Gouverneur entscheidet über Hinrichtung

Diese Urgent Action ist beendet.

Am 26. März begnadigte der Gouverneur von Ohio William Montgomery, der am 11. April hingerichtet werden sollte. Der Gouverneur wandelte das Todesurteil in eine lebenslange Haftstrafe ohne die Möglichkeit der Bewährung um.

Amnesty-Todesstrafenstatistik 2016

Amnesty-Todesstrafenstatistik 2016

Am 16. März verkündete der Begnadigungsausschuss von Ohio seine Empfehlung an den Gouverneur, das Todesurteil von William Montgomery in eine lebenslange Haftstrafe umzuwandeln. Der Gouverneur kann diese Empfehlung nun annehmen oder zurückweisen. Der Hinrichtungstag bleibt weiterhin der 11. April.

Appell an:

Gouverneur von Ohio

Governor John Kasich

Riffe Center, 30th Floor

77 South High St, Columbus

OH 43215-6117, USA

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Herrn Kent Doyle Logsdon
Geschäftsträger a.i.
Clayallee 170
14191 Berlin

Fax: 030 830 510 50
E-Mail: feedback@usembassy.de

Amnesty fordert:

  • Sechs der zehn Mitglieder des Begnadigungsausschusses hatten begründete Zweifel an dem Gerichtsverfahren, auf dem William Montgomerys Todesurteil beruht, und der Ausschuss stimmte deshalb für die Empfehlung zur Umwandlung des Todesurteils.
  • Während der gesamten Gerichtsverfahren sprachen sich insgesamt sechs Bundesrichter_innen für eine Neuverhandlung von William Montgomerys Fall aus. Der einbehaltene Polizeibericht widersprach der Theorie der Staatsanwaltschaft, was starke Zweifel am Urteilsspruch aufkommen lässt.
  • Bitte nehmen Sie die Empfehlung des Begnadigungsausschusses an und stoppen Sie William Montgomerys Hinrichtung.

Sachlage

Am 8. März fand die Anhörung von William Montgomerys Fall vor dem Begnadigungsausschuss von Ohio statt. Dem Ausschuss wurden Argumente für und gegen die Begnadigung vorgelegt. Für die Begnadigung sprach, dass die Staatsanwaltschaft einen Polizeibericht einbehalten hatte, in dem stand, dass Debra Ogle von einigen Freund_innen vier Tage nach dem Tag gesehen wurde, den die Staatsanwaltschaft als ihren Todestag angab. Außerdem wurde vorgetragen, dass Sorge um die Auswahl der Geschworenen bestand, die den Fall beraten hatten. Zwei der Geschworenen gaben in ihren eidesstattlichen Erklärung nach dem Urteilsspruch an, während des gesamten Verfahrens die Rechtslage nicht gut verstanden zu haben und nicht gewusst zu haben, wie sie diese für ihre Entscheidung nutzen konnten. Eine weitere Geschworene durfte am Gerichtsverfahren teilnehmen, obwohl es Anzeichen für psychische Krankheiten gab, die sie als ungeeignet für die Rolle als Geschworene einstufen könnten.

Der Begnadigungsausschuss stimmte mit sechs zu vier Stimmen für die Empfehlung an Gouverneur John Kasich zur Umwandlung des Todesurteils in lebenslange Haft ohne die Möglichkeit der vorzeitigen Haftentlassung auf Bewährung. Die Zweifel an der Auswahl der Geschworenen und deren Bedenken waren zwei der Gründe, die der Begnadigungsausschuss in seinem Gutachten am 16. März für seine Entscheidung vorbrachte. Zusammen mit dem Einhalten des Polizeiberichts durch die Staatsanwaltschaft gebe dies „Anlass zum Zweifel daran, dass William Montgomerys Todesurteil durch ein solch gerechtes und glaubwürdiges Gerichtsverfahren, wie es für ein so schweres Urteil von Nöten ist, getroffen wurde“.

