Inhaftierter Mapuche im Hungerstreik

Diese Urgent Action ist beendet.

Nach fast zwei Monaten im Hungerstreik erhält der Machi Celestino Córdova, ein geistliches Oberhaupt der Mapuche, Zugang zu seinem heiligen Altar, um religiöse Zeremonien durchzuführen. Diese sind unerlässlich für die geistige und körperliche Gesundheit der Mapuche.

Mapuche verlangen die Freilassung der Gefangenen

Protest für politische Gefangene Mapuche 2012

Der Machi Celestino Córdova, ein geistliches Oberhaupt der Mapuche, befindet sich seit 2014 in einer Haftanstalt in der zentralchilenischen Stadt Temuco. Nach mehr als 90 Tagen im Hungerstreik, befindet er sich in einem kritischen Gesundheitszustand und sein Leben ist in akuter Gefahr. In den Hungerstreik war er getreten, nachdem ihm die Behörden den Besuch seines heiligen Altars verboten hatten.

Appell an:

Minister für Justiz und Menschenrechte

Hernán Larraín Fernández

Morandé 107

Santiago de Chile, CHILE

Sende eine Kopie an:

Amnesty International Chile
E-Mail: info@amnistia.cl

Botschaft der Republik Chile
S. E. Herrn Patricio Alberto Pradel Elgueta
Mohrenstr.
42, 10117 Berlin
Fax: 030-726 203 603
E-Mail: echile.alemania@minrel.qob.cl

Amnesty fordert:

  • Gestatten Sie bitte dem Machi Celestino Córdova den Besuch des Rewe für die 48 Stunden, die er benötigt, um die Wahrung seines Rechts auf Achtung seines Glaubens und seiner kulturellen Traditionen und Gebräuche sicherzustellen.
  • Bitte überprüfen Sie seine Haftbedingungen, um es ihm und anderen inhaftierten Mapuche zu ermöglichen, auch in Haft nach ihren Glaubensgrundsätzen, ihren Gebräuchen und ihrer Kultur zu leben.
  • Gewährleisten Sie bitte auch, dass jede medizinische Behandlung des Machi Celestino Córdova mit seiner informierten Zustimmung und gemäß seinen Wünschen durchgeführt wird und dass keine unerwünschte Behandlung oder Zwangsernährung angewendet wird, die Folter oder anderer Misshandlung gleichkommen könnte.

Sachlage

Celestino Córdova ist ein Machi und nimmt in der Mapuche-Gemeinschaft die höchste religiöse Position ein. Seitdem er 2014 im Zusammenhang mit dem Fall Luchsinger-MacKay verurteilt worden war, sitzt er im Stadtgefängnis CCP (Centro de Cumplimiento Penitenciario) in Temuco in Haft.

In seiner Rolle als Machi muss er dem Rewe (einem heiligen Altar aus Holz) regelmäßig seinen Besuch abstatten, um religiöse Zeremonien durchzuführen. Diese sind für die Mapuche unbedingt notwendig, denn sie sichern sowohl ihre geistige als auch körperliche Gesundheit. Immer wieder jedoch haben ihm die chilenischen Gefängnisbehörden der GENCHI (Gendarmería de Chile) seine Bitte um einen 48-Stunden Transfer zum heiligen Altar verwehrt.

Der Machi Celestino Córdova reagierte darauf am 13. Januar 2018 mit einem Hungerstreik, um die Behörden dazu zu bewegen, ihm diesen Besuch zu gestatten. Am Nachmittag des 18. April wurde er nun aufgrund seines besorgniserregenden Gesundheitszustands ins Krankenhaus von Temuco (Hospital Regional de Temuco) eingewiesen. Er kündigte am selben Tag an, einen trockenen Hungerstreik beginnen zu wollen, d.h. keine Flüssigkeit mehr zu sich zu nehmen, um die Gefängnisbehörden endgültig zu zwingen, ihm seine Rechte als Machi zu gewähren. Aufgrund seiner bedrohlichen gesundheitlichen Verfassung, ist diese Entwicklung zuiefst beunruhigend.

Der UN-Unterausschuss zur Verhinderung von Folter, drückte in seinem 2016 veröffentlichten Länderbericht zu Chile seine Besorgnis darüber aus, dass den zur Mapuche-Gemeinschaft gehörenden Inhaftierten das Recht verweigert würde, ihre Religion entsprechend der Glaubensgrundsätze ausüben zu können. Dazu gehört beispielsweise, Krankheiten auf traditionelle Weise zu heilen. Er forderte die chilenischen Behörden dazu auf, die Gewährleistung von kulturellen Traditionen und Gepflogenheiten sicherzustellen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Am 4. Januar 2013 war das ältere Ehepaar Vivian MacKay und Werner Luchsinger bei einem Brandanschlag getötet worden. Berichten zufolge war der Anschlag von einer Gruppe von Personen verübt worden, die in ihr Anwesen in der Region Araucanía eingedrungen waren. Kurz darauf wurde der Machi Celestino Córdova in der Nähe des Tatorts festgenommen und später auf der Grundlage des chilenischen Antiterrorgesetzes des Mordes angeklagt. 2014 lies das Gericht die Terroranklage fallen und verurteilte ihn zu 18 Jahren Gefängnis, weil er den Brandanschlag verübt und den Mord begangen haben soll.

Der Machi Celestino Córdova hat seither wiederholt offizielle Anträge gestellt, um seinen heiligen Altar besuchen zu können, eine für alle Machis wichtige religiöse Handlung. Die ständige Verweigerung, ihm den Zugang zu gewähren hingegen hatte wiederholt körperliche Gebrechen und Leiden zur Folge.

Obwohl es Berichte über frühere Fälle gibt, in denen die Gefängnisbehörde inhaftierten Mitgliedern der Mapuche-Gemeinschaft solche Besuche gestattete, blieben die Gefängnisbehörden im Fall von Machi Celestino Córdova bislang hart. Sie berufen sich auf die chilenische Gefängnisordnung, die solche Handlungen nicht erlaubt. Außerdem könne die Sicherheit der entsprechenden Personen nicht garantiert werden. Die religiöse Zeremonie finde in einer Region statt, in der ein Klima der Gewalt herrsche.

Amnesty International ist der Ansicht, dass dieser Umgang inkonsistent ist und auch eine Verletzung der internationalen Menschenrechtsstandards wie sie im Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (Artikel 27), in der ILO-Konvention 169 über Indigene Gemeinschaften (Artikel 5) und der UN-Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker (Artikel 11, 12, 31 und 34) verbrieft sind, darstellt.

Die Mapuche sind eine indigene Gemeinschaft die im Süden Chiles und im Südwesten Argentiniens lebt. Sie versuchen seit jeher, in Chile ihr angestammtes Land zu verteidigen. Obwohl der chilenische Staat anerkennt, dass solche Territorien der Mapuche existieren, wurden diese nach und nach verkleinert. In den betroffenen Gebieten wie Auracanía, wo die Gemeinschaft der Mapuche ihr angestammtes Land und den Respekt für ihre kulturelle Identität einfordern, kommt es zu gesellschaftlichen Spannungen.