Morddrohungen gegen Menschenrechtlerin

Diese Urgent Action ist beendet.

Die Sicherheit von Patricia Gualinga, einer Menschenrechtsverteidigerin, die sich für die Rechte Indigener einsetzt, ist Einschätzungen zufolge nicht mehr unmittelbar bedroht. Seit dem Angriff auf ihr Haus am 5. Januar gab es keine weiteren Vorfälle oder Drohungen gegen sie. Nach ihren Angaben wurden seither Schutzmaßnahmen für sie eingeleitet.

Patricia Gualinga Porträt

Die ecuadorianische Menschenrechtsverteidigerin Patricia Gualinga

Patricia Gualinga, eine Menschenrechtsverteidigerin, die sich für die Rechte Indigener einsetzt, hat angegeben, dass ein Unbekannter am 5. Januar Steine gegen die Fenster ihres Hauses geworfen und Morddrohungen gerufen habe.

Appell an:

Innenminister

César Navas Vera

Benalcázar N4-24 y Espejo,

C.P. 170401, Quito

ECUADOR

Sende eine Kopie an:

Generalstaatsanwalt
Dr. Carlos Baca Mancheno
Av. Patria y 12 de Octubre Edificio Patria
Quito
ECUADOR

E-Mail: bacac@fiscalia.gob.ec
Twitter: @FiscaliaEcuador

Botschaft der Republik Ecuador
Frau Jenny Elizabeth Lalama Fernández, Gesandte (Geschäftsträgerin a.i.)
Joachimstaler Straße 10-12
10719 Berlin

Fax: 030 - 800 969 699
E-Mail: info@ecuadorembassy.de

Amnesty fordert:

  • An den Innenminister: Bitte leiten Sie in Absprache mit Patricia Gualinga und ihrer Familie umgehend Schutzmaßnahmen ein, um deren Sicherheit zu gewährleisten.
  • Zudem bitte ich Sie, öffentlich die legitime Arbeit der Indigenensprecherin sowie aller anzuerkennen, die sich für Landrechte und den Umweltschutz einsetzen, um so sicherzustellen, dass Menschenrechtsverteidiger_innen ihr Engagement in einem sicheren Umfeld ausüben können.
  • An den Ombudsmann: Stellen Sie sicher, dass Schutzmaßnahmen für Patricia Gualinga und ihre Familie eingeleitet werden und die Sicherheitslage von Menschenrechtsverteidiger_innen, die sich für Landrechte und Umweltbelange einsetzen, zum Gegenstand einer Untersuchung gemacht werden.
  • An den Staatsanwalt: Bitte leiten Sie umgehend eine Untersuchung des Angriffs auf Patricia Gualinga ein, veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie sicher, dass die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.

Sachlage

Am frühen Morgen des 5. Januar hat ein Unbekannter Steine auf das Haus von Patricia Gualinga in Puyo in der Provinz Pastaza geschleudert und dabei gedroht, die Menschenrechtlerin zu töten. Zum Zeitpunkt des Angriffs hielt sich Patricia Gualinga zusammen mit ihren Eltern und ihrem Kind in dem Haus auf. Noch am selben Tag meldete sie den Vorfall der Polizei und erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft der Provinz Pastaza. Bislang haben Patricia Gualinga und ihre Familie weder Schutzmaßnahmen der Behörden erhalten noch hat es sichtbare Fortschritte bei den Ermittlungen gegeben.

Patricia Gualinga ist eine Indigenensprecherin der Kichwa innerhalb der indigenen Gemeinschaft der Sarayaku. Deren angestammtes Land liegt im Osten Ecuadors. Patricia Gualinga setzt sich für Landrechte und den Umweltschutz im Kontext von Projekten der Rohstoffförderung im ecuadorianischen Amazonasgebiet ein. Konkret geht es um Konzessionen für die Erdölförderung auf dem angestammten Land der Kichwa und Sarayaku, der Sápara, Achuar Shuar, Shiwiar, der Gemeinden Santa Clara und San Jacinto und der Städte Puyo und Shell-Mera.

Viele Sprecher_innen und Menschenrechtsverteidiger_innen der zuvor genannten Gemeinschaften haben ihre Sorge bezüglich der Auswirkungen der Erdölförderung auf ihr Land und ihre Wasserressourcen – zum Beispiel auf die Flüsse Villano und Curaray – zum Ausdruck gebracht. Aufgrund ihres menschenrechtlichen Engagements haben sie Drohungen erhalten und sind drangsaliert worden. Nach tagelangen Protesten und einem Treffen mit der größten Indigenenorganisation Ecuadors La Confederación de Nacionalidades Indígenas del Ecuador (CONAIE) sagte Präsident Lenin Moreno zu, die Konzessionen für die Erdölförderung und andere Rohstoffe, die ohne vorherige Konsultation vergeben wurden, auszusetzen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Im Juni 2012 erließ der Interamerikanischer Gerichtshof für Menschenrechte ein Urteil gegen den Staat Ecuador, nachdem ein ausländisches Ölunternehmen Anfang der 2000er-Jahre die Erlaubnis erhalten hatte, auf dem angestammten Land der Sarayaku Aktivitäten durchzuführen, ohne dass eine vorherige Konsultation mit den Sarayaku stattgefunden hatte. Der Internationale Gerichtshof für Menschenrechte befand, dass der ecuadorianische Staat die Rechte der Gemeinschaft auf vorherige Konsultation sowie ihre Eigentumsrechte und ihr Recht auf kulturelle Identität verletzt habe. Der Gerichtshof kam außerdem zu dem Schluss, dass der Staat Ecuador das Leben und die körperliche Unversehrtheit der Sarayaku einer großen Gefahr ausgesetzt habe, nachdem das Ölunternehmen über 1.400 kg Sprengstoff auf dem Siedlungsgebiet der indigenen Gemeinschaft platziert hatte. Ecuador hat das Urteil noch nicht vollständig umgesetzt. Patricia Gualinga hat in diesem gesamten Prozess eine maßgebliche Rolle gespielt.