Inhaftierter Mapuche erneut im Hungerstreik

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Mapuche verlangen die Freilassung der Gefangenen

Mapuche verlangen die Freilassung der Gefangenen

Machi Celestino Córdova, ein spirituelles Oberhaupt der Mapuche, der seit 2014 in Temuco im Zentrum von Chile inhaftiert ist, hat am 31. Mai 2018 erneut einen Hungerstreik aufgenommen, nachdem die Behörden ihm weiterhin den Zugang zu einem Altar für Zeremonien verweigern.

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Dein Appell

Sehr geehrter Herr Minister,

bestürzt habe ich von dem erneuten Hungerstreik erfahren, in dem sich Machi Celestino Córdova seit dem 31. Mai befindet und verfolge mit großer Sorge seine Situation. Deshalb wende ich mich heute an Sie:

Gestatten Sie bitte Machi Celestino Córdova den Besuch des Rewe für die 48 Stunden, die er benötigt, um sicherzustellen, dass sein Recht auf die Achtung seines Glaubens, seiner kulturellen Traditionen und seiner Gebräuche gewahrt bleibt.

Bitte überprüfen Sie seine Haftbedingungen, um es ihm und anderen inhaftierten Mapuche zu ermöglichen, auch in Haft nach ihren Glaubensgrundsätzen, ihren Gebräuchen und ihrer Kultur zu leben.

Gewährleisten Sie bitte auch, dass jede medizinische Behandlung von Machi Celestino Córdova mit seiner informierten Zustimmung und gemäß seinen Wünschen durchgeführt wird und dass keine unerwünschte Behandlung oder Zwangsernährung durchgeführt wird, die Folter oder anderer Misshandlung gleichkommen könnte.

Mit freundlichen Grüßen

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Bitte abschicken bis: 16.07.2018

Appell an:

Minister für Justiz und Menschenrechte

Hernán Larraín Fernández

Morandé 107

Santiago de Chile,

CHILE

Sende eine Kopie an:

Amnesty International Chile
E-Mail: info@amnistia.cl

Botschaft der Republik Chile
S. E. Herrn Patricio Alberto Pradel Elgueta
Mohrenstr.
42, 10117 Berlin
Fax: 030-726 203 603
E-Mail: echile.alemania@minrel.qob.cl

Amnesty fordert:

  • Gestatten Sie bitte Machi Celestino Córdova den Besuch des Rewe für die 48 Stunden, die er benötigt, um sicherzustellen, dass sein Recht auf die Achtung seines Glaubens, seiner kulturellen Traditionen und seiner Gebräuche gewahrt bleibt.
  • Bitte überprüfen Sie seine Haftbedingungen, um es ihm und anderen inhaftierten Mapuche zu ermöglichen, auch in Haft nach ihren Glaubensgrundsätzen, ihren Gebräuchen und ihrer Kultur zu leben.
  • Gewährleisten Sie bitte auch, dass jede medizinische Behandlung von Machi Celestino Córdova mit seiner informierten Zustimmung und gemäß seinen Wünschen durchgeführt wird und dass keine unerwünschte Behandlung oder Zwangsernährung durchgeführt wird, die Folter oder anderer Misshandlung gleichkommen könnte.

Sachlage

Machi Celestino Córdova ist ein spiritueller Anführer der indigenen Mapuche und seit seiner Verurteilung im Luchsinger-Mackay-Fall im Gefängnis von Temuco inhaftiert. Er ist ein Machi, dies ist die höchste religiöse Funktion bei den Mapuche.

Seine Rolle als Machi verlangt, dass er in regelmäßigen Abständen seinen Rewe, einen Altar für Zeremonien, besucht, um Erneuerungszeremonien durchzuführen. Sie sind unabdingbar, um das physische und psychische Wohlergehen der Mapuche zu gewährleisten. Doch die Gefängnisbehörden haben bereits mehrere Male seinen formalen Antrag abgelehnt, ihn zu diesem Zweck für 48 Stunden zu seinem Rewe zu fahren.

Am 31. Mai 2018 ist Machi Celestino Córdova deshalb zum zweiten Mal 2018 in den Hungerstreik getreten. Mitte April hat er einen vier Monate währenden Versuch beendet, auf diese Weise mit den Behörden zu verhandeln.

In seinem Chile-Bericht 2016 drückte der UN-Unterausschuss zur Verhütung von Folter seine Sorge darüber aus, dass es Mapuche-Gefangenen verweigert wird, ihre Religion in Übereinstimmung mit ihrer Weltsicht zu praktizieren, so zum Beispiel althergebrachte Methoden anzuwenden, um Leiden zu heilen. Der Ausschuss empfahl den chilenischen Behörden, die Wahrnehmung der kulturellen Traditionen und Gebräuche in Übereinstimmung mit internationalen Standards zu gestatten.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Am 4. Januar 2013 drang eine Gruppe Unbekannter in der Region Araucanía im Zentrum von Chile auf den Besitz des älteren Paares Vivian Mackay und Werner Luchsinger ein und tötete sie in einem Brandanschlag. Nur Minuten danach nahmen Polizist_innen den Machi Celestino Córdova in der Nähe fest und inhaftierten ihn, später wurde er gemäß des chilenischen Antiterrorgesetzes des Mordes beschuldigt. 2014 verwarf die Justiz die Terroranklagen und verurteilte den Machi wegen Mordes mittels Brandstiftung zu 18 Jahren Gefängnis.

Seitdem hat der Machi Celestino Córdova mehrere Male formell den Transfer zu seinem Rewe bzw. Altar beantragt, eine spirituelle Handlung, die für alle Machis von essentieller Bedeutung ist. Die wiederholte Weigerung, ihm dies zu gestatten, hat zu mehreren körperlichen Gebrechen und Leiden geführt.

Es gibt zwar dokumentierte Fälle, in denen die Gefängnisbehörden inhaftierten Mapuche den Transfer gestattet haben, doch bei Machi Celestino Córdova zeigen sich die Behörden nicht dazu bereit. Sie begründen dies damit, dass die chilenische Gefängnisverordnung solche Handlungen nicht gestattet und dass die körperliche Unversehrtheit der ihn begleitenden Beamt_innen nicht gewährleistet werden könnte, da in dem Gebiet, in dem die religiöse Zeremonie stattfinden würde, ein Klima der Gewalt herrscht.

Amnesty International ist der Ansicht, dass dieser Umgang nicht mit internationalen Standards übereinstimmt und sogar eine Verletzung internationaler Menschenrechtsstandards darstellt, wie sie im Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (Artikel 27), in der ILO-Konvention 169 über indigene Gemeinschaften (Artikel 5) und der UN-Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker (Artikel 11, 12, 31 und 34) verbrieft sind.

Die Mapuche sind eine indigene Gemeinschaft die im Süden Chiles und im Südwesten Argentiniens lebt. Sie versuchen seit jeher, in Chile ihr angestammtes Land zu verteidigen. Obwohl der chilenische Staat anerkennt, dass solche Territorien der Mapuche existieren, wurden diese nach und nach verkleinert. In den betroffenen Gebieten wie Auracanía, wo die Gemeinschaft der Mapuche ihr angestammtes Land und den Respekt für ihre kulturelle Identität einfordert, kommt es zu gesellschaftlichen Spannungen.