Luftverschmutzung gefährdet Millionen Menschen

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Demonstration mit Schildern

  Klimastreik in Pakistan (Islamabad), 20.September 2019

Die Luft in Punjab, der bevölkerungsreichsten Provinz Pakistans, ist so stark verschmutzt, dass die Gesundheit und das Leben der Menschen in großer Gefahr sind. Schulen mussten schließen, Atemwegserkrankungen nehmen immer mehr zu und die Menschen können kaum noch atmen. Am 13. November erreichte der Luftqualitätsindex in Lahore, der Hauptstadt des Punjab, 556 und lag damit weit über dem Schwellenwert für „gefährliche“ Werte, der bei 300 beginnt. Die pakistanische Regierung bewertet die Luftqualität anhand von Maßstäben, die nicht den internationalen Standards entsprechen, und so sind die Menschen nicht ausreichend gewarnt, um sich vor dem Smog schützen zu können.

Schützt die Menschen vor der Luftverschmutzung in Punjab!

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Dein Appell

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Sehr geehrte Frau Ministerin,

mit großer Sorge beobachte ich die Situation in Punjab. Ich fordere Sie höflich auf, ihren Menschenrechtsverpflichtungen nachzukommen und dringend Maßnahmen zu ergreifen, um die Menschen in Punjab vor den schädlichen Folgen einer schlechten Luftqualität zu schützen.

Sorgen Sie bitte dafür, dass die Bevölkerung von Lahore Zugang zu Informationen über den jeweiligen Smog-Schweregrad hat.

Setzen Sie die Empfehlungen der gerichtlich ernannten Smog-Kommission in Punjab um, darunter auch den Aktionsplan für saubere Luft in Pakistan.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Minister Zartaj Gul Wazir,

I am extremely concerned about the risks that the hazardous air poses for the health and lives of the people in Lahore. The government’s failure to adequately protect people from exposure to this air puts their human rights at risk, including their rights to health and life.

Given the potentially devastating impacts of poor air quality on people’s lives, health and human rights, we urge you take the following urgent steps to ensure that people in Lahore are protected from the impact of this hazardous air, including:

Ensure that the people of Lahore have access to correct information about the severity of the smog

Implement the recommendations of the court-appointed Smog Commission of Punjab, including the Punjab Clean Air Action Plan.

Yours sincerely,

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Hier kannst du deine Botschaft als PDF-Datei herunterladen und ausdrucken oder sie direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.

Bitte abschicken bis: 03.01.2020

Appell an:

Zartaj Gul Wazir

Minister (State) of Climate Change

4th floor, Local Government Complex

G-5/2, Islamabad

PAKISTAN

Sende eine Kopie an:

Botschaft der islamischen Republik Pakistan
S. E. Herrn Jauhar Saleem

Schaperstr. 29
10719 Berlin

Fax: 030-2124 4210
E-Mail: mail@pakemb.de

Amnesty fordert:

  • Ich fordere Sie höflich auf, ihren Menschenrechtsverpflichtungen nachzukommen und dringend Maßnahmen zu ergreifen, um die Menschen in Punjab vor den schädlichen Folgen einer schlechten Luftqualität zu schützen.
  • Sorgen Sie bitte dafür, dass die Bevölkerung von Lahore Zugang zu Informationen über den jeweiligen Smog-Schweregrad hat.
  • Setzen Sie die Empfehlungen der gerichtlich ernannten Smog-Kommission in Punjab um, darunter auch den Aktionsplan für saubere Luft in Pakistan.

Sachlage

Amnesty International ist äußerst besorgt angesichts der Risiken, die die gefährliche Luftverschmutzung für die Gesundheit und das Leben der Menschen in Lahore darstellt. Das Versäumnis der Regierung, die Menschen angemessen vor der schädlichen Luft zu schützen, gefährdet deren Menschenrechte, einschließlich der Rechte auf Gesundheit und Leben.

Wie ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2018 zeigt, sind besonders Kinder anfällig für die gesundheitlichen Auswirkungen gefährlicher Luftverschmutzungen, weil ihre noch im Wachstum befindliche Lunge doppelt so viel Sauerstoff benötigt und sie durch die schlechte Luft ständig krank werden. Es wird bereits davon ausgegangen, dass die Lebenserwartung der in Lahore lebenden Menschen aufgrund der schlechten Luftqualität um 5 Jahre niedriger ist als im übrigen Pakistan.

Angesichts der potenziell verheerenden Auswirkungen der schlechten Luftqualität auf das Leben der Menschen, ihre Gesundheit und ihre Menschenrechte muss die Regierung Pakistans dringend Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass die Menschen in Lahore davor geschützt werden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Das Recht auf Gesundheit wird durch zahlreiche internationale Verträge anerkannt, die Pakistan ratifiziert hat, darunter Artikel 12.1 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, Artikel 11.1 (f) und 12 des Übereinkommens zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau von 1979 und Artikel 24 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes von 1989. Dieses Recht nicht zu respektieren, zu schützen und einzuhalten, stellt eine Menschenrechtsverletzung dar.

In seinem Bericht vom März 2019 beschrieb der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Menschenrechte und Umwelt die Bestandteile des „Rechts auf saubere Luft“, zu denen auch die Überwachung der Luftqualität und der Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sowie die öffentliche Bereitstellung von Informationen über die Luftqualität gehörten. 

Die Luftqualität wurde in Punjab fast das ganze Jahr über als „fast ungesund“ und „sehr ungesund“ eingestuft. Während der „Smogsaison“ von Oktober bis Januar erreicht die Luftqualität „gefährliche“ Werte, wie die Erfassung durch mehrere, unabhängige Quellen zeigt, darunter durch die Luftqualitätsüberwachung des US-amerikanischen Konsulats in Lahore und von der Umweltinitiative Pakistan Air Quality Initiative per Crowdsourcing zusammengetragene Daten. Der hohe Smogpegel ist kein neues Problem und kam auch nicht ohne Vorwarnung. Statt sich der Verantwortung zu entziehen, muss die pakistanische Regierung das Smogproblem als das behandeln, was es ist: eine Krise der öffentlichen Gesundheit.

Am 4. November reichten drei junge Mädchen wegen der „Verletzung ihres grundlegenden Rechts auf eine saubere und gesunde Umgebung“ Klage gegen die Regierung von Punjab ein. In der Klageschrift beschuldigen die drei Jugendlichen aus Lahore die Regierung, das Ausmaß der Krise dadurch heruntergespielt zu haben, dass sich die von ihr verwendeten Maßstäbe von denen unterscheiden, die in anderen Ländern verwendet und international akzeptiert werden. Ein Luftreinhaltungsindex (AQI) von 185, heißt es in der Petition weiter, wird von der Station des Meteorologischen Instituts in Lahore auf der Website des Umweltschutzamtes als „zufriedenstellend“ eingestuft, während er in China und Indien als „mäßig verschmutzt“ und in Singapur, Südkorea und den Vereinigten Staaten als „ungesund“ gilt. Zuvor hatte der Staatsminister für Klimawandel die AQI-Daten in Frage gestellt und darauf bestanden, dass die Luft in Lahore „nirgendwo so schlecht ist wie von bestimmten Interessengruppen behauptet“.

Eine längere oder starke Aussetzung gefährlicher Luft kann zu schweren Gesundheitsproblemen wie Asthma, Lungenschäden, Infektionen der Bronchien und Herzproblemen sowie einer verkürzten Lebenserwartung führen und damit die Rechte der Menschen auf Leben und Gesundheit sowie das Recht auf eine gesunde Umwelt gefährden.

Geringverdienende Arbeitskräfte wie Arbeiter_innen, Bauarbeiter_innen, Landarbeiter_innen und marginalisierte Gruppen sind besonders gefährdet, da sie aufgrund ihrer Tätigkeit den ganzen Tag über gefährlichen Luftverschmutzungen ausgesetzt sind. Die Tatsache, dass die Gesundheitsversorgung nicht für alle erschwinglich ist, bedeutet, dass nur diejenigen, die sie sich leisten können, Zugang zur Gesundheitsversorgung und zu anderen Präventionsmaßnahmen haben, um die Auswirkungen der Einatmung gefährlicher Luft zu mildern.

Die gerichtlich ernannte Smog-Kommission in Punjab hat im Mai 2018 eine Reihe von Empfehlungen ausgesprochen, darunter die sofortige Verabschiedung und Umsetzung des Aktionsplans für saubere Luft in Punjab, die Einrichtung von Smog-Meldestellen auf Distriktebene und die Einführung geeigneter Technologien zur Reduzierung der Emissionen schädlicher Schadstoffe aus Ziegelöfen. Bisher wurden diese jedoch, wenn überhaupt, nur zum Teil umgesetzt. Nach wie vor stehen der Öffentlichkeit keine Echtzeitdaten des Umweltschutzamtes zur Luftqualität zur Verfügung, und es werden keine Anstrengungen unternommen, auf höherwertige Kraftstoffe umzusteigen.