Junger Täter hingerichtet

Diese Urgent Action ist beendet

Billy Wardlow wurde am 8. Juli hingerichtet. Er saß im US-Bundesstaat Texas in der Todeszelle, weil er schuldig gesprochen worden war, 1993 im Alter von 18 Jahren einen 82 Jahre alten Mann ermordet zu haben. Den Geschworenen wurden nie strafmildernde Faktoren vorgelegt. Seit 2005 ist es verfassungswidrig, ein Todesurteil gegen Personen zu verhängen, die zum Tatzeitpunkt unter 18 Jahre alt waren. Die wissenschaftliche Forschung zeigt, dass die Entwicklung des Gehirns und die psychologische und emotionale Reifung bis in die zwanziger Jahre weitergehen. Zwei Geschworene waren der Ansicht, dass sein Urteil angesichts dieser neuen Erkenntnisse hätte umgewandelt werden sollen.

Demonstration gegen die Todesstrafe in Boston, USA

Demonstration gegen die Todesstrafe in Boston, USA

Sachlage

Billy Wardlow wurde am 8. Juli hingerichtet. Er war 1995 des Mordes an einem 82 Jahre alten Mann im ländlichen County Morris in Texas schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt worden. Der Mann wurde getötet, als Billy Wardlow mit seiner Freundin versuchte, den Truck des 82-Jährigen zu stehlen, um ihren missbräuchlichen Elternhäusern in Cason, Texas zu entfliehen und in Montana ein neues Leben anzufangen. Billy Wardlow, der keine gewalttätige Vorgeschichte hatte, drückte wiederholt seine Reue über diese Tat aus.
Die Jury sprach Billy Wardlow vor allem aufgrund eines widerrufenen Geständnisses des Mordes schuldig. In der Strafzumessungsphase des Verfahrens verließ sich die Jury auf die Aussage eines Experten der Anklage, der sagte, dass Billy Wardlow trotz seines jugendlichen Alters eine dauerhafte Bedrohung der Gefängniswärter und der Gesellschaft sein würde, wenn er nicht zum Tode verurteilt würde. Die Strafzumessungsjury hörte keine diese Aussage widerlegenden Informationen, erfuhr nichts von seiner Reue und erhielt keine Informationen über strafmildernde Umstände wegen des Missbrauchs in seiner Kindheit.
In einem Urteil von 2005, das die Todesstrafe für Personen untersagt, die zur Tatzeit unter 18 Jahre alt sind, erkannte der Oberste Gerichtshof der USA in dem Verfahren Roper gegen Simmons Unreife, Impulsivität und geringes Urteilsvermögen in der Jugend und auch die Anfälligkeit junger Menschen für "Druck von außen, darunter auch von Altersgenoss_innen" an. Das Gericht hob auch hervor, dass "die Qualitäten, die Jugendliche von Erwachsenen unterscheiden, nicht verschwinden, wenn eine Person 18 Jahre alt wird". Tatsächlich zeigt die wissenschaftliche Forschung seither, dass das Gehirn bis Anfang/Mitte Zwanzig nicht völlig ausgereift ist. Deshalb kann man nicht vorhersagen, dass eine 18-jährige Person später gefährlich sein wird. Diese Informationen lagen der Jury, die Billy Wardlow 1995 zum Tode verurteilte, nicht vor und zwei Geschworene waren später der Ansicht, dass sein Urteil angesichts dieser neuen Erkenntnisse hätte umgewandelt werden sollen.
Die Todesstrafe ist die endgültige Verweigerung der Menschenrechte. Amnesty International wendet sich in allen Fällen, weltweit und ausnahmslos gegen die Todesstrafe. Bis heute haben 106 Länder die Todesstrafe für alle Straftaten abgeschafft und mehr als zwei Drittel der Länder haben die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft. Die USA haben seit 1976 insgesamt 1.519 Menschen hingerichtet, der Bundesstaat Texas führte 570 dieser Exekutionen durch.
Vielen Dank allen, die versucht haben, diese Hinrichtung zu verhindern.