2011 hob das Bundesberufungsgericht des 6. Bezirks, zu dem Ohio zählt, die Anordnung eines Neuverfahrens auf, die durch ein Bezirksgericht ergangen war. Von den fünfzehn abstimmenden Richter_innen stimmten fünf gegen die Aufhebung der Anordnung. Drei von ihnen gaben an, dass die Beweislage gegen William Montgomery „alles andere als“ überzeugend sei. Zwei von ihnen begründeten ihre Entscheidung damit, dass die Aufhebung der Anordnung die Staatsanwaltschaft ermutigen könnte, sich weniger an Recht und Gesetz zu halten und dass „niemand tatsächlich anzweifelte, dass die Staatsanwaltschaft die Beweise einbehielt, einfach weil sie nicht in ihre Theorie zum Fall passte“. Sie gaben an, William Montgomery habe ein Anrecht auf einen Geschworenenprozess, der „frei von grobem staatsanwaltschaftlichen Fehlverhalten“ sei. Sie fügten hinzu, man könne nur mutmaßen, wie die Geschworenen entschieden hätten, hätten sie von Beweisen wie den Zeugenaussagen gewusst hätten, laut derer Debra Ogle Tage nach dem Datum gesehen wurde, das die Staatsanwaltschaft als ihren Todestag angab. Hätte man dies noch mit anderen Beweisen wie dem Obduktionsbericht kombiniert, in dem steht, Debra Ogle sei an dem Tag gestorben, an dem sie angeblich gesehen wurde – und nicht Tage davor – hätte das Urteil in diesem Fall anders aussehen können. „Wir werden es nie wissen, denn die Gerichte haben entschieden, dass das nie passieren wird“, so die zwei Richter_innen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

(Auf Englisch)

On 8 March 1986, the body of Cynthia Tincher was found in her car in Toledo, Ohio. On the same day, her flatmate Debra Ogle was reported missing. Her body was found on 12 March in a wooded area in Toledo. Both women had been shot. William Montgomery and Glover Heard were each charged with both murders. Glover Heard avoided the death penalty by pleading guilty to complicity to murder in exchange for testimony against his co-defendant and a prison sentence of 15 years to life. William Montgomery was brought to trial in September 1986. The state’s theory was that he killed Debra Ogle on 8 March while robbing her, and then shot Cynthia Tincher to prevent her identifying him as having been with Debra Ogle. The jury convicted William Montgomery of the aggravated murder of Debra Ogle and the murder of Cynthia Tincher. He was sentenced to death for the Ogle murder and to 15 years to life for the Tincher murder.

Six years later, a police report came to light that Debra Ogle had been seen alive by several of her friends early on 12 March 1986, four days after the time the state asserted that William Montgomery had killed her. In 2007, a US District Court judge found that the police report would have “severely undercut Heard’s credibility and destroyed the State’s timeline of the case” as well as the “State’s theory of Montgomery’s motivation for killing Tincher”. He ordered the state to retry William Montgomery. The state appealed. A three-judge panel of the Sixth Circuit Court of Appeals, by two votes to one, upheld the retrial order on the grounds that the report undermined confidence in both the conviction and sentence. The state again appealed. In 2011, the full Court of Appeals overturned the District Court order. Five of the 15 judges dissented. If three judges had voted the other way, William Montgomery would have likely received a new trial. In May 2012, the US Supreme Court refused, without comment, to take the case.

While the state has sought to cast doubt on the sighting of Debra Ogle on 12 March 1986 described in the police report, in 2012 William Montgomery’s lawyers obtained an investigative report from forensic experts concluding that “there is considerable support for the hypothesis that the victim Debra Ogle died around March 12, 1986”. The clemency board was also presented with forensic evidence casting doubt on the state’s theory that Debra Ogle had been killed on 8 December.

Since 1973 in the USA, more than 160 wrongful convictions in capital cases have been discovered, including nine in Ohio. Police and prosecutorial misconduct, as well as inadequate defence representation, have been frequent contributors to such errors. In a dissent in 2015, two US Supreme Court Justices wrote that “crimes at issue in capital cases” can be “accompanied by intense community pressure on police, prosecutors, and jurors to secure a conviction. This pressure creates a greater likelihood of convicting the wrong person”. They said the frequency with which the death penalty has been “wrongly imposed” was “striking”, and another reason why the Court should reconsider the constitutionality of the death penalty itself.

There have been 1,471 executions in the USA since they resumed in 1977 under new capital laws approved by the Supreme Court in 1976. Ohio accounts for 55 of these executions. There have been six executions in the USA so far this year. Amnesty International opposes the death penalty, unconditionally. Today 142 countries are abolitionist in law or practice.