Inhaftiert, weil sie mit einer Frau zusammen ist

Diese Urgent Action ist beendet!

Domoina Ranabosoa wird wegen ihrer Beziehung zu ihrer 19-jährigen Freundin „verderbliche Beeinflussung von Minderjährigen unter 21 Jahren“ vorgeworfen. Die Gesetze, auf denen die Anklage beruht, stellen gleichgeschlechtliche Beziehungen unter Strafe und diskriminieren somit LGBTI. Amnesty International stellt diese Urgent Action gemäß den Wünschen der Familie von Domoina Ranabosoa ein.

Handfahne in Regenbogenfarben mit Aufschrift Stop Homophobia

Homophobie beenden!

Domoina Ranabosoa befindet sich seit 10. März im Gefängnis von Antanimora in Untersuchungshaft. Ihre Haftbedingungen sind schlecht. Der Vorwurf gegen sie lautet „sexuelle Nötigung von Minderjährigen unter 21 Jahren“ – weil sie mit einer 19-Jährigen zusammen ist. Ihre psychische und körperliche Verfassung hat sich seit der Inhaftierung massiv verschlechtert. Wegen der COVID-19-Pandemie sind jegliche Besuche untersagt und der ursprünglich auf den 10. April angesetzte Gerichtstermin wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.

Appell an:

Andry Rajoelina
Monsieur le Président de la République de Madagascar
Palais d’État Iavoloha
102 Iavoloha
Antananarivo

MADAGASKAR

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Republik Madagaskar
Frau Florence Isabelle Rafaramalala, Botschaftsrätin
Seepromenade 92, 14601 Falkensee

Fax: (03322) 231 429
E-Mail: info@botschaft-madagaskar.de

Amnesty fordert:

  • Bitte sorgen Sie dafür, dass Domoina Ranabosoa umgehend und bedingungslos freigelassen wird. Ich möchte Sie höflich daran erinnern, dass Untersuchungshaft laut internationaler Menschenrechtsnormen eine Ausnahmemaßnahme darstellt und nur als letztes Mittel angewendet werden darf, wenn ein erhebliches Fluchtrisiko oder die Gefahr besteht, dass anderen Schaden zugefügt wird oder die Beweismittel bzw. die Ermittlungen beeinträchtigt werden. Grundlage für eine Freilassung bis zur Gerichtsverhandlung ist die Unschuldsvermutung, die im Völkerrecht festgeschrieben ist.
  • Darüber hinaus fordere ich Sie auf, den diskriminierenden Paragrafen 331 des Strafgesetzbuches zu streichen, in dem einvernehmliche gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen als „sexuelle Nötigung von Minderjährigen“ bezeichnet und hart bestraft werden.
  • Stellen Sie bitte außerdem sicher, dass im Kampf gegen COVID-19 die Gesundheit und Sicherheit von Häftlingen Priorität hat. Ermöglichen Sie bitte die bedingte Freilassung von Untersuchungshäftlingen und anderen Gefangenen, die keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen. Ziehen Sie bitte wohlwollend in Betracht, ältere und vorerkrankte Gefangene, die in besonderem Maße durch Covid-19 bedroht sind, freizulassen. Wenn aufgrund von Präventionsmaßnahmen gegen COVID-19 keine Besuche mehr erlaubt sind, müssen den Gefangenen andere Kontaktmöglichkeiten (Telefonate, E-Mails oder Videoanrufe) bereitgestellt werden.

Sachlage

Die 33-jährige Domoina Ranabosoa befindet sich derzeit unter unmenschlichen Bedingungen im Gefängnis von Antanimora in Untersuchungshaft. Ihr wird vorgeworfen, mit ihrer 19-jährigen Freundin eine gleichgeschlechtliche Beziehung zu haben. In Madagaskar können einvernehmliche gleichgeschlechtliche Beziehungen mit unter 21-Jährigen mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Das Alter der sexuellen Mündigkeit liegt für Heterosexuelle dagegen bei 14 Jahren. Diese unterschiedliche Festlegung des Alters, ab dem jemand als „sexuell mündig“ gilt, ist eine klare Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung.

Die Haftbedingungen wirken sich massiv auf Domoina Ranabosoas psychische und körperliche Verfassung aus. So beklagte sie zahlreiche Flohbisse und die schlechte Qualität des Essens. Außerdem hat sie große Angst, von ihren Mithäftlingen angegriffen zu werden, da gleichgeschlechtliche Lebensweisen in Madagaskar ein Tabu sind. Wegen der momentanen Isolationsmaßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie kann sie weder Besuch von ihrem Rechtsbeistand noch von ihren Angehörigen erhalten. Außerdem wurde ihr Gerichtstermin auf unbestimmte Zeit vertagt. Sie könnte gezwungen sein, noch mehrere Monate in Untersuchungshaft auf die Verhandlung warten zu müssen. Die gegen sie verhängten Maßnahmen stellen eine Verletzung ihrer Rechte auf ein zügiges Verfahren, auf Kontakt zu Angehörigen und auf die Möglichkeit, gemeinsam mit einem Rechtsbeistand ihre Verteidigung vorzubereiten, dar.

Hintergrundinformation

Hintergrund

On 10 March, 33-year old Domoina was sent to pre-trial detention in Madagascar’s capital city’s prison, Antanimora. As exposed in Amnesty International’s 2018 report ‘Punished for Being Poor: Excessive, Unjustified and Prolonged Pre-trial Detention in Madagascar’, conditions of detention in Madagascar are inhumane, because of an excessive and prolonged use of pre-trial detention, which has in turn resulted in severe overcrowding across the country.

The charges brought against Domoina are that of ‘corruption of minors under 21 years old’, as she is accused of having a (consensual) relationship with her 19-year old girlfriend, Fyh. In Madagascar, the criminal code in its Article 331 punishes with up to five years imprisonment ‘anyone who has committed an indecent or unnatural act with a minor of their own sex, less than 21 years old’. Fyh and Domoina had decided to move in together, a decision which Fyh’s mother disapproved of, leading her to report Domoina to the police under this provision.

In an interview with Amnesty International, Domoina’s girlfriend, Fyh, explained that she was raped by her father and grandfather, from the age 6 to 16, during which she had to undergo two abortions (also criminalized by Malagasy law). After meeting Domoina and sharing her problems with her, Fyh finally found the courage to sue her father, and this is when her relationship with her mother became strenuous, as her mother accused her of destroying the family unity. Fyh believes the lawsuit is driven by her mother seeking to take revenge by attacking her girlfriend.

Because of the threat of COVID-19, Domoina was told that she can no longer receive visits from her lawyer or relatives, and that her trial, initially scheduled for 10 April, has been postponed to an undetermined date. As exposed by Amnesty International’s previous research, the government of Madagascar abusively uses pre-trial detention, constraining detainees to live in unhygienic and overcrowded conditions, and with the new threat of COVID-19, pre-trial detainees will have to wait for their trials for even longer periods, while risking falling sick.