingungen in Haftanstalten erheblichen Gesundheitsrisiken ausgesetzt.

Verstärkt wird die Sorge um Linn Htut noch durch einen Bericht des UN-Hochkommissars für Menschenrechte vom September 2024. Darin wird festgestellt, dass in Myanmar zwischen Februar 2021 und Juni 2024 mindestens 1.800 Menschen in Haft gestorben sind. Unter ihnen befanden sich der NGO Political Prisoners Network-Myanmar zufolge mindestens 130 politische Gefangene, die seit dem Putsch von 2021 aufgrund von Menschenrechtsverletzungen bei Verhören, anderen Misshandlungen oder der Verweigerung einer angemessenen medizinischen Versorgung gestorben sind. Die Menschenrechtsorganisation ASEAN Parliamentarians for Human Rights erklärte die fortgesetzte Inhaftierung politischer Gefangener in Myanmar zum "Schandfleck für unser regionales Gewissen".

Hintergrundinformation

Hintergrund

Linn Htut war zum Zeitpunkt seiner Festnahme am 1. Februar 2021 Regierungschef des Shan-Staates für die Partei National League for Democracy (NLD) in zweiter Amtszeit. Als er in der Gouverneursresidenz in Taunggyi festgenommen wurde, legte man ihm weder einen Haftbefehl vor noch nannten die Sicherheitskräfte den Grund für seine Festnahme, bevor man ihn in eine Militärkaserne brachte. Am folgenden Tag wurde er in die Residenz zurückgebracht und zusammen mit seiner Familie für eine Woche unter Hausarrest gestellt. Am 10. Februar 2021 brachte ihn das Militär erneut gewaltsam in eine geheime Haftanstalt in Taunggyi, der Hauptstadt des Shan-Staates, wo er bis Juli 2021 ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten wurde.

Laut der Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen für willkürliche Inhaftierungen ist Linn Htut ein "angesehener politischer Führer, der sich für die Entwicklung der Gemeinschaft engagiert, Hilfskampagnen geleitet und Spenden für wohltätige Zwecke gesammelt hat". 

Die Arbeitsgruppe stellte ferner fest, dass Linn Htut ihrer Quelle zufolge im Mai 2021 gefoltert und anderweitig misshandelt wurde. Dabei soll ihm ein Militärangehöriger des Shan-Staates gesagt haben, dass er aus der Haft entlassen würde, wenn er sich bereit erklärte, das Militärregime zu unterstützen und sich diesem anzuschließen. Dies habe Linn Htut jedoch abgelehnt. Anschließend wurde er Berichten zufolge gefoltert, um ein falsches Geständnis wegen Korruption zu erzwingen, und zwei Wochen lang Schlafentzug ausgesetzt sowie stundenlangen Verhören ohne Rechtsbeistand oder Pause unterzogen. 

Im Juli 2021 wurde er in das Staatsgefängnis von Nyaung Shwe verlegt, wo er in Isolationshaft gehalten und daran gehindert wurde, mit anderen politischen Gefangenen zu sprechen. Außerdem soll seine Zelle von Ratten und Ameisen befallen gewesen sein.

Im August 2021 begann der Prozess gegen Linn Htut in einem provisorischen Gerichtsgebäude neben dem Staatsgefängnis, zu dem weder seine Familie noch die Medien Zugang hatten. Während der tagelangen Verhandlungssitzungen erhielt er weder Essen noch Wasser, und er wurde nachts verhört. Zwischen Januar und November 2022 wurde Linn Htut von mindestens zwei Gerichten auf der Grundlage konstruierter Anklagen wegen Korruption, Wahlbetrugs und der Beteiligung an Wahlkampagnen zu insgesamt 20 Jahren Haft mit Zwangsarbeit verurteilt. 

Im Dezember 2022 wurde er in das berüchtigte Tharyarwaddy-Gefängnis in der Bago-Region verlegt, wo er derzeit seine Haftstrafe verbüßt. Linn Htut leidet unter mehreren gesundheitlichen Problemen, darunter Herzrhythmusstörungen, Diabetes und Bluthochdruck sowie Durchfall und Schmerzen in der Achillessehne, für die er Berichten zufolge keine angemessene medizinische Behandlung erhält. Seit seiner Festnahme wurde ihm lediglich ein viertelstündiger Besuch seiner Familie im Tharyarwaddy-Gefängnis gewährt.