Kein Kontakt zu Journalistin

Tage
:
Std
:
Min
Eine Person hinter komplett vergitterten Scheiben hebt den Arm

Ein Angeklagter im Gerichtssaal des Tora-Gefängnisses in Kario im August 2015

Seit dem 12. April dürfen die meisten Insass_innen im Gefängnis Al-Qanater wieder einmal wöchentlich Kleidung, Nahrungsmittel, Desinfektionsmittel, Briefe und ein warmes Essen von ihren Angehörigen erhalten. Doch der willkürlich inhaftierten Journalistin Solafa Magdy wurden bis zum 29. April die Pakete ihrer Familie verweigert. Die Familie hat bis jetzt weder Anrufe noch Briefe von ihr erhalten und ist deshalb angesichts eines möglichen Ausbruchs von COVID-19 in diesem Gefängnis in Sorge um ihre Sicherheit.

Setzt euch für Solafa Magdy, Hossam el-Sayed und Mohamed Salah ein!

Bereits bei "Mein Amnesty" registriert? Dann bitte hier anmelden.
Ich habe die Datenschutzhinweise zur Kenntnis genommen.
Meine Profildaten (Vorname, erster Buchstabe des Nachnamens) dürfen bei Aktionsteilnahme angezeigt werden.
Pflichtfelder

Dein Appell

In welcher Sprache möchtet du den Brief verschicken? Bitte auswählen

Sehr geehrter Herr Staatsanwalt,

mit großer Sorge höre ich von dem fehlenden Kontakt zwischen der inhaftierten Journalistin Solafa Magdy und ihrer Familie. Sie ist eine der drei o.g. gewaltlosen politischen Gefangenen.

Ich fordere Sie höflich auf, Solafa Magdy, Hossam el-Sayed und Mohamed Salah umgehend und bedingungslos freizulassen.

Ich bitte Sie, sicherzustellen, dass die Drei - bis zu ihrer Freilassung - regelmäßig mit ihren Familien und ihren Rechtsbeiständen kommunizieren können.

Die ägyptischen Behörden müssen all diejenigen umgehend und bedingungslos freilassen, die nur aufgrund der Ausübung ihrer journalistischen Tätigkeit und friedlichen Meinungsäußerung inhaftiert sind. Ergreifen Sie bitte umgehend Maßnahmen, um die Gesundheit aller Gefangenen während der Corona-Pandemie zu schützen.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Counsellor,

On 10 March 2020, the Egyptian authorities suspended all prison visits as a measure to prevent the spread of COVID-19. The authorities failed to introduce regular alternative means of communications between detainees and their families and lawyers such as bi-monthly phones calls like prescribed by Egyptian law.

On 16 April 2020, Al-Qanater women’s prison authorities prevented Solafa Magdy’s mother from sending her money, food and sanitizers while most other inmates have been allowed to receive such items since 12 April. Some, but not all inmates, have been able to send and receive written correspondence.

Solafa’s family was concerned that Solafa was facing disciplinary measures, as prison authorities prevent detainees held in disciplinary cells from receiving visits and packages from their families. On 29 April 2020, her family was finally allowed to send her food and cleaning products but remain concerned about her safety as they have received no letters from her.

Journalists Hossam el-Sayed and Mohamed Salah, detained at Tora Investigations prison, have been receiving essential items sent by their families weekly since 12 April. They were also able to receive but not send letters.

Amnesty International considers Solafa, Hossam and Mohamed to be prisoners of conscience detained solely for carrying out their legitimate work as journalists and for defending victims of human rights violations.

I therefore ask you to immediately and unconditionally release Solafa, Hossam and Mohamed. I call on you to also ensure that - pending their release – they are provided with means to regularly communicate with their families and lawyers. I finally urge the Egyptian authorities to immediately and unconditionally release all those detained solely for carrying out their journalistic work and for peacefully expressing their opinions and take measures to protect the health of all prisoners amid the COVID-19 pandemic.

Yours sincerely,

Du möchtest die Botschaft lieber per Brief, Fax oder mit deinem eigenen E-Mail-Programm versenden?

Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.

Bitte abschicken bis: 16.06.2020

Appell an:

Staatsanwalt
Hamada al-Sawi,
Office of the Public Prosecutor
Madinat al-Rehab

Cairo
ÄGYPTEN

Fax: (00 202) 2577 4716
Twitter: @EgyptJustice

Sende eine Kopie an:

Botschaft von Ägypten
S.E. Herrn Khaled Mohamed Galaleldin Abdelhamid
Stauffenbergstraße 6 – 7
10785 Berlin
Fax: 030-477 1049
E-Mail:
embassy@egyptian-embassy.de

Amnesty fordert:

  • Ich fordere Sie höflich auf, Solafa Magdy, Hossam el-Sayed und Mohamed Salah umgehend und bedingungslos freizulassen.
  • Ich bitte Sie, sicherzustellen, dass die Drei - bis zu ihrer Freilassung - regelmäßig mit ihren Familien und ihren Rechtsbeiständen kommunizieren können.
  • Die ägyptischen Behörden müssen all diejenigen umgehend und bedingungslos freilassen, die nur aufgrund der Ausübung ihrer journalistischen Tätigkeit und friedlichen Meinungsäußerung inhaftiert sind. Ergreifen Sie bitte umgehend Maßnahmen, um die Gesundheit aller Gefangenen während der Corona-Pandemie zu schützen.

Sachlage

Am 10. März untersagten die ägyptischen Behörden bis auf weiteres alle Gefängnisbesuche als Vorsichtsmaßnahme gegen die weitere Verbreitung von COVID-19. Sie stellten den Gefangenen jedoch keine alternativen Kommunikationsmöglichkeiten mit ihren Familien und Rechtsbeiständen zur Verfügung, wie das vom Gesetz vorgeschriebenen Telefonat alle zwei Monate.

Am 16. April 2020 untersagten die Behörden des Frauengefängnisses in Al-Qanater der Mutter von Solafa Magdy, ihr Geld, Nahrungsmittel und Desinfektionsmittel zu schicken, obwohl die meisten Insass_innen diese Artikel bereits seit dem 12. April wieder von ihren Angehörigen erhalten können. Einige, jedoch nicht alle Insass_innen, konnten auch Briefe verschicken und erhalten.

Die Familie befürchtete, dass Solafa Magdy Strafmaßnahmen ausgesetzt war, da die Gefängnisbehörden Gefangenen in Strafzellen weder Besuche noch Pakete ihrer Familien gestatten. Am 29. April konnte die Familie ihr endlich Essen und Hygieneprodukte schicken. Doch die Sorge um ihre Sicherheit besteht weiter, da die Familie keine Briefe von ihr erhält.

Die im Tora-Gefängnis inhaftiertern Journalisten Hossam el-Sayed und Mohamed Salah bekommen von ihren Familien seit dem 12. April wichtige Dinge des täglichen Bedarfs. Briefe wurden ihnen ebenfalls zugestellt. Sie selbst können jedoch keine verschicken.

Amnesty International ist der Ansicht, dass Solafa Magdy, Hossam el-Sayed und Mohamed Salah gewaltlose politische Gefangene sind, die sich nur deshalb in Haft befinden, weil sie friedlich ihrer Arbeit als Journalist_innen nachgegangen sind und sich für Betroffene von Menschenrechtsverletzungen eingesetzt haben.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Solafa Magdy, Hossam el-Sayed und Mohamed Salah sind freie Journalist_innen und arbeiten für verschiedene Medienkanäle. Solafa Magdy und Hossam el-Sayed sind verheiratet und haben einen siebenjährigen Sohn. Amnesty International ist der Ansicht, dass die Inhaftierung der Journalist_innen allein im Kontext ihrer Arbeit und ihrer Aktivitäten in den Sozialen Medien steht, mit denen sie gewaltlose politische Gefangene, darunter die mit ihnen befreundete Journalistin Esraa Abdelfattah, unterstützen.

Solafa Magdy und Mohamed Salah sehen sich den konstruierten Anklagen „Beitritt zu einer terroristischen Gruppe“ und „Verbreitung falscher Nachrichten“ gegenüber, während Hossam el-Sayed im Rahmen von Fall 488/2019 wegen der regierungskritischen Demonstrationen im März 2019 der „Mitgliedschaft in einer terroristischen Gruppe“ beschuldigt wird. Alle Drei sind seit dem 26. November 2019 inhaftiert. Am 15. März setzte das ägyptische Justizministerium alle gerichtlichen Anhörungen als Vorsichtsmaßnahme gegen die Verbreitung von COVID-19 aus. Deshalb werden Solafa Magdy, Mohamed Salah und Hossamj el-Sayed weder zu Gerichtverhandlungen noch zu Haftprüfungsanhörungen gebracht.

Seit Präsident Abdel Fattah al-Sisi die Macht übernommen hat blockieren die Behörden willkürlich Hunderte Websites und Nachrichten-Websites, durchsuchten und/oder schlossen die Büros von mindestens neun Medienkanälen und inhaftierten willkürlich Dutzende Journalist_innen. Amnesty International weiß derzeit von mindestens 37 Journalist_innen, die sich nur deshalb in Haft befinden, weil sie ihrer legitimen Arbeit nachgegangen sind oder Meinungen auf ihren persönlichen Seiten in den Sozialen Medien geäußert haben. Unter ihnen befinden sich mindestens 20 Journalist_innen, die nur aufgrund ihrer Arbeit inhaftiert sind, weil sie Recherchen durchgeführt, Reportagen veröffentlicht oder über regierungskritische Demonstrationen berichtet haben. Die Festnahme von Solafa Magdy, Hossam el-Sayed und Mohamed Salah steht im Zusammenhang mit dem Vorgehen der Behörden nach den Protesten vom September 2019 – der größten Inhaftierungswelle seit 2014. Zwei Tage vor der Festnahme der Journalist_innen waren die Redaktionsräume der unabhängigen Webseite Mada Masr durchsucht und vier journalistische Mitarbeiter_innen festgenommen, aber noch am selben Tag wieder freigelassen worden.

Am 20. und 21. September 2019 brachen in mehreren ägyptischen Städten Proteste aus, bei denen der Rücktritt des Präsidenten gefordert wurde. Anlass für die Proteste waren die Korruptionsvorwürfe des Armeeauftragnehmers Mohamad Ali. Er beschuldigte die ägyptische Militärführung und den Präsidenten, öffentliche Gelder für den Bau von Luxusimmobilien zu verschwenden